Re:Start

Nach 12 Stunden Netto- und 24 Stunden Brutto-Flugzeit (inkl. Zeitverschiebung und verdammt lang Warten) sind wir jetzt in Christchurch, NZL angekommen. Hier stimmt sogar die Uhr meines Notebooks fast wieder, ich muss nur AM durch PM ersetzen (und vice versa). Demnach wird zu Hause gerade die Bundesliga angepfiffen und mich plagt hier die Schlaflosigkeit. Also will ich die Zeit für einen kurzen Beitrag nutzen, es könnte für eine gewisse Weile der letzte sein. Nachher holen wir den gemieteten Camper ab und machen uns auf eigener Achse auf den Weg, das Land zu erkunden. Wo es uns dabei hinverschlägt und ob wir dort ein WLAN finden ist noch nicht klar. Bevor wir loslegen dürfen, ist so etwas wie eine Fahrprüfung vorgesehen. Ich hatte ja schon auf Bali das Vergnügen, mich im Linksverkehr bewähren zu dürfen, von daher denke ich, das wird schon werden. An das Schalten mit der falschen Hand gewöhnt man sich einigermaßen schnell und beim Rechtsabbiegen hilft ein Mantra-artiges „große Kurve, große Kurve, große Kurve, …“. Allerdings habe ich, besonders in stressigen Situationen (wovon es in Bali sicher wesentlich mehr gab als hier) bis zum Schluss die Fahrtrichtung mit dem Scheibenwischer angezeigt. Wie das wohl bei Birgit klappt? Sind wir gespannt!

Ich hatte gelesen, in Neuseeland kann man alle Klimazonen der Welt bereisen. Das mag spektakulär klingen, gestern hatten wir aber sogar alle 4 Jahreszeiten innerhalb eines Tages: los ging’s mit Winter, die Klimaanlage im Hotel war so extrem kalt, dass wir uns im Frühstücksraum, trotz Pulli und Faserpelz, ordentlich einen abfroren. Als wir, in dieser Montur, aus der Tür traten, setzte schlagartig der Sommer ein. Nach einer kleinen Strip-Einlage hatten wir, im Gegensatz zu manch Einheimischen, immerhin noch unsere T-Shirts an. Im Schatten der Rosensträucher im botanischen Garten wähnten wir uns temperatur- und geruchsmäßig im Frühling. Am späteren Nachmittag waren dann wir froh, Pullies und Jacken noch im Rucksack zu haben. Mit extremem Wind, aufliegender Bewölkung und zähneklappernden Temperaturen hielt der Herbst Einzug.

Zu Christchurch: die gesamte Innenstadt ist ein einziger Lost Place. Nach den Erdbeben von 2010 und 2011 gibt es hier nur noch zweckmäßige Neubauten (z.B. unser Hotel), Ruinen, geräumte Freiflächen oder augenscheinlich intakte, aber leerstehende Gebäude. Demnach wohnt und arbeitet hier, außer Touristen und der zugehörigen, „sterilen“ Infrastruktur, auch niemand mehr. Und so richtig viele Touristen gibt hier, zumindest momentan, nicht. Ich habe keine Ahnung, ob es hier vor dem Beben sowas wie pulsierendes Leben gab, Stand heute muss man die Stadt irgendwo zwischen „tote Hose“ und gespenstisch still einordnen. Öfters als einmal ist mir ein Vergleich mit der Weinheimer Werderstraße an einem Sonntag Nachmittag in den Sinn gekommen (für die Kölner Leser: leider/ zum Glück kenne ich keinen entsprechenden Ort in der Domstadt).

(Bemerkung zum Beitragsbild: alle sichtbaren Gebäude stehen leer)

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