Yes, Sir!

Pünktlich um 8:30 Uhr heute Morgen klingelte das Telefon. Dem Anschein nach sind Fahrer in Indien mindestens so pünktlich wie die Eisenbahn in Japan. Wir hatten damit wirklich nicht gerechnet, außerdem schränkten Verkehrslärm, Bahnbetrieb, Jetlack und prasselnder Regen unseren Nachtschlaf etwas ein. Nichtsdestoweniger trotz ging es dann 10 Minuten später los um die obligatorischen Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuhaken. Wir haben diverse Gedenk- und Grabstätten, Tempel, Schreine und Moschee-Ruinen besichtigt, sozusagen das „Who-is-who“ der  Top-Attraktionen. Und da wir relativ früh dran waren kamen uns, zumindest bei den ersten Besichtigungen, die Heerscharen der Touristen erst auf dem Rückweg entgegen. Oder anders ausgedrückt: der frühe Touri knipst das (weitgehend Touri-freie) Bild.

Nach Mittag setzte dann ausgiebiger Landregen ein. Der verwandelte die Straßen der Stadt in Wasserstraßen (Kanalisation? Fehlanzeige!) und verschärfte das Verkehrschaos noch um einiges (kaum zu glauben, aber das geht). So brauchten wir für den Weg zurück ins Hotel zwei gefühlte Ewigkeiten. Dabei haben wir auch einen Bier-Laden in der unmittelbaren Nachbarschaft entdeckt, die dort rumhängenden Gestalten legen aber Abstinenz nahe.

Und da wir gerade beim Thema sind: entgegen meiner Aussage gestern gibt es hier doch ab und zu Fleisch. Allerdings mögen die Inder, zumindest laut unserem Gastro-Guide, den Geschmack von Fleisch nicht sonderlich. Daher versuchen sie ihn mit allen möglichen Gewürzen zu übertünchen. Außerdem führte ein zahnloser König (pardon: Maharadja) dem Fleischkonsum in dieser Region ein. Nachdem wir bei dem Spiel „rate, was für ein Tier das war“ mehrfach versagt hatten, vertraute unser Guide uns an, dass auch er bei all den Gewürzen und der stundenlangen Garerei keine Chance hätte zu erkennen, was das mal gewesen war. Immerhin ist die statistische Chance, dass man richtig liegt, nicht so schlecht: entweder es ist Hähnchen, Ziege oder Lamm. Und aus Kostengründen ist es meistens Hähnchen.

Um genau zu sein vertraute er das nur mir an, denn Birgit fragte sich des öfteren, in welcher Sprache wir uns unterhielten. Als erfahrener Sprecher der weltweit meistgesprochenen Sprache, schlechtem Englisch, hatte ich zwar weniger Probleme, aber spätesten beim „Board Sanctuary“ hörte meine Phantasie dann doch auf (Vorstands-Schutzgebiet?). Trotzdem war die Mischung aus Sight Seeing und Futtern sehr interessant und, wie ich glaube, der ideale Einstieg in die indische Kultur.

Und noch ein „apropos“: apropos Kultur: der befürchtete Kulturschock blieb auch am zweiten Tag aus. Ok, hier ist es deutlich schmutziger, der Verkehr ist schlimmer und es gibt mehr Bettler als in Bolivien oder Indonesien, dafür habe ich aber den Eindruck, dass die Leute unaufdringlicher sind. Ein beherztes „no!“ oder ein energisches Kopfschütteln werden hier durchaus in seiner Bedeutung verstanden.

Apropos Bettler: unser Guide gestern führte uns (natürlich nur zum Schauen, nicht zum Essen) u.a. in einen Sikkh-Tempel, in dem jeden Tag über 10.000 Essen an Arme und Bedürftige ausgegeben werden. Er meinte, zumindest in den Städten, müsste niemand Betteln, um nicht hungern zu müssen. An nahezu jeder Ecke würden Gläubige ihrer Pflicht nachkommen und kostenlos Essen an Jedermann, unabhängig seines Standes, Herkunft oder Religion, verteilen. Er riet uns explizit davon ab, Bettlern etwas zu geben. Diese Worte aus dem Mund eines Einheimischen erleichtern das Gewissen hier doch ungemein.

Auf die Auflistung der genossenen Speisen (über 20 an der Zahl) verzichte ich hier, u.a. auch da ich mich an die meisten Namen nicht erinnere. Hauptsächlich waren es irgendwelche Backlinge mit Curry-Saucen und/ oder weichgegartes Fleisch, meist Hähnchen (s.o.). Außerdem gab es noch Eis, Suppe (die etwas schweflig schmeckte) und Obst-Stullen.

Noch eine interessante Sache zu unserem Guide: dieser arbeitete als IT-Administrator bis er genug von diesem Job hatte und sich dann als Food-Tour Veranstalter selbständig machte. In Kuala Lumpur hatten wir einen Ex SAP-Berater mit der gleichen Motivation. Gibt es eigentlich schon Food-Tours in Weinheim?

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