Wet Landing

11 hinter uns, noch 3 vor der Brust: mit 14 Stunden Brutto- und nicht viel weniger Netto-Fahrzeit ist unsere Etappe von Airley nach Hervey unsere längste Busfahrt bisher, zumindest netto. Zwischen Bolivien und Chile waren wir zwar 19 Stunden unterwegs, standen davon aber fast 7 mitten in der Atacama-Wüste rum.

Wie schon geschrieben war das Busfahren nicht unsere erste, und wenn wir ehrlich sind nicht mal unsere zweite Wahl. Der Gedanke an die Flexibilität eines Campers und das kühle Landungsbier in dessen Kühlschrank erscheint mir just in diesem Moment wieder sehr verlockend. Stattdessen sitzen wir im Greyhound Bus, der Fahrer fährt wie ein Henker, ich hatte seit 29 Stunden keinen nennenswerten Schlaf und ich bin mir nicht ganz sicher, was schlimmer riecht: die Hartwurst aus unserer Provianttüte, die Ausdünstungen unserer Mitreisenden oder unsere eigenen.

Außerdem schmerzen meine Beine. Ich weiß gerade nicht, ob ich das schon erwähnt habe, aber beim Schnorcheln im Great Barrier Riff habe ich es, mal wieder, versäumt, die paar nicht vom Neopren-Anzug bedeckten Quadratzentimeter meines Körpers einzucremen. Jetzt zieht sich die verbrannte Haut an den Unterschenkeln großflächig zusammen und verursacht bei den meisten Bewegungen ein heftiges Ziehen. Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, hat die Sonne in der Nähe des Zenits meiner Schädelkalotte eine ganz frische, sozusagen jungfräuliche Stelle zum Verbrennen gefunden.

Genug der Klage, nachdem wir, unter Aufbringung von Blut, Schweiß und Tränen, unsere Tour bis nach Sydney durchgebucht haben, haben wir uns feierlich geschworen, mit nichts von dem, was uns hier erwarten mag, zu hadern.

Dazu gehört auch, dass wir uns nicht über die Tiere ärgern, die wir nicht zu Gesicht bekommen: zu den Pinguinen und Walen in Neuseeland gesellen sich hier noch Krokodile, zumindest die Größeren. Erzählt bekommen wir was von Giganten mit über 4,50 Meter Länge, gezeigt werden uns Exemplare von maximal 45 Zentimetern. Die Erklärung für diese Diskrepanz hatte der Ranger-Guide natürlich schnell parat: es ist einfach zu heiß, da bleiben die ausgewachsenen Viecher zur Regulierung der Körpertemperatur die meiste Zeit unter Wasser. Schön und gut, oder wie unser Walpilot sagte: that’s nature. Aber: warum sagt das einem keiner, bevor man die Tour bucht?

Eine andere Tour führte uns zum Whitehaven Beach, dem Strand mit dem feinsten Sand des Planeten. Auch wenn ich solche Superlative etwas weit hergeholt finde, muss ich doch zugeben, dass der fast mehlige, strahlend weiße Sand in Kombination mit dem türkis-blauen Wasser schon sehr reizvoll war. Reizend sind wohl auch die in eben diesem türkis-blauen, badewannenwarmen Wasser beheimateten Quallen, so dass uns nahegelegt wurde, dieses nur mit einer Art Bade-Burka zu betreten.

Am Ziel unserer heutigen Etappe wartet dann der nächste Superlativ auf uns, die größte Sandinsel der Welt. Danach soll’s dann erstmal genug Sun ’n Fun sein, zumal ich der Sonne gegenüber etwas reserviert bin (s.o.) und für Fun das australische Bier zu teuer ist und eher bescheiden schmeckt. Über Weihnachten haben wir in Brisbane ein Appartement (mit Küche!) gemietet, und wir freuen uns schon auf unser Käsefondue bei über 30 Grad.

2 Gedanken zu „Wet Landing

  1. Hallo Herr Schmiedel, genießen Sie die Sonne, den Strand und das Meer. Hier ist es trist und wird die Tage noch kalt. Bibber Bibber….

    Ihnen und Ihrer Frau wünsche ich schöne Weihnachten in Australien und noch viele spannende und interessante Erlebnisse.

    Viele Grüße
    Martin Hellige

    PS: Gute Besserung Ihrem Sonnenbrand. ;-)

  2. Hallo liebe Schmiedles,

    fröhliche Weihnachten und eine Guten Rutsch ins Neue.
    Euer Blog lässt mich das besch… Wetter hier besser ertragen, zwar ist das Bier hier besser (vergl. Welde Jahrgansbier Nr. 6 2014 auf Faceb.) aber was bringt einem das wenn es den ganzn Tag nur dunkel ist :-(.
    Euch viel Spaß. Ich freue mich auf eure nächsten Beträge.

    Oliver

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