Präambel: Turbulenzen

So, jetzt sind wir also tatsächlich in Indien … und den ersten Kulturschock habe ich auch schon hinter mir: der Reiseführer hatte mich ja schon vorgewarnt, ich hatte aber bis zum Schluss die Hoffnung, dass das irgendwie ein Missverständnis sei. Dem ist leider nicht so, unser erster Rundgang über den lokalen Markt offenbart: es gibt überwiegend vegetarisches Essen und kein Bier!

Vom vegetarischen Essen werden wir sicher morgen, nach unserer 7 stündigen 18-Gänge Tour heute Mittag, ausführlich berichten. Und das mit dem Bier werden wir auch verkraften (schließlich haben wir ja noch ein Fläschchen zollfreien Rum dabei ;-)

Der erste Eindruck von Indien ist, von den o.g. Tatsachen mal abgesehen, so schlecht nicht: die Einreiseformalitäten gingen erstaunlich flott und kaum 1/2 Stunde nach der Landung wurden wir von unserem Fahrer mit einem Schild „Mr. OLIVER Welcome“ begrüßt. Der hat uns dann zu unserem Hotel (westlicher Standard) kutschiert, wo wir uns auf der Suche nach trinkbarem auf unseren ersten Rundgang gemacht haben (s.o.). Auch der Fahrer macht einen ordentlichen Eindruck und scheint seine Rolle sehr ernst zu nehmen: er hat uns eine Prepaid Handy-Karte besorgt (die leider nicht in’s iPhone passt) und sich geweigert, uns die 30 Meter zurück zum Hotel laufen zu lassen, nachdem er daran vorbeigefahren war.

Allerdings ist unser Fahrer nicht unsere erste Wahl. Bei unserer Reisevorbereitung sind wir auf einen anderen, der so was wie eine Legende zu sein scheint, gestoßen. Auf unsere Anfrage hin stellte der uns eine Tour zusammen und wir waren uns auch schon komplett handelseinig als wir, eher zufällig, bemerkten, dass er sich beim Datum um einen Monat vertan hat. Dieser kleine Irrtum hatte weitreichende Folgen: erstens hatte er 3 Tage mehr verplant und zweitens war er zu unserer Zeit auch gar nicht verfügbar. Er empfahl uns einen seiner Kollegen, nämlich den, mit dem wir jetzt unterwegs sein werden. Für eine auf 10 Tage optimierte Tourplanung musste sich Birgit allerdings einige Abende (vorwiegend die, die ich in Hangelar verbracht habe) um die Ohren geschlagen.

Apropos Fliegen: der Flug im Air India Dreamliner (B787) verlief so glatt und pünktlich wie wir es nur selten erlebt haben. Allerdings hat Air India von allen Airlines, mit denen wir bisher geflogen sind, die hässlichsten Saftschubsen (zumindest auf diesem Flug).  Birgit meinte außerdem, dass die wohl aus Spartanien kommen müssten: das eine Getränk, das uns gegönnt wurde, wurde uns von einem Bauch- und Schnorresträger mit über die Glatze gekämmtem Seitenhaar serviert. Die Ungeniessbarkeit des Essens hingegen lag nur im Mittelfeld (da hätten zugegebenermaßen aber auch keine orientalischen Schönheiten geholfen).

Die titelgebenden Turbulenzen gab es also weniger in der Luft als vielmehr im unmittelbaren Vorfeld der Reise. Wie üblich habe ich mich von den Kollegen mit bei einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedet. Und wie üblich wollte ich mit meiner Kreditkarte zahlen. Irgendwie war mir schon unwohl, als diese im Restaurant mehrfach abgelehnt wurde. Spätestens nachdem ich am Geldautomat auch nichts bekam wurde ich dann echt nervös. Zu Hause angekommen schaffte ein Blick in’s Online-Banking und ein Anruf bei der Bank Klarheit: irgendwie hatte sich meine Kreditkarte selbständig gemacht und ist über Tage hinweg im mittleren Westen der USA auf Shopping-Tour bei verschiedenen WalMart und HomeDepot Filialen gegangen. Und da unbegleitet umherreisende Kreditkarten irgendwie suspekt sind, hat die Bank beschlossen, meine sicherheitshalber zu sperren.

Damit hatte ich 2 akute Probleme: das erste war, dass ich nur noch 2 Stunden Zeit hatte die ganzen Formalitäten bezüglich der Reklamation der Umsätze, des Widerspruchs und der Strafanzeige gegen Unbekannt (ohne die die Reklamation nicht bearbeitet werden kann) abzuwickeln. Dank der „Internetwache“ unserer Polizei habe ich das tatsächlich geschafft und bin nun guter Dinge, die über 1.000 Eu von der Bank zurückerstattet zu bekommen.

Das zweite Problem ist, dass wir jetzt nur noch Birgits Karte haben, um uns mit Bargeld zu versorgen. Das mag ja im Prinzip auch ausreichen, bei Verlust/ Beschädigung/ Sperre etc. dieser Karte wird’s dann aber eng. Die Alternative, die ganze Zeit mit viel Bargeld hier rumzurennen, gefällt uns auch nicht wirklich …

Wie dem auch sei, unsere erste Ration Rupien haben wir (fast) problemlos bekommen, jetzt sind wir im Hotel und ruhen uns noch ein wenig aus, bevor wir gleich auf unsere große Food-Tour gehen. Der erwartete (und verschiedentlich vorhergesagte) ganz große Kulturschock ist bisher ausgeblieben und wir freuen uns auf „incredible India“!

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