Soroche

Gestern stand nach der ziemlich anstrengenden Busfahrt im Wesentlichen Lungern auf dem Plan. Unsere Unterkunft hier in Huaraz ist das krasse Gegenteil zu der in Trujillo: großes, ruhiges Zimmer, komfortables Bett, tolle Aussicht. Außerdem das erste Mal seit geraumer Zeit wieder eine Küche. Da mussten wir die Gelegenheit beim Schopfe packen und uns auf dem Markt mit Hack, Gemüse, Spaghetti und Rotwein eindecken. Beim Kochen durften wir dann bereits zum 2. Mal während dieser Reise die französische Haute-Cousine miterleben. Ich bekam glatt kulinarisches Mitleid und wollte den beiden Mädels statt ihres verkochten Mehlbrei (ehemals Nudel) mit lieblos geschnittenem Gemüse und hoffnungslos verbranntem Fleisch einen Teller unserer göttlichen Bolognese anbieten, das hat Birgit aber unterbunden.

Heute haben wir dann den Höhepunkt unserer Reise erreicht: den Gletscher Pasto Ruri mit 5.300 Metern! Davon haben wir aber zugegebenermaßen nur die letzten 150 Höhenmeter zu Fuß zurückgelegt haben. Ok, auch das ist nicht ganz korrekt, eigentlich nur ich. Birgit wurde Opfer der Höhenkrankheit und musste etwa nach halber Strecke umkehren (alternativ hätten wir die Strecke auch zu Pferd zurücklegen können, doch dazu waren wir zu stolz/ geizig). Bei mir hingegen trat ziemlich genau das Gegenteil ein, eine Art Höhenrausch. Ich bin abgegangen wie eine Lokomotive, habe alle überholt und war regelrecht deprimiert, als der legal begehbare Pfad zu Ende war. Ich bin mir sicher: noch 150 Höhenmeter mehr und mir wäre Gott im brennenden Dornenbusch erschienen! Das könnte evtl. auch mit den Coca-Blättern in meinen Backentaschen (oder dem konsumierten Coca-Tee) zu tun gehabt haben, doch kam ich mir dort oben unheimlich leicht, frei und euphorisch vor. Auf jeden Fall verstehe ich seit heute den Sinn hinter John Denvers Hit „Rocky Mountains High“.

Mit uns an Bord des Tour-Bus waren außer einer nervigen peruanischen Schulklasse noch 2 deutsche Volontärinnen, von denen mindestens eine mächtig gefrustet war. Die beiden bestätigten uns das, was wir ohnehin schon vermuteten: ein Volontariat ist eine extrem kostspielige und unbefriedigende Angelegenheit: nicht nur, dass man neben der wenig erfüllenden Arbeit auch noch für Kost und Logis zahlen muss, auch die Vermittlung einer Stelle schlägt mit mehreren kEUR zu Buche. Eine der beiden (es war die weniger frustrierte) hat es treffend formuliert: ein Volontariat ist etwas für betuchte Eltern, die befürchten, dass ihre Sprösslinge nach dem Abi etwas Dummes anstellen könnten.

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