Schichtwechsel

Die Ordnung der Dinge ist wiederhergestellt: der Zustand, dass ich von der Diarrhoe niedergestreckt nur eingeschränkt urlaubsfähig bin, während Birgit sich bester Gesundheit erfreut, kratzte doch etwas an meiner Ehre. Birgit dachte schon daran, mir den Titel „ein Magen wie ein Zuchthaus“ abzuerkennen. Seit heute Nacht sind die Verhältnisse wieder normal. Zwar geht es mir noch nicht richtig besser, dafür liegt Birgit jetzt richtig und im wahrsten Sinne des Wortes danieder. Nachdem ich den Belegungsplan für die Toilette für die paar verbleibenden Stunden mit Hilfe von MS Project erstellt habe, möchte ich jetzt noch einige Worte über gestern und heute zu Protokoll geben.

Doch vorher noch ein Einschub: gerade haben sich unsere fränkischen Landsleute, die wohl auf dem gleichen Flur untergebracht sind, lautstark vor unserer Tür darüber unterhalten, dass sie sich jetzt sputen müssen, um noch am „international buffet“ des Hotels (für 199 Barth) teilzuhaben. Wenn ich die Qualität und Anmutung des Frühstücksbuffets auf ein Brunch-Büffet für umgerechnet ungefähr 5 Euro übertrage, kann ich mir das definitiv nur gruselig vorstellen. Und das, während man sich beim fliegenden Händler an der Ecke für 20 oder 30 Barth kleine Portionen der leckersten Thai-Gerichte holen kann. Auf der anderen Seite … das Hotel-Essen ist sicher weit weniger stark gewürzt und bestimmt „schlacke-frei“.

Außerdem musste ich gerade beim Reinigungspersonal auf dem Flur um eine zweite Rolle Klopapier betteln (die mir nur unter Gekicher gereicht wurde). Hätten wir uns immer beim Hotel-Büffet den Bauch vollgeschlagen, wäre mir diese Schmach sicher erspart geblieben.

Um einen falschen Eindruck zu vermeiden muss ich hier kurz mal zum Thema fremdartiges Essen und unserem Verdauungstrakt ernsthaft werden: zu evu.it-Zeiten hatten wir einen indischen Kollegen, der seine Speise-Wahl in der Kantine stets sehr behutsam treffen musste, um nicht für den Rest des Tages seine Arbeitszeit dem Arbeitgeber zu entziehen. Das soll zeigen, dass Verdauungsprobleme weit weniger mit Hygiene als mit Gewohnheit zu tun haben. Der Kollege ernährte sich im Endeffekt übrigens fast ausschließlich von Pommes Frites.

So jetzt aber zu gestern Abend: da stand China Town auf dem Programm, das laut Reiseführer als Blaupause für nahezu jede Stadt auf dem chinesischen Festland dienen kann. Damit erwartete uns ein Kontrastprogramm zu den 2 Bangkoks, die wir bisher kennengelernt haben: dem Glas- und Stahl Bangkok der Banken und Großkonzerne, das, zumindest von der Architektur, auch New York, Tokio oder Frankfurt heißen könnte, und das Bangkok der goldenen Tempel, Pagoden und Buddha-Statuen. China Town ist bunt, laut, und selbst für hiesige Verhältnisse unheimlich voll und lebhaft. Jedes zweite Lokal bietet Haifischflossensuppe als Spezialität an, jedes zweite Geschäft verkauft Flachbildfernseher, dazwischen Silber, Gold, Geschmeide und klassische Import-Export-Läden (will sagen: Kitsch!). Und dann das Schneiderhandwerk: thai-chinesische Meister, die gerne mal Mr. Boss oder Mr. Armani heißen, bieten für 199 Euro zwei maßgefertigte Anzüge inkl. 2 Hemden und Krawatten an (Anmerkung: ich weiß nicht, ob das uns Deutschen geschuldet ist, aber hier ist tatsächlich neben dem einheimischen Barth der Euro die Leitwährung. Kennzeichnungen in Dollar begegnen einem nie!)

Allen 3 Bangkoks gemein ist das rege Treiben der fliegenden Händler, die auf jedem verfügbaren Quadratmeter Gehsteig ihre Waren und Speisen zum Besten bieten. Dort hätten wir auch die einmalige Chance gehabt, frittierte Heuschrecken, Maden und Schaben zu verspeisen. Leider konnte ich weder Birgit noch meinen Magen davon überzeugen!

Nördlich an China-Town schließt sich ein indisch-muslimisch dominiertes Viertel an, in dem auf einem riesigen Blumenmarkt rund um die Uhr vorwiegend gelbe Blumen und Blüten den Besitzer wechseln.

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