No change today

Ein in der gesamten „3. Welt“, zumindest soweit wir sie bereist haben, verbreitetes Phänomen ist der akute Mangel an Wechselgeld. Das hat nicht unmittelbar was mit Armut zu tun, denn wenn man z.B. einen Betrag von 253 Rupien mit einem 1000er Schein bezahlt, machen die 7 100er Rückgeld nie ein Problem. Kritisch wird es bei den 4 10ern, und Münzen hat nie irgend jemand. Um so mehr verwundert es, dass z.B. für eine Flasche Wasser 25 Rupien verlangt werden. Ich will nicht wissen, wie lange wir hier schon in Summe darauf warten mussten, dass ein vor dem Geschäft rumhängender Lungerant, der weggeschickt wurde, um die Nachbarschaft nach Kleingeld abzuklappern, zurückkam. Immerhin ist man hier so kundenfreundlich (oder geschäftstüchtig), dass man sich selbst auf die Suche nach dem passendem Wechselgeld macht. In Bolivien wurde uns in solch einer Situation einfach der Kauf verweigert, da könnte ja jeder kommen.

So, mittlerweile sind wir in Udaipur, der letzten Etappe unseres Trips angekommen. Weltbekannt wurde diese Stadt durch den Bond-Film „Octopussy“, der wohl zu großen Teilen hier spielte und gedreht wurde. Darauf ist die Stadt so stolz, dass es in jedem zweiten Rooftop-Restaurant (und davon gibt es hier wirklich viele) eine all-abendliche Vorstellung dieses Streifens gibt … und täglich grüßt der Oktopus.

Ansonsten wirkt die Stadt, zumindest für hiesige Verhältnisse, ziemlich adrett und gelegentlich schleichen sich neben den gewohnten Ocker- und Umbra-Tönen auch andere Farben ins Spektrum ein. Morgen haben wir einen ganzen Tag Zeit, um die Paläste, Forts und Tempel zu erkunden … ich kann es kaum erwarten!

Der Tag heute bestand im Wesentlichen aus Fahren. Für die 300 km benötigten wir ca. 5 Stunden Netto-Fahrzeit auf dem indischen Mega-Highway der die Metropolen Bombay und Delhi miteinander verbindet. Stellenweise ist der tatsächlich 6 spurig ausgebaut und erlaubt halbwegs flottes Fortkommen, doch auch dort ist stets die unbedingte Vorfahrt der heiligen Kühe zu beachten. Kaum ein paar Kilometer weiter degradiert ihn dann ein „under construction“ Schild für viele Kilometer zu einer unbeschreiblichen Holper-Piste mit 1 1/2 Spuren, die bei uns wohl nicht mal den Namen Feldweg verliehen bekäme.

Unterwegs waren wir über 6 Stunden. Die restliche Zeit verbrachten wir beim Warten auf die bestellte indische Version des Fast-Foods, ein paar Naan-Brote und zwei Lassi. Und natürlich beim Warten auf das Wechselgeld. Irgendwie ist es mir in der vergangenen Woche noch nicht ganz gelungen, die für dieses Land notwendige innere Ruhe und Gelassenheit zu finden.

Das Frühstück heute Morgen entfiel aus dem selben Grund: um 1/2 9 hatten wir uns mit dem Fahrer verabredet. Um 1/4 vor 8 waren wir im Rooftop-Restaurant und freuten uns auf kontinentale Pfannkuchen und eierfreies Omlett. Um 10 nach 8 brachte uns der Ober die Speisekarte und wunderte sich sichtlich, dass wir auf einmal keinen Appetit mehr hatten. Stattdessen nutzen wir die paar uns verbleibenden Minuten für einen weiteren Photo-Streifzug durch die Gassen und zum heiligen See. Dabei sind wir hinter das schmutzige Geheimnis der relativen Sauberkeit Pushkars gekommen: der Müll in den Straßen wird früh morgens zusammengekehrt und unter Zuhilfenahme von Brandbeschleunigern direkt an Ort und Stelle „entsorgt“.

Das Hotel letzte Nacht war, wie schon beschrieben, auch nicht so der ultimative Brüller. Zwar gab es abwechselnd Wasser und Strom, aber in den Zeiten, in denen es Wasser gab, rauschte das so laut in den Leitungen, dass man sich wünschte, es gäbe keines. Außerdem war die Nasszelle so kaputt und unappetitlich, dass wir den Aufenthalt dort auf das absolute Minimum reduzierten. Ein Hoch auf die Dosen-Dusche mit 24-stündiger Frische-Garantie. Vielleicht erklärt das auch, warum hier so viele zottlige Touris, pardon, Traveller, rumhängen.

Auch beim Bett waren wir uns nicht wirklich sicher, ob es frisch oder überhaupt bezogen war. Was soll’s, bei den paar Rupien für die Nacht gilt wahrscheinlich der Spruch mit dem (fast) geschenkten Gaul. Trotzdem fraglich, wie es diese Herberge als Empfehlung in den LP-Reiseführer geschafft hat. Ob da wohl die eine oder andere Rupie Bakschisch geflossen ist?

Wie dem auch sei, diesmal haben wir deutlich tiefer in die Tasche gegriffen und müssen hier fast 30 Eu für die Nacht auf den Tisch des Hauses legen. Dafür sitzen wir jetzt im Schatten einer Bourgainvillie  (oder wie auch immer sich die Pflanze mit dem leuchtend roten Blüten schreibt) auf unserer Terrasse und dürfen gleich den Sonnenuntergang bestaunen. Incredible India!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .