Wieder oben

Nach einer weiteren, relativ unbequemen Nachtbus-Fahrt, sind wir jetzt wieder auf über 3000 Metern Höhe in Huaraz. Die Bestuhlung des Bus‘ war diesmal um einiges großzügiger, doch dafür waren die Sitze extrem durchgesessen.

So, jetzt Butter bei die Fische: ich habe versucht, es hinauszuzögern, zu verdrängen oder diese unangenehme Aufgabe an Birgit zu delegieren, aber es hilft nichts, es ist nun mal des Chronisten Pflicht! Um keine schmachvolle Lücke in meinen Aufzeichnungen zu hinterlassen werde ich nun auch noch die letzten beiden Tage in Trujillo dokumentieren.

Ich erwähnte schon in Zusammenhang mit unserem Hotel, dass ich mit dieser Stadt nicht so recht warm werde. Nun könnte der geneigte Leser ja meinen, selbst schuld, wenn er bezüglich seiner Unterkunft eine schlechte Wahl trifft, womöglich noch vom Geiz beflügelt. Dem werde ich dann aber entgegnen: wenn es das nur wäre! Diese Stadt ist einfach von Grund auf laut und unangenehm. Ich vermute, dass jeder Automobilist hier einen stechenden Schmerz in seinem linken Hoden (alternativ: Eierstock) verspürt, wenn er/ sie nicht alle mindestens 30 Sekunden seine Hupe betätigt. Außerdem wird man als Gringo mindestens mit der gleichen Frequenz Opfer der Anpreisung fraglicher Waren oder Dienstleistungen, die mich manchmal meine durchaus gute Kinderstube vergessen und dem aufdringlichen Anbieter ein deftiges „F*** Dich in’s Knie“ mit einem honig-süßen Lächeln auf den Lippen entgegenschleudern ließen.

Die Krönung war aber jenes im Reiseführer angepriesene Restaurant, das angeblich leckere Kotelett in der Größe von Klodeckeln servieren sollte. Die haben uns tatsächlich bezüglich ihrer „flexiblen“ Öffnungszeiten 3x um eine halbe Stunde Geduld gebeten, da sie noch nicht mit dem Eindecken der Tische fertig waren. Beim dritten Mal verabschiedeten wir uns freundlich mit einem „F*** Dich in’s Knie“.

Statt dessen gab’s dann China-Mampf in einem Restaurant, dass versuchte, eine intime Stimmung durch das Abteilen der Tische durch Vorhänge zu erreichen. Spontan hatten wir beide die Assoziation einer Stasi-Verhörzelle, da das Essen aber halbwegs genießbar war, verzichteten wir auf den mittlerweile gewohnten Gruß. Noch eine kleine Pointe: die Chinesen hier sind des Spanischen ähnlich wenig mächtig wie die bei uns des Deutschen. Für das Enten-Gericht wählten sie daher einen Ausdruck, der zwar laut Wörterbuch auch zoologisch Ente bedeutet, in erster Linie aber Urinal oder Reiterspiel.

Am nächsten Tag war dann eine ganztägige Tour zu den prä-kolumbianischen Stätten angesagt. Dazu nur soviel: so recht haben wir unseren Zugang zu Sand und Steinen noch nicht gefunden.

Da unser Nachtbus erst um 9 ging, mussten wir uns auch gestern noch einen Tag in dieser Stadt um die Ohren schlagen. Irgendwie wollte sie dabei wohl einiges wiedergutmachen: außerhalb der Stadtmauer entdeckten wir einige quicklebendige Straßenzüge und Märkte, und schlussendlich kann ich hier sogar von dem mit Abstand leckersten Ceviche der bisherigen Reise und meinem ersten Pisco Sour berichten.

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