Zwischenruf: alles Käse!

Heute haben wir einen Tag Urlaub. Ordentliches Hotel, See vor der Tür, Terrasse mit Sonnenschein und Buckenvillie (oder wie auch immer sich die Pflanze mit den intensiv roten Blüten schreibt) und kein Fahrer, der uns gleich abholt. So kann man’s sogar in Indien aushalten. Während Birgit diesen Umstand zum Ausschlafen nutzt, mache ich mir ein paar Gedanken über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Wie zum Beispiel folgendes:

Charles de Gaulle wird mit dem Spruch zitiert „Wie kann man ein Land regieren, in dem es 246 verschiedene Käsesorten gibt?“. Für Indien möchte ich diese Frage in etwa folgendermaßen umformulieren: „wer möchte ein Land regieren, dass es in den Jahrtausenden seiner blühenden Kulturgeschichte nicht über die einfachste Käse-Vorstufe hinaus geschafft hat?“. Dabei lieben die Inder  Käse. Allerdings gibt es nur eine einzige Sorte namens Panir (oder auch Paneer). Die Speisekarten sind voll mit Gerichten mit Panir , herzhaft wie süß. Panir ist so eine Art Frischkäse, also letztendlich der geronnene Eiweiß-Anteil der Milch. Da die Verwendung von Lab hier wahrscheinlich wegen der Heiligkeit der Kühe verboten ist, erfolgt das Ausfällen mittels Aufkochen und Säure (wahlweise Zitrone oder Essig). Mit einem Tuch wird die Molke abgeseiht und fertig ist die Laube, pardon, der Panir.

Anfangs war ein Panir-Naan immer eine willkommene Abwechslung in der Curry-Einöde, mittlerweile reagiere ich auf die gummiartige Käsevorstufe ähnlich allergisch wie auf Braunes.

und noch etwas: Birgit hat mir gestern einen Bericht vorgelesen, nachdem die heiligen (und bisweilen auch ganz schön mageren) Kühe hier nicht genügend Milch für die vielen Chai, Lassi und Panir geben. Das Rezept für synthetische Milch hat der Artikel gleich mitgeliefert. Hauptbestandteile sind Seife (für den schaumigen Effekt), Pflanzenöl und Natronlauge als Konservierungsstoff. Das erinnert mich an Analog-Käse, wo wir wieder beim Thema wären …

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