weiblich, ledig, deutsch …

… daß das die Attribute eines Großteils der Traveller in SOA sind, haben wir bereits auf der 2014er Reise gelernt. Im Wesentlichen ist das hier in Laos auch nicht anders, doch während wir seinerzeit vorwiegend auf Abiturientinnen und Stundentinnen getroffen sind, scheinen nicht wenige der Frauen hier auf Abschiedstournee zu sein. 

In Luang Prabang galt das oben gesagte in verschärftem Maße. Unser Frühstück mit selbst gemachter Marmelade und deutschem Müsli nahmen wir gemeinsam mit einer Mitt-20erin, einer mitt-50-erin (die die Region für 1/2 Jahr bereist, und das hauptsächlich per Mountainbike und Motorrad) und einer Mitt-70erin (die kein Problem damit hatte, sich an eine Zip-Line hängen zu lassen) ein. 

Hier, auf unserer nächsten Etappe in Vang Vieng, findet man zwar auch noch die eine oder andere Best-Agerin, insgesamt spricht der Ort aber eher das jüngere Publikum an. So er denn überhaupt irgendein Publikum anspricht. Bis vor kurzem hatte VV den Ruf, der (verschärfte) Ballermann Südostasiens zu sein. Die Touristen ließen sich in Traktorreifen (bzw. derer Schläuche) den Fluß hinab treiben und steuerten regelmäßig schwimmende Bars an, um dort den einen oder anderen Eimer Whiskey oder eine   mit psychoaktiven Kräutern gewürzte Pizza zu konsumieren. Damit die Kultur auf diesem Trip nicht zu kurz kommt, wurden natürlich auch die auf dem Weg liegenden Tempel besucht. Aus irgendeinem Grund hatte wohl ein Großteil der Einheimischen gewisse Probleme mit den (naturgemäß während des Badespaß‘) knapp bekleideten und auch nicht immer ganz nüchternen, höflichen und respektvollen Besuchern. Als Konsequenz daraus wurde diese Einnahmequelle trockengelegt. Allerdings ist man mit dem Erschließen der nächsten (DINKs, Familien, Best-Agerinnen, Abenteuer- und Öko-Touristen) noch nicht wirklich weit gekommen. 

So macht Vang Vieng einen komisch undefinierten Eindruck auf uns: überdimensionierte Clubs, aus denen ohrenbetäubende Musik tönt (und in denen sich die Bediensteten hauptsächlich mit ihrem Handy beschäftigen), große Hotel-Komplexe, von denen nicht klar ist, ob sie gerade auf- oder abgebaut werden, hunderte Tour-Agenturen, die alle das gleiche Programm anbieten (Rafting, Hiking, Caving), und, besonders bitter für uns: nicht ein einziges ordentliches Restaurant! Das kulinarische Angebot beschränkt sich im Wesentlichen auf Pizza (mittlerweile ohne „Herbs“), Burger und Pfannkuchen. Top-Empfehlungen des Lonley Planet Reiseführers sind ein irisches Pub und eine deutsche Wirtschaft.

Wobei ich zugeben muss, daß mein Appetit aktuell sowieso (mal wieder) etwas eingeschränkt ist: ich hätte wohl doch die Finger von den, den ganzen Tag in der Sonne vor sich hin gärenden, Hühnerköpfen und -Krallen lassen sollen :(

Morgen geht’s dann mit dem Minivan zunächst in die Hauptstadt Vientiane (Fahrzeit 3 bis 4 Stunden), dort gönnen wir uns ein paar Stunden Aufenthalt, um alle Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuklappern, danach nehmen wir den Nachtbus (12 Stunden) nach Pakxe im Süden des Landes. Ich lege mir am besten direkt eine Immodium-Infusion an. 

Ein Gedanke zu „weiblich, ledig, deutsch …

  1. Hallo Herr Schmiedel, das liest sich ja spannend. Schön, dass Ihr Blog und Tagebuch wieder lebt. Viele Grüße, viele spannende Eindrücke und gute Erholung, Martin Hellige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.