Roundup

Irgendwie hat das mit dem Schreiben diesmal einfach nicht funktionieren wollen. Jeden Morgen bin ich mit der Gewissheit aufgestanden, heute Abend endlich die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Und abends lautete die Devise dann immer „morgen ist auch noch ein Tag“. Heute ist nun das ultimative morgen, da spätestens morgen unser Urlaub definitiv zu Ende ist. Außerdem leide ich noch etwas unter Jetlag, so dass mir zumindest das Aufstehen nicht allzu schwer fiel.

Einigermaßen schwer fällt mir aber momentan das Schreiben. Ich habe mir aber fest vorgenommen, heute hier zumindest zu schreiben, warum ich nichts geschrieben habe. Das Finden eines halbwegs würdigen Abschluss‘ ist sozusagen eine „lebenserhaltende Maßnahme“ für unseren Yodo-Blog.

Warum habe ich also meine selbst auferlegte Chronistenpflicht derart vernachlässigt? Ich habe dafür 2 Erklärungsansätze, die irgendwie zusammenhängen:

Erster Ansatz: das war jetzt der dritte Japan-Urlaub innerhalb der letzten 3 1/2 Jahre. Vom Gefühl des „Kulturschocks“ des ersten Aufenthalts ist nicht mehr viel geblieben, vielmehr hat es sich in eine gelassene Routine und Vertrautheit verwandelt. Damit entfällt natürlich auch irgendwie die Motivation, sich über die mittlerweile gar nicht mehr so kuriosen Kuriositäten auszulassen. Hier ein kleines Beispiel: dem in Ueno angebotenen „Pig Rectum Yakitori“ habe ich 2011 einen ausführlichen Artikel gewidmet. 2013 gibt es sowohl das Restaurant als auch den Spieß noch, und er besteht immer noch aus Schweinearschloch.

Oder der legendäre Tokyoter Fischmarkt: dort werden immer noch unglaubliche Mengen Meeresgetier aller Art umgesetzt, aber zu unserer Enttäuschung haben wir, trotz Fukushima, keinen dreiäugigen Fisch entdeckt. Die einzige Veränderung, die wir ausmachen konnten, war eine wesentlich verschärfte Reglementierung der Touristenströme: 2009 konnten wir uns noch absolut frei in allen Bereichen des Marktes (einschließlich der berühmten Thunfisch-Versteigerung) bewegen. 2011 war der Zugang zur Versteigerung eingeschränkt. 2013 muss man sich für die wenigen Zuschauerplätze bei der Versteigerung im Voraus anmelden, und auch der Zutritt zur Markthalle ist erst ab 9 Uhr gestattet, also dann, wenn der Markt eigentlich schon „verloffe“ ist.

A propos Veränderungen: ich glaube, es gab während unserer Südamerika-Reise nicht einen einzigen Tag, an dem ich nicht über unseren hoffnungslos veralteten Reiseführer (aus 2011) geflucht hätte. Der Japan LP von 2009 hingegen war noch so aktuell wie am ersten Tag. Sogar die meisten Angaben über Eintrittspreise und Abfahrtszeiten stimmten erstaunlicherweise noch.

Zweiter Ansatz: vielleicht habe ich im ersten Ansatz den Eindruck vermittelt, unser Urlaub könnte irgendwie langweilig gewesen sein. Dem war aber überhaupt nicht so. Eher im Gegenteil: wir waren fast jeden Tag von früh bis spät auf Achse und haben viele interessante Orte und Dinge gesehen (und photographiert). Nur war es diesmal eben eine andere Qualität. Ich versuche mich mal an einem Vergleich: wenn ein Asiate nach Deutschland kommt, ist er  beim ersten Mal sicher tief beeindruckt von den gewaltigen Kirchen mit ihren farbenfrohen Fenstern und wahrscheinlich auch etwas befremdet von dem Gedanken, eine gefolterte Leiche anzubeten. Beim zweiten Besuch entdeckt er dann vielleicht den Unterschied zwischen protestantischen und katholischen Kirchen, und beim dritten Mal bemerkt er  den Unterschied zwischen Hoch- und Spät-Barock. (Ok, so ganz stimmig ist der Vergleich nicht: wir können einen Tempel aus der Heian-Zeit immer noch nicht von einem Schrein aus der Edo-Ära unterscheiden). Wie dem auch sei, auf jeden Fall lagen wir mehr als einmal um 8 Uhr abends ziemlich erschlagen im Bett.

Soweit meine Ausreden. Erfreulicherweise hat Birgit in ihrem Tagebuch die wichtigsten Beobachtungen und Ereignisse stichpunktartig festgehalten. Diese Aufzeichnungen sind die Quelle für die folgenden Einträge zu den einzelnen Etappen.

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