Reizüberflutung, Fortsetzung

So, mittlerweile bin ich gedämpft genug. Also zurück zum heutigen Tage. Das erste bewusst wahrgenommene Gefühl war … SCHMERZ! Und zwar genau jener Schmerz, den ich mein Leben lang mit Waging bzw. Camping assoziieren werde … der Schmerz einer bis zum Bersten gefüllten Blase und dem Bewusstsein, dass der nächste Abort über 100 Meter entfernt ist. Ein Blick auf’s iPhone verrät zweierlei: zum einen habe ich keine neuen Likes bei Instagram eingefahren, zum anderen ist es halber Sechse! Nochmal verkneifen geht beim besten Willen nicht, also Birgit geweckt, Hose und Schuhe angezogen und einen mächtigen Strahl Wasser zur Erde bzw. in’s Porzellan gestellt.

Nach dem endgültigen Aufwachen, ca. 2 Stunden später, hieß es zunächst Rindviecher abladen und danach Einkäufe für das bevorstehende Wochenende zu erledigen. Dabei konnte ich, beim besten Willen, dem Charme der Bäckereifachverkäuferin nicht widerstehen, die uns auf unseren Wusch nach einem kümmelfreien Brot ein Kümmelbrot verkaufte. Außerdem: Getränke Frank, unser jahrelang treuer Lieferant für fast-göttliche Cervezia, hat upgegradet und betriebt nun eine Vinothek in Downtown Waging!

Nach einem erbaulichen Frühstück mit Filter-Kaffee, Kümmelbrot und Butter (wie es uns die Fachkraft nachhaltig an’s Herz legte), ging’s los. Ich muss sagen: keine 500 Meter und ich war im siebten Himmel. Die Kuh hing am Gas wie nix gutes, der Planet wärmte Körper und Seele und das Auge war von den sich ihm bietenden Reizen, dem strahlend blauen Himmel, dem tief-blauen See, den schneebedeckten Bergen, den satt-grünen Wiesen mit dem gelben Löwenzahn, … schier überfordert, aber das hatten wir ja schon.

In Traunstein war ein kurzer Zwischenstopp angesagt, da der GMS-Empfang hier am Platz allenfalls als sub-optimal bezeichnet werden kann und Birgit unbedingt noch den vorletzten Spieltag der Saison „durchtippen“ musste. Also tranken wir einen Kaffee respektive Tee im Schatten der Kirche, in der unser aller Oberhirte seinerzeit die Priesterweihe empfangen hat. Geboren ist Papa-Ratzi übrigens in Hufschlag, einem mittlerweile nach Traunstein eingemeindeten Örtchen, dessen Name mich schon bei meinem allerersten Waging-Besuch köstlich amüsiert hat. Somit ist der Papst offiziell ein Traunsteiner, was einem schon an der Autobahn mit einem überdimensionalen Schild klargemacht wird, und auch ansonsten hält sich die Stadt diesbezüglich nicht zurück: wir sind Papst!

Mir san net nur mir, sondern auch Papst

Danach ging’s weiter Richtung Ruhpolding. War schon ein imposanter Eindruck: das Thermometer im Cockpit zeigt 30 Grad an und am Straßenrand türmen sich die Schneeberge. In Ruhpolding war ein Photo-Halt angesagt, bei dem es Birgit tatsächlich fertig gebracht hat, sich beim Photographieren die Hand am Auspuff zu verbrennen. Unser Versuch, ihre Schmerzen durch Brandsalbe zu verringern scheiterte um 13:03 Uhr an den bayerischen Ladenöffnungszeiten.

Endstation Sommerfrische

Die weiteren Etappen unseres ersten Spins hießen Reit im Winkl, Kössen, Gschwend, Epfendorf und Lofer. Leider habe ich mein Navi im Wohnwagen vergessen, so dass ich weder mit einer Aufzeichnung noch mit detaillierten Informationen zur Strecke aufwarten kann. Ich denke mal, es werden so um die 200 Kilometer gewesen sein, für ein Warm-Up garnicht so schlecht.

Zurück am Platz wurden wir von den Nachbarn ausführlich interviewt. Besonders Klaus zeigte reges Interesse, da er just morgennach 40-jähriger Abstinenz ein Motorrad in Jena abholt und das dann gleich über 400 Kilometer nach Bayern überführt — Einschub: wie mir Birgit gerade beim Korrekturlesen sagte, ist er damals auch nur einen Monat lang gefahren — Und der Friese Junior will jetzt auch unbedingt den Motorrad-Lappen machen, dabei weiß selbst die kleine Johanna: der Will wohnt in Holland!

Ein Gedanke zu „Reizüberflutung, Fortsetzung

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