Sechstes Türchen: mehr Mitte, Wagen

Heute (ehrlicherweise gestern, denn ich bin einen Tag im Verzug) war der Transfer-Tag der Hölle. Dabei fing alles ganz harmlos an. Die U-Bahn fuhr von praktisch direkt vor unserer Hostel-Tür bis zum Flughafen durch. In der F-Frage waren wir uns etwas uneins: meines Erachtens hatten wir noch genügend Zeit, um uns noch ein Original Singapurisches Frühstück (will sagen: gebratene Nudel, Fleisch, Sambal) einzuverleiben. Birgit hingegen hat mittlerweile wohl einen gewissen Sättigungsgrad an Asia-Food erreicht (siehe auch: Braunes) und plädierte für ein ordentliches Mac-Frühstück am Airport. Als Kompromiss kaufte ich mir im Supermarkt eine Portion lecker Sushi und wollte die dann gemütlich vor dem Abflug vertilgen, während sich Birgit beim Schachtelwirt delektieren sollte.

Zum Glück haben wir uns für diese Variante, und nicht für die meinige entschieden. Zum einen hat die Bahnfahrt doch etwas länger als erwartet gedauert. Das wäre aber nicht das Problem gewesen. Das lag vielmehr darin, dass das Gate (angeblich) bereits ½ Stunde vor Abflug schließt und dieser, mir nichts, dir nichts, mal eben ¼ Stunde vorverlegt wurde. Beides führte dazu, dass ich mein Sushi und Birgit ihren Königs-Burger (es gab kein Mac) in magengeschwürfördernden Tempo in uns hineinstopften, nur um dann (am natürlich weiterhin geöffneten) Gate noch über eine ¾ Stunde auf den verspäteten Flieger zu warten.

Das sollte allerdings nicht die letzte und auch nicht die längste Warterei des Tages sein. Nach einem ruhigen Flug (neuer Rekord: Birgit hat sogar den Start verschlafen) mussten wir zunächst 25 US$ je Nase „Eintrittsgeld“ berappen. Das ging erstaunlich flott, danach wurde es aber unangenehm: erstmal auf einem Formular den gesamten Lebenslauf in BLOCKBUCHSTABEN eintragen und dann: warten … warten … warten. Und wie immer in einer solchen Warteschlange kommt mir ein Gedanke: je bananiger die Republik desto restriktiver die Einreisekontrollen. Und diesmal hatte ich mir fest vorgenommen, dem Grenzer diese meine Meinung auch nachdrücklich kundzutun (aus irgendeinem Grund riet mir Birgit allerdings davon ab). Als wir dann schließlich an der Reihe waren, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als der Beamte, nach kritischer Kontrolle meines Passbildes meine „better, much better“.

Wenig später saß ich zum ersten Mal rechts am Steuer. Ungewohnt! Mit links schalten ist eine Sache, die andere ist, dass ich das Abbiegen stets mit dem Scheibenwischer signalisiert habe. Zum Verkehr: vergesst Köln, Paris, Rom! Hier sind überall Zweiräder: rechts, links, vorne, hinten und wenn man nicht verdammt aufpasst auch unter einem. Und §1 der hiesigen Straßenverkehrsordnung: benutze deine Hupe (§2 alle anderen haben Vorrang).

Als ich ziemlich stolz auf mich war, in dieser automobilen Hölle die ersten 5 Kilometer unfallfrei geschafft zu haben, tat es einen mächtigen Schlag: mein ungeübtes Gefühl bezüglich der linksseitigen Ausmaße meines Gefährts hat mich in die Irre geleitet und zu einer Spiegel-Kollision geführt. Zum Glück hat es nur einen Spiegel und keinen Zweiradfahrer erwischt. Sehr zu meiner Überraschung und Erleichterung hat der Betroffene auch kulant über die (kleine, aber doch sichtbare) Beschädigung seines Spiegels hinweggesehen (ich sah uns schon Stunden, wenn nicht Tage, auf irgendwelchen Polizeirevieren rumsitzen und/ oder für eine komplette Neulackierung des Wagens blechen). Auch unser Spiegel ließ sich soweit flicken, dass wir unsere Fahrt ohne Einschränkung fortsetzen konnten (allerdings bleibt ein deutlicher Schaden, aber dafür haben wir ja eine Versicherung und eine Zusatzversicherung und eine Zusatzversicherung zur Zusatzversicherung; sicher ist sicher!). Ab diesem Zeitpunkt mahnte mich Birgit regelmäßig zu „mehr Mitte“.

Immer das gleiche mit den Navis: sie erledigen ihren Job, die kürzeste Strecke zwischen A und B zu finden gut, oft zu gut. Am Anfang waren die Straßen proppenvoll, aber durchaus mitteleuropäischer Qualität (und damit meine ich nicht wie im Bergischen Land im März). Über den deutlich abnehmenden Verkehr konnte ich mich nur sehr bedingt freuen, da er mit einer zunehmenden Verschlechterung des Fahrbahnbelags einherging (außerdem ist es ziemlich beängstigend, kilometerweit bei Nacht und Nebel durch den Dschungel zu fahren, ohne dass einem ein anderes Fahrzeug begegnet). Zur Piste: stellenweise war diese schlichtweg unbefahrbar: Schlaglöcher so groß und tief wie der Baikal-See, extrem ausgefahrene Hohl-Spitzkehren, Steine (wahlweise auch Hunde) mitten auf der Fahrbahn, … (also ungefähr so, wie im Bergischen Land im März). Als die Navi-App uns schließlich anwies, die gelbe Strecke zu verlassen und auf eine weiße abzubiegen, verweigerten wir den Gehorsam und Birgit übernahm, neben der Mahnung zu „mehr Mitte“ auch den Job des Navigators.

Starker Regen und dichter Nebel taten das ihrige, aus unserer Reise einen veritablen Horror-Trip zu machen. Wie durch ein Wunder sind wir, nach über 4 Stunden knochen- und reifenzermürbender Fahrt für läppische 90 Kilometer ohne (weitere) Schäden an Leib, Leben und fahrbarem Untersatz, in unserem Resort angekommen. Von diesem dann mehr im morgigen (heutigen, s.o.) Türchen.

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