Auenland ist abgebrannt

Die Wahrscheinlichkeit, dass das heute der erste Tag unserer Reise wird, den wir komplett an ein und dem selben Ort verbringen, ist relativ hoch. Ich denke, das wird unserem Auto auch mal gut tun, zumal ich mich die letzten Tage des Gefühls nicht erwehren kann, dass unser Kiwi-Camper zunehmend aus dem Leim geht. Die Duschhalterung und die Fixierung des Tischs haben ihren Geist schon aufgegeben, und alle möglichen Spaltmaße werden immer größer.

Wir sind mal wieder mitten im Nirgendwo, diesmal am nord-östlichen Rand der Mitte der Nordinsel. Hier gibt es eigentlich nichts außer einem Camping-Platz (sehr zu unserer Überraschung und Freude sogar mit leidlich schneller/ stabiler Internet-Verbindung) und einem „Boiling Beach“. Letzteres ist auch der Grund unserer Anwesenheit. So ein siedender Strand ist schon eine feine Sache, auch wenn die Bezeichnung etwas übertrieben ist: bei Ebbe gräbt man einfach eine kleine Kuhle in den Sand und schon füllt sich diese mit dem bis zu 42°C heißen, schwefelhaltigen Grundwasser. Wenn man dann nach einiger Zeit Angst hat, das Birnchen im Nabel könnte durchbrennen, findet man in den Fluten des Pazifiks die rettende Abkühlung. Vorteile dieses „Natural Spas“: es ist live, umsonst und draußen, außerdem ein ziemlich einmaliges Erlebnis. Größter Nachteil: Sand, Sand, Sand und nochmal Sand!

Ansonsten gibt es hier, wie schon gesagt, nichts: kein Laden, keine Kneipe, keine Tanke, dafür viel Ruhe (und Sand). Um genau zu sein: es gab bis eben viel Ruhe. Auf dem ganzen Areal des Platzes verteilen sich 2 Zelte und unser Camper. Die Bewohner des einen Zelts sind gerade von ihrem Ausflug zurückgekommen. Dass das Deutsche sind, ist nicht sonderlich überraschend. Dass der Wind uns seither aber immer wieder Brocken in einer bekannt-berüchtigten Mundart (nicht Kurpfälzisch!) herüberweht, stört uns doch einigermaßen.

Was gibt es ansonsten von den letzten 2 Tagen zu berichten? Vorgestern stand Hobbingen (engl.: Hobbiton) auf dem Programm. Diese von den Dreharbeiten des Hobbit-Films übriggebliebenen Kulissen sind ein absolutes Muss für jeden Hobbit-/HdR-/Tolkien-Fan. Leider hatten wir keinen solchen dabei, der wäre bestimmt bereit gewesen, die geforderten 75$ Eintritt für das Besichtigen von nicht begehbaren Fassaden-Attrappen zu zahlen. Für uns, die wir nie über die Ankunft Gandalfs hinausgekommen sind, genügte das (kostenlose) „Wir-waren-(fast)-da-Photo“ des Ortseingangsschild völlig (muss ja niemand wissen ;-)

Gestern sind wir dann unter die Höhlenforscher gegangen. Ok, auch das könnte etwas übertrieben sein, die Höhlen, die wir gemeinsam mit vielen anderen Touristen besuchten (muss ich erwähnen, dass ein Großteil Landsleute waren), dürften bereits weitgehend erforscht sein. Das würde zumindest die rollstuhlgerechten Laufwege und Rampen erklären. An dieser Stelle darf ich mal wieder einen Superlativ einstreuen: diese Höhlen sind die einzigsten[!] rollstuhlgerechten Höhlen der südlichen Hemisphäre. Amazing, isn’t it? Apropos Englisch: durch 2 der 3 Höhlen führten uns Maori (Neuseelands Ureinwohner). Deren Vortrag war informativ, lustig und gut verständlich. Durch die dritte führte uns ein Westler, bei dem uns immer noch nicht klar ist, in welcher Zunge der gesprochen hat. Unsere Vermutung: Midwest-Hillibilly mit 2 Eiern im Mund. Oder irgendwas Ähnliches.

Wie dem auch sei, die über unseren Köpfen leuchtende Milchstraße aus Glühwürmchen in der absoluten Dunkelheit der Höhle war auch ohne (verständliche) Erklärung ein zutiefst beeindruckendes Erlebnis. Und die 90$ dafür waren auch sicherlich besser investiert als in die potemkinschen, Pardon, tolkienschen Dörfer.

Ansonsten musste ich hier bereits zum zweiten Mal blasen, bzw. zählen. Ich habe da beim Abbiegen ein Schild wohl irgendwie falsch interpretiert. Nachdem mich eine Sirene unzweideutig zum Rausfahren aufforderte, durfte ich mich zum ersten Mal die Worte „Hello, Mr. Officer“ sagen hören. Das Missverständnis war schnell geklärt und nachdem der Alkotest negativ war (wir hatten 11 Uhr morgens), verzichtete der Polizist ebenso auf ein Bußgeld wie auch auf den Führerschein, den Birgit mittlerweile mühsam aus unserem Tresor herausgekramt hatte.

Die Neufünfländer geben mittlerweile wieder Ruhe (die haben wohl auch entdeckt, dass es hier ein kostenloses, stabiles WLAN gibt), und die Hotels und Flüge für unsere letzten Tage hier in NZL und die ersten in Australien haben wir soweit klargemacht. Etwas schwermütig muss ich feststellen, dass mir dieses Fleckchen Erde doch insgesamt um einiges besser gefallen hat, als ich ursprünglich angenommen habe.

Auenland

Dass unser letzter Beitrag mittlerweile schon ein paar Tage zurückliegt hat 2 Gründe: zum einen sind die Internetzugänge hier auf dem, gar nicht so flachen Land doch ziemlich spärlich gestreut, zum anderen haben wir auch nicht so furchtbar viel Berichtenswertes erlebt. Wir haben mit der Zeit unseren ganz eigenen, ziemlich erholsamen Trott gefunden: Aufwachen, Aufstehen, Heißgetränk (bei dem ich gerade sitze), Klar Schiff machen, Fahren, Früh-Mi an einem Aussichtspunkt, Weiterfahren, N x [Attraktion/ Walk besuchen, Weiterfahren], Einkaufen, Weiterfahren, Platz suchen, Landungs-Bier, Abendessen machen und einnehmen (meistens Hammel), Lesen/ Hörbuch hören, Schlafen.

Mittlerweile sind wir auf diese Art auf der Nordinsel angekommen. Der Charakter dieser Insel unterscheidet sich merkbar von dem der Südinsel. Die Vegetation sieht anders aus (vor allem: keine Baumfahrne), die Siedlungs-/ Bevölkerungs- und Verkehrsdichte ist größer, dafür die der Touristen und Campervans niedriger. Die Berge sind aktive Vulkane und überall brodelt, dampft und blubbert es aus der Erde. Leider konnten wir die berühmtesten Vulkane, darunter auch der Schicksalsberg aus HdR, nicht persönlich in Augenschein nehmen, da diese sich komplett in undurchdringliche, aufliegende Staubewölkung hüllten. Dafür haben wir hier auf der Lee-Seite doch einigermaßen schönes Wetter.

Unser Platz  scheint exklusiv von Mitteleuropäern (Deutsche, Schweizer, Holländer) bevölkert zu sein. Überhaupt fällt hier noch stärker als in SOA auf, dass Deutsch die dominierende Fremden-Sprache ist: im Gegensatz zu dort fallen westliche Touristen hier äußerlich nicht sonderlich/ gar nicht auf, so dass man bei Englisch-Sprechenden oft nicht erkennt, ob es Touristen oder Einheimische sind.

Der Platz liegt mitten in einem Thermalfeld, und um uns rum brodelt, dampft und blubbert es aus der Erde. Dazu gehören auch ein paar Hot Pools, in denen ich mich heute Morgen schon in 42°C heißem Wasser ordentlich eingeweicht habe.

Soweit zum Status Quo, jetzt noch ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Tage: Die Überfahrt über die Cook-Strasse war ähnlich lang und langweilig wie die über den Ärmelkanal, allerdings deutlich teurer. Direkt nach der Fähre kamen wir in eine Polizeikontrolle, bei der ich ein Mikrofon vor den Mund gehalten bekam und kurz und knapp aufgefordert wurde „count to ten“. Als der Polizist mein verdutztes Gesicht sah, fügte er erklärend hinzu „it’s just because of  alcohol“. Nachdem die Anzeige „no alcohol“ vermeldete durften wir unsere Fahrt fortsetzen.

Wellington, die Hauptstadt des Landes, die irgendwann mal den Titel „coolste kleine Hauptstadt des Planeten“ erhielt, konnte uns nicht so recht in ihren Bann ziehen. Wir haben daher das im Reiseführer vorgeschlagene Programm „Wellington in 4 Tagen“ leicht zu „Wellington in 1/4 Tag“ modifiziert. Nächste Etappe wäre der Vulkan-Nationalpark gewesen, von dem wir leider nichts gesehen haben, aber das hatten wir ja schon.

Und nochmal zurück zur Südinsel: zum krönender Abschluss stand Whale Watching auf dem Programm. Standard wäre eine Bootsfahrt gewesen. Da die aber horrend teuer war und man, für nur eine Handvoll Dollar mehr, die Wale auch aus der Luft beobachten konnte, entschlossen wir uns für diese Variante. Als Zuckerl obendrauf durfte ich (die meiste Zeit) das Flugzeug vom Sitz des verantwortlichen Luftfahrzeugführers aus fliegen und wir bekamen einen ordentlichen Preisnachlass angeboten, wenn Birgit ein paar der geschossenen Photos dem Veranstalter überlies. Leider haben uns die Wale einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Viecher wollten sich einfach nicht zeigen. Außer ein paar Delfinen und Sehhunden (die man allerdings aus 1.000 Fuß nur erahnen konnte) bekamen wir keine Meeressäuger zu Gesicht. Unverrichteter Dinge mussten wir zurückkehren. Dem Boot unter uns ging es auch nicht besser. Obwohl der Veranstalter mehrfach betonte „that’s nature“, bekamen wir noch einmal eine Erstattung von 50 NZD. Damit war die Tour in Summe billiger als die Bootsfahrt (auf der es auch nichts zu sehen gegeben hätte), außerdem kann ich jetzt schon über 2 Stunden Flugzeit auf der Südhalbkugel und meinen ersten Flug auf einer Piper loggen.

Vor lauter schlechtem Gewissen bekam Birgit noch einen Freiflug am nächsten Tag angeboten, falls ein Platz im Flieger frei ist (die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei 3 Passagierplätzen relativ hoch).  Da wir aber die Fähre schon gebucht hatten, ließen wir dieses Angebot verstreichen. Die erstattetet 50 Dollar haben wir in einen prächtigen Hummer investiert.

Nachtrag: heute sind wir vom oben beschriebenen Trott abgewichen und auf dem Platz mit den Thermalquellen und den vielen Landsleuten geblieben. Um den Beitrag zu veröffentlichen (und unsere Mails mal wieder abzuholen) sind wir ca. 40 Kilometer weit in die nächste Stadt gefahren. Dort sitze ich jetzt mit meinem Notebook vor einer Bank (Geldinstitut), die ihren Kunden 15 freien Minuten Internet-Zugang gewährt und werde von den Passanten ziemlich schräg angeschaut.

Rostigrot

Wiedereinmal haben wir unseren Anker auf einem DOC-Platz geworfen. DOC steht für Department of Conservation und ist so eine Mischung aus Umwelt-/ Kultur- und Tourismusbehörde. Die DOC-Plätze sind meistens an wunderschönen, „szenischen“ Orten angelegt und stellen eine gute Alternative zum Wild-Campen dar. Letzteres ist hier zwar prinzipiell erlaubt, solange der Camper (eigentlich: sein Vehikel) in der Lage ist, alle Ausscheidungen bei sich zu behalten, dann aber doch an allen halbwegs attraktiven Stellen wieder verboten, so dass man sich faktisch nur in den Haltebuchten an den Hauptverkehrsstrassen nächtlich niederlassen darf.

Die DOC-Plätze befinden sich, wie schon gesagt, üblicherweise an landschaftlich wunderschönen Stellen (wir hatten schon: See- und Bachufer, atemberaubender Blick auf das Gebirge, eine Seehund-Familie sowie die Mecklenburgische Seenplatte vor der Haustür, …) und schlagen pauschal mit 12 NZD/ Nacht, also etwa 8 Euro 50, zu Buche. Dafür bekommt man allerdings nur einfache (aber bisher, toi, toi, toi, immer saubere) sanitäre Einrichtungen, jeglicher weitere Luxus wie Strom, Warmwasser oder Internet ist schon aufgrund der abgelegenen Lage der Plätze nicht verfügbar.

Auch darüber hinaus ist das DOC eine tolle Sache. Die von dieser Organisation betreuten Wanderwege sind ein Musterbeispiel an Gepflegtheit, ich konnte mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, die beschäftigen Landschaftsgärtner zur Gestaltung des Regenwalds. Auch die Wegweisung und Beschilderung sucht in allen Ländern, die wir bisher bereits haben, ihresgleichen. Am Anfang eines jeden Walks weist ein Schild die benötigte Zeit in der Form „x Hours/ Minutes return“ aus, also die Zeit, die man braucht, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen. Wir haben es schon mit Trödeln, Rennen und sehr langen Photo-Sessions versucht, diese Zeit stimmt immer bis auf wenige Minuten exakt!

Auf den Wegen sind auch minimale Steigungen nicht nur mit Holzplanken ausgelegt, sondern diese sind, für den, garnicht so unwahrscheinlichen Fall von Regen, zusätzlich mit Hasendraht bespannt. Sollte sich der Weg von dem ihn umgebenden Gelände mehr als 30 cm abheben, weist nicht nur ein Schild auf die akute Absturzgefahr hin, sondern ein von Meisterhand gefertigter Zaun erstickt diese Gefahr bereits im Ansatz. Wenn die Japaner die besseren Preussen sind, dann sind die Neuseeländer die besseren Japaner. Und das DOC übertrifft sie alle.

Heute führte uns unser Weg sozusagen in das Ruhrgebiet von NZL, also das Kohlerevier. Und natürlich gehört es zu den ureigensten Aufgaben des DOC, dieses wichtige Stück (Industrie-) Kultur des Landes zu bewahren und der Öffentlichkeit, allen voran den Besuchern des Landes, zu präsentieren. Entsprechend sind wir heute u.a. die Trasse einer alten Kohle-Bahn entlanggewandert. Bahntrassen eignen sich wunderbar zum Wandern, schließlich kann die Steigung maximal 6‰ betragen. Aufgrund von Erdrutschen waren manche Stellen dann doch etwas steiler, aber die waren ja gut mit Holzplanken und Hasendraht abgesichert. Höhepunkt des Tages war (zugegebenermaßen nur für mich als alten Lost-Places Fan) die Ruine einer gigantischen Kohle-Schrägförderungs-Anlage, eine Art Achterbahn für Kohle. Während ich mich von diesem Zeugnis der Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts zutiefst beeindrucken ließ, zog Birgit es vor, sich im Camper etwas auszuruhen.

Apropos: so ein Camper hat schon echt was sehr Luxuriöses: mal eben rechts (pardon: links) ranfahren und das Mittagessen in die Pfanne hauen oder mal für ’ne Viertel-Stunde die Augen zumachen, das verleiht dem Urlaub doch eine ganz eigene Qualität.

Zum Abschluss dieses Beitrags noch 2 Zahlen: 350 und 0. Das eine ist die Anzahl der heute von uns, neben den aufgeführten Aktivitäten zurückgelegten Kilometern, und das andere ist der Betrag, den man für DOC-Attraktionen als Eintrittsgeld berappen muss.

Bilder Christchurch 22.11.2014

Verdammte Hacke, jetzt habe ich doch glatt vor lauter Offline die Chronologie durcheinander gebracht … hier ein paar  Bilder aus Christchurch …

Der schönste Arsch der Welt

Hurra, wir haben mal wieder Netz (Wasser, Abwasser, Strom, Mobiltelefon und Internet)! Nun denn, wollen wir die günstige Gelegenheit nutzen und unsere Erfahrungen und Eindrücke der letzten 3 Tage Revue passieren lassen.

Wenn es in NZL von etwas mehr gibt als Schafe, dann ist das Landschaft. Es ist eigentlich egal, wo man hinblickt: rechts sieht man unglaublich grüne Weiden (vgl. Windows 95 Standard-Hintergrund), links die schneebedeckten Gipfel der Neuseeländischen Alpen, vorne die atemberaubend zerklüftete Küste, hinten den Urwald mit gigantischen Baum-Farnen und oben eine wunderschöne Landschaft aus Cumulus-, Cirrus- und Cirroculmulus-Wolken. Nicht ganz so eindrucksvoll ist der Blick nach unten, er offenbart meisten Schotterpisten mit rustikalen Schlaglöchern, aber was soll’s, wir sind ja Vollkasko-versichert.

Demnach könnte ich jetzt also ausführlich über Weiden, Gipfel, Küsten, Urwald, Wolken und Schlaglöcher erzählen. Da ich aber weiß, dass sich daran schon Generationen von Reiseführer-Autoren abgearbeitet haben, lasse ich das mal lieber.

Stattdessen hier eine kurze Beschreibung unserer aktuellen Behausung: es ist der pure Luxus! Ein komplett mit Küche, Dusche/ WC, Ess-, Wohn- und Schlafzimmer ausgebauter Sprinter. Zugegeben, die Motorisierung könnte besser sein und das Lenkrad ist auf der falschen Seite, aber an beides gewöhnt man sich. Bei mir klappt das mit dem Fahren auf der verkehrten Seite schon richtig gut (Trick: der Fahrer muss nach dem Abbiegen zur Straßenmitte hin zu sitzen kommen), Birgit musste ich bei ihren ersten Versuchen zu mehr Mitte ermahnen. Die angedrohte Fahrprüfung bei der Fahrzeugübergabe blieb übrigens, zu unserer Erleichterung, aus.

So ausgerüstet touren wir nun seit 3 Tagen als Selbstversorger kreuz und quer über die Südinsel. Billig sind hier vor allem 2 Dinge: Hammel und Diesel. Teuer ist der ganze Rest, vor allem aber Bier. Die letzten beiden Nächte haben wir auf (billigen) szenischen Plätzen mitten in der idyllischen Landschaft, und damit fernab jeglicher Zivilisation (und Netze, s.o.), verbracht. Nachdem wir uns heute aber selbst und gegenseitig nicht mehr riechen konnten, haben wir beschlossen, die heutige Nacht in einem richtigen (teuren) „Holiday-Park“ zu verbringen.

Mehr habe ich eigentlich nicht zu erzählen, außer vielleicht dem Highlight des heutigen Tages vielleicht noch: Neuseeland ist, wie alle Länder mit großer Ausdehnung und dünner Bevölkerung, Flieger-Land. Um ein, ziemlich weit entferntes, Aviatik-Museum (größte DeHaviland-Sammlung der südlichen Hemisphäre, wenn das mal nichts ist!) zu besuchen haben wir unseren Wecker mal wieder auf deutlich vor 7 Uhr gestellt. Auch das Frühstück fiel weitestgehend aus. Trotzdem haben wir es nicht innerhalb der Öffnungszeiten (bis 16:30 Uhr) dorthin geschafft, da ich, entgegen Birgits explizitem Rat, auf dem direkten Weg mitten durch die „Mecklenburgische Seenplatte“ (O-Ton B.) unseren letzten Stellplatz verlassen wollte. Es bedurfte einiger Stunden, 3 starker Männer (und mir) und viele, viele „Sänk Ju wery matsch“ bis wir wieder griffigen Boden unter den Rändern hatten. Immerhin wissen wir jetzt: unser Camper hat Heck-Antrieb.

@Mutter: wie gesagt, keine Ahnung wann wir mal wieder Netz haben und uns melden können. Wenn Du nichts anderes hörst gehe davon aus, dass es uns gut geht!

Re:Start

Nach 12 Stunden Netto- und 24 Stunden Brutto-Flugzeit (inkl. Zeitverschiebung und verdammt lang Warten) sind wir jetzt in Christchurch, NZL angekommen. Hier stimmt sogar die Uhr meines Notebooks fast wieder, ich muss nur AM durch PM ersetzen (und vice versa). Demnach wird zu Hause gerade die Bundesliga angepfiffen und mich plagt hier die Schlaflosigkeit. Also will ich die Zeit für einen kurzen Beitrag nutzen, es könnte für eine gewisse Weile der letzte sein. Nachher holen wir den gemieteten Camper ab und machen uns auf eigener Achse auf den Weg, das Land zu erkunden. Wo es uns dabei hinverschlägt und ob wir dort ein WLAN finden ist noch nicht klar. Bevor wir loslegen dürfen, ist so etwas wie eine Fahrprüfung vorgesehen. Ich hatte ja schon auf Bali das Vergnügen, mich im Linksverkehr bewähren zu dürfen, von daher denke ich, das wird schon werden. An das Schalten mit der falschen Hand gewöhnt man sich einigermaßen schnell und beim Rechtsabbiegen hilft ein Mantra-artiges „große Kurve, große Kurve, große Kurve, …“. Allerdings habe ich, besonders in stressigen Situationen (wovon es in Bali sicher wesentlich mehr gab als hier) bis zum Schluss die Fahrtrichtung mit dem Scheibenwischer angezeigt. Wie das wohl bei Birgit klappt? Sind wir gespannt!

Ich hatte gelesen, in Neuseeland kann man alle Klimazonen der Welt bereisen. Das mag spektakulär klingen, gestern hatten wir aber sogar alle 4 Jahreszeiten innerhalb eines Tages: los ging’s mit Winter, die Klimaanlage im Hotel war so extrem kalt, dass wir uns im Frühstücksraum, trotz Pulli und Faserpelz, ordentlich einen abfroren. Als wir, in dieser Montur, aus der Tür traten, setzte schlagartig der Sommer ein. Nach einer kleinen Strip-Einlage hatten wir, im Gegensatz zu manch Einheimischen, immerhin noch unsere T-Shirts an. Im Schatten der Rosensträucher im botanischen Garten wähnten wir uns temperatur- und geruchsmäßig im Frühling. Am späteren Nachmittag waren dann wir froh, Pullies und Jacken noch im Rucksack zu haben. Mit extremem Wind, aufliegender Bewölkung und zähneklappernden Temperaturen hielt der Herbst Einzug.

Zu Christchurch: die gesamte Innenstadt ist ein einziger Lost Place. Nach den Erdbeben von 2010 und 2011 gibt es hier nur noch zweckmäßige Neubauten (z.B. unser Hotel), Ruinen, geräumte Freiflächen oder augenscheinlich intakte, aber leerstehende Gebäude. Demnach wohnt und arbeitet hier, außer Touristen und der zugehörigen, „sterilen“ Infrastruktur, auch niemand mehr. Und so richtig viele Touristen gibt hier, zumindest momentan, nicht. Ich habe keine Ahnung, ob es hier vor dem Beben sowas wie pulsierendes Leben gab, Stand heute muss man die Stadt irgendwo zwischen „tote Hose“ und gespenstisch still einordnen. Öfters als einmal ist mir ein Vergleich mit der Weinheimer Werderstraße an einem Sonntag Nachmittag in den Sinn gekommen (für die Kölner Leser: leider/ zum Glück kenne ich keinen entsprechenden Ort in der Domstadt).

(Bemerkung zum Beitragsbild: alle sichtbaren Gebäude stehen leer)