Platzrunden

Frisch gestärkt vom Frühstück mit Yakbutter-Tee (ja, der schmeckt so schlimm wie er sich anhört) und Pfannkuchen mit 3 hauchdünnen Scheibchen Banane, sitzen wir hier in unserem Zimmer, genießen die Fußbodenheizung und warten, daß die Sonne das Thermometer auf über 0° treibt. Also die optimale Gelegenheit, die Ereignisse der letzten Tage zu protokollieren.

Wobei, so viel gibt es, zumindest von der letzten Etappe, Dali, nicht zu berichten. Im Reiseführer stand, man könne in diesem schnuckligen, kleinen Städtchen durchaus mehrere Wochen nichts weiter tun als zu essen, trinken und die Seele baumeln zu lassen. Dem habe ich nur wenig hinzuzufügen. Immerhin haben wir die Aktivitätspalette um Wäschewaschen (das tat dringend Not) und etwas Tischkickern erweitert. Und das mit der Seele hätte wahrscheinlich noch deutlich besser funktioniert, wenn sie beim Baumeln nicht dauernd festgefroren wäre. Will sagen: außerhalb der unmittelbaren Sonneneinstrahlung war es schwanzkalt. Das Bild, das wir morgens  beim Auftauen auf der Dachterrasse abgaben, war sicher göttlich: Birgit mit 3 Jacken übereinander und Zipfelmütze, während ich mir, Putin-Style, den ersten rustikalen Sonnenbrand der Reise hole. 

Ähnlich wie in Deutschland gibt es hier in China ebenfalls 2 inländische Äquatoren: während des bei uns der Weißwurstäquator und die Trennlinie zwischen Aldi Nord und Süd gibt, geht es hier um die Grenze zwischen Weizen und Reis und die Tatsache, ob die Häuser Heizungen haben oder nicht. Nicht ganz zufällig verlaufen diese Grenzen ziemlich parallel. Dali liegt im Reis-Teil.

Zwar verhinderte eine elektrische Heizdecke den direkten Kältetod, aber die drückende Blase und der Unwille, das warme Bettchen zwecks Erleichterung zu verlassen, schränkte, zumindest in der zweiten Nachthälfte, den erholsamen Schlaf doch deutlich ein. Von dieser Erfahrung geprägt haben wir für unsere nächste Destination, Shangri-La, mächtig tief in die Reisekasse gegriffen und ein Hotel gewählt, das nicht nur mit vorhandener Heizung warb, sondern mit Fußbodenheizung, was wirklich eine tolle Sache ist (s.o.).

Der Vollständigkeit halber jedoch erstmal zurück nach Kunming. Im letzten Beitrag schrieb ich, daß wir, als Revanche für den unherzlichen Empfang, nichts von der Stadt gesehen haben. Birgit reklamierte beim Korrekturlesen, daß das so nicht richtig sei: immerhin waren wir im örtlichen Apple-Store. Aber das nur der Vollständigkeit halber. Ansonsten nutzten wir unseren Aufenthalt für 2 Tagesausflüge: einen in die Westberge, einen in den Karst-Steinwald von Shinlin. Die Anreise zu letzterem stellte eine gewisse Herausforderung dar: 1 Stunde U-Bahn (diesmal ohne Messer), Karten für den Schnellzug kaufen, 1 1/4 Stunden auf den Schnellzug warten, 20 Minuten Bahnfahrt, eine weitere Stunde mit dem Elektrobus und schließlich nochmal 10 Minuten Elektrobus. Und das alles natürlich ausschließlich in für uns nicht entzifferbaren Symbolen und mit Personen, die in eben jenen Symbolen reden. Aber, dank meiner deutschsprachigen Reiseleitung vor Ort, Händen, Füßen und Taschenrechner kamen wir, als ich schon nichtmehr daran glauben wollte, tatsächlich an. Leider war weder das Wetter noch das Licht an diesem Tag optimal, so daß die gemachten Bilder die eindrucksvolle Schönheit der Gesteinsformationen nicht wirklich vermitteln können.

Deshalb, und da manchmal ein Film ja mehr sagt als tausend Bilder, beschlossen wir, unsere Drohne (die wir aus zwei Gründen auf den Namen Wolf getauft haben), erstmals in freier Wildbahn zum Einsatz zu bringen. So richtig gut verlief dieser Einsatz zugegebenermaßen nicht: beim Versuch, eine 360° Aufnahme in 30 Metern Höhe zu machen, habe ich wohl die Controls verwechselt und Wolf damit hinter den nächsten Felsen, und damit außerhalb unserer Sichtweite, manövriert. Der Druck auf die rettende „Return-to-Home“ Taste wurde mit einer Fehlermeldung quittiert. Birgit wurde panisch. Sie sah unseren Wolf schon an einer Felsnadel zerschellen oder wahlweise auch während seines Jungfernflugs im naheliegenden Teich versinken. Oder aber uns von den Parkwächtern, die unser Treiben mittlerweile argwöhnisch beäugten, verhaftet. Zum Glück ist Wolf nicht gerade leise, so daß ich ihn nach einer Weile dann doch wiedergefunden habe und, sicher und trocken, landen konnte.

Einer der beiden Gründe, warum wir der Drohne ihren Namen gaben, ist die Reverenz an meinen Fluglehrer (der zweite hat mit einer Narbe an meinen Fingern zu tun, aber das ist eine andere Sache). Und bei eben jenem Wolf habe ich gelernt, daß man erstmal die elementaren Flugmanöver beherrschen sollte, bevor man sich auf Überlandflug begibt. Wir werden es beherzigen und heute Mittag erstmal ein paar Platzrunden drehen. Damit wird Wolf (also die Drohne) dann mit 10.000 + x Füßen MSL höher geflogen sein als ich bisher.

 

 

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