Hong Kong Foodtour

Nach einem vollumfänglichen, englischen Frühstück habe ich einfach nicht mehr die Kraft, mich meines drängenden Mannes zu erwehren und beschreibe mal die Tour.

Essen ist ein Teil der Kultur eines Landes und bei einer Essenstour möchte man in diese Kultur eintauchen und mit allen Sinnen genießen. Alle Sinne? Bei der Tour in Hong Kong wurde die auditive und visuelle Wahrnehmung gefordert, die Gustatorische weniger. Nun von Vorne. Treffen uns mit der Guidin und 7 weiteren Personen auf Hong Kong Island. Hier bekommen wir einen Plan mit allen zu besuchenden Locations und der zu laufenden Wegstrecke. Der erste Stopp war ein ein Nudelsuppen Restaurant. Hier gab es, oh Wunder, Nudelsuppe mit drei Wontons (gefüllte Teigtaschen mit Garnelen/Fleisch). Die Besonderheiten dieses Lokals oder des Essens hat unser laufender Audioguide sicher hervorgehoben. Aber aufgrund der Gruppengrösse und der Lautstärke der Küche war dieser leider nicht verständlich.

Nächster Stopp: Dragon Restaurant mit allerlei gegrillten/geräuchertem im Schaufenster. Juhu. Fleisch. 1. Portion BBQ-Pork. Lecker. Dann hält unser Audioguide einen Vortag mit dem Ipad was es noch gibt und hebt die unterschiede zwischen einer Ente und einer Gans hervor. Meine Magensäfte sammeln sich in Annahme an, dass beides gleich gereicht wird. Leider hatte ich da etwas falsch verstanden und ich musste beim dritten Stopp meinen heißen Säften (O-Ton Audioguide) mit einem Zuckerrohrsaft einhalt gewähren, sonst gibt es eine unreine Haut.

Nachdem wir uns alle abgekühlt hatten ging es auf dem Markt. Hier konnten wir wieder die Vorzüge eines Ipads genießen und sehen, was man mit den Zutaten machen könnte, wenn diese auf einem Bankett angeboten werden würden. Auch ein Vortrag über Gentrifizierung, die bösen Leuten, die Sojasosse im Supermarkt kaufen, die bösen Leuten, die früher Sojasosse hergestellt haben und nun durch die Vermietung des Ladens steinreich sind, die bösen Leuten, die dann dort einen Coffeeshop errichten und Diesen, die Diesen trinken, hat unsere Tour bereichert.

Next stop: wong wing kee preserved fruit factory. Wie in einer Fabrik war hier schon eine Probierbox mit Allerlei konservierten Früchten und Nüssen vorbereitet. Natürlich auch gegen die innere Hitze. Shopping erlaubt und auch gewünscht.

Da wir nun innerlich schon in der Eiszeit angekommen sind, wird es mal Zeit für etwas dim sum im dim sum square. Es gab Shrimp-Dumpling, Schweine-Dumpling, frittierte Frühlingsrollen und BBQ-Bun. Für jeden nur jeweils ein Stückchen oder die Hälfte. Ausser für mich. Da sich meine Leidenschaft für Shrimps in Grenzen hält, habe ich 3 dim sum mit Gemüse und 3 mit Schweinefleisch mit Bohnen-Pelle bekommen. Kurz zusammengefasst, ich war satt während die Anderen auf weitere Gänge warteten, die nicht gekommen sind. Dafür gab es auf dem Ipad mal wieder Bilder.

Abschließend durften wir noch, in echt, in einer Bäckerei egg tart oder daan tart essen. Das ist die Hong Kong Style Variante der portugiesischen Nattas und sehr lecker.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass das von außen gesehen eine tolle Tour war, aber da dies nicht unsere erste Tour war, war diese auf jedem Fall die Teuerste mit dem wenigsten exotischen Essen. Immerhin wurde uns von Schlangensuppe, Abalone, getrockneten Fischblasen und Schildkrötenpanzergelee erzählt. Aber dafür hätte auch ein Youtube-Video gereicht.  Mit gemischten Gefühlen und in Gedanken an die Touren in Delhi und Kuala Lumpur gehen wir zurück in unsere Muffbude.

Nachtrag Melakka

Während des Schreibens des vorigen Beitrags hat mich das rhythmische Prasseln des Regens auf das Wellblechdach unserer fensterlosen, dafür aber trockenen und klimatisierten Kammer derart hypnotisiert, das ich unmittelbar nach dem letzten Buchstaben in einen komatösen Schlaf gefallen bin.

Nachdem mich der Hunger geweckt hat, mussten wir feststellen, dass es zum einen immer noch regnet und zum anderen, dass unsere Bargeld-Reserven spürbar zur Neige gehen. Da in unserem Viertel (Chinatown), das lt. Lonley Planet das mit Abstand beste Quartier zum Stromern und Erkunden ist, kein Geldautomat zu finden war, gab es halt nur eine Portion Nudel und Reis bei der Billig-Garküche. Weil Birgit jetzt, da wir uns völlig blank gesetzt hatten, aber von einer Art Panik befallen wurde, machten wir uns halbwegs gesättigt weiter auf die Suche nach einem ATM. Nach einigen Minuten Fußweg wurden wir dann auch fündig, und zwar gegenüber dem Restaurant, das im Reiseführer als erstes Haus am Platze für Satay-Spieße beschrieben wurde (und das lt. Birgit viel zu weit außerhalb liegt, um dort hinzulaufen). Beim Satay werden verschiedene Fleisch- und Gemüsesorten aufgespießt und in einer Art Fondue in blubbernder Erdnuss-Sauce bei Tisch gegart.

Mittlerweile haben wir fast 11 Uhr abends, es regnet, und die verschiedenen Satays stoßen mir,  in Kombination mit einem Skol-Bier (obwohl Dänemark meines Wissens hier nie Kolonialmacht war), angenehm auf. Zumindest auf kulinarischer Ebene haben wir unseren Frieden mit Melakka gemacht.

PS: das mit dem trocken muss ich revidieren: neben meinem Bett läuft Wasser die Wand runter!

Erstes Türchen: Essen

So, mittlerweile sind wir wieder im Hostel, die Klimaanlage bläst angenehm kühle und vor allem trockene Luft in unsere fensterlose Kammer und das Tiger-Bier mundet so gut, dass man über die 14 Ringit (ca. 3,50 Eu/ 0,6 l) glatt hinwegsehen kann.

Um uns kulinarisch auf das Land einzustimmen stand heute eine Tour „jenseits der ausgetretenen Pfade“ auf dem Plan. Mit unserem persönlichen Führer Mark, der hauptberuflich SAP-Berater (Modul HR, Stundensatz $150) ist, ging zu 3 Futterstellen (mir fällt auch bei angestrengtem Nachdenken kein besserer Begriff für „Food-Court“ ein) in einem Außenbezirk von KL, in den sich sicher nie ein unbeguideter Touri (und auch kein Traveller) verirren wird.

Einschub zu Kuala Lumpur. Der erste Eindruck:  Downtown KL ist eindeutig eine Auto-freundliche Stadt. 6-spurige Highways, Badewannen und Overflys allenthalben. Dazwischen eine wilde Mischung aus aufstrebender Glas- und Stahl-Architektur, prächtigen Kolonialbauten aus verschiedenen Epochen und ziemlich heruntergekommenen Behausungen. Der Außenbezirk, in dem wir heute waren, schien dagegen etwas langweilig. Ich muss zugeben, ich hatte Slums oder etwas ähnliches erwartet, doch weit gefehlt: das ganze wirkte etwas wie Köln-Butzweilerhof, nur mit Palmen und dafür ohne Ikea.

Zurück zu unserer Tour. Ziel war es die 3 Haupt-Ethnien und -Kulturen des Landes von ihrer besten, nämlich der kulinarischen, Seite kennenzulernen. Der erste Gang war Malayisch: Reis, Kokosmilch, Sambal und Erdnüsse. Das ganze im Bananenblatt gegart und mit einem Ei garniert. Dazu Ochsenschwanzsuppe und pappsüßen Tee mit Kondensmilch. War schon mal ganz lecker. Danach ging’s zum Inder: Crepe-artige Backlinge mit einer Selektion von Currys und Chutneys, dazu etwas weniger süßen Tee mit Kondensmilch und Ingwer sowie ein Mango-Lhassi. Auch nicht schlecht. Vor dem abschließen chinesischen Gang (gebratene Nudel mit Fisch/ Shrimps und Satay-Spiessen) stand noch eine Mutprobe der besonderen Art an: die Malayen lieben, genau wie die Thailänder, die Durian, auch bekannt unter dem Namen Stinkfrucht. Und ich muss sagen, sie trägt diesen Namen völlig zu Recht. Aber: wenn man sich von dem widerwärtigen Gestank nicht abschrecken lässt und auch die schleimig-weiche Konsistenz des embryo-artig geformten Fruchtfleischs ignoriert, wird man mit einem Geschmack belohnt, der auch gar nicht mal so besonders gut ist. Immerhin können wir jetzt in unserem Traveller-Lebenslauf einen Haken an diesen Punkt machen.