Traveller

Den augenscheinlichen Unterschied zwischen Touristen und Travellern hatten wir ja schon mal. Daher jetzt der etymologische Ansatz: Travelling bedeutet im Gegensatz zur Journey die mühevolle, arbeitssame Reise (vgl. frz. „travailler“ oder auch den „travelling salesman“). Und genauso fühlten wir uns gestern auch. Zum 4. Mal am 4. Urlaubstag klingelt der Wecker vor 6, eine erfrischende (will sagen: eiskalte) Dusche, den Krempel in die Rücksäcke gestopft und auf den Transfer-Bus gewartet. Der kam dann auch Ewigkeiten (und eine stärkende, kalte Nudelsuppe) später und brachte uns zu unserem Boot nach Battambang.

Die Passagiere im Boot konnte man sehr leicht als Touristen oder Traveller identifizieren, je nach dem, ob sie mit Rollkoffer oder Vorder- und Rückseitig je mit einem Rucksack bestückt waren. Außerdem kamen die Touristen auch um einiges entspannter an, während wir in einem völlig überladenen, stinkenden Kleinbus transportiert wurden. Immerhin: diesmal waren weder Schweine noch Hühner mit an Bord.

Die Bootsfahrt dauerte 6 Stunden und war ziemlich laut und Arschbacken-lähmend. Dafür können uns aber die Touren mit den Themen „schwimmende Dörfer“ und „Leben am Fluss“ sparen, und das völlig ohne unangenehmen Kontakt mit den einheimischen Marketendern („Where are you from?“, „This is my work“, „10 peaces 10$ Sir, good quality“).

Richtig anstrengend wurde die Sache nach der Anlandung: mit 2 Rucksäcken über einen schmalen, klapprigen, rutschigen Steg balancieren und dabei die penetranten Tucktuckfahrer und Hotelvermittler abwehren, das erfordert schon eine gewisse Geschickt-, Routiniert- und Abgebrühtheit. Das Geländer war dabei auch keine Hilfe, schließlich mussten sich die Fahrer ja irgendwo festhalten, Die Touristen tangiert das natürlich wenig, da diese ja von ihrem persönlichen Reiseleiter erwartet werden, der selbstverständlich auch den Koffer trägt. Schließlich haben wir uns zu dem Hotel unserer (richtiger: des Reiseführers) Wahl bringen lassen. Zum Hotel nur soviel: die Zimmer sind bis zur Decke weiß gekachelt. Wir wollten schon immer mal in einer Metzgerei nächtigen. Dafür ist es sauber und kostet stolze 10$ die Nacht. Und garantiert Touristen-frei.

Der Tag endete, wie er angefangen hat und auch der nächste anfangen sollte: mit Nudelsuppe. Vor 8 Uhr lagen wir im Bett in unserer Wurstküche und versuchten, unser erhebliches Schlaf-Defizit auszugleichen.

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