Neuntes Türchen: Naphtalin

Heute waren wir zum ersten Mal seit unserer Ankunft hier wieder auf eigener Achse unterwegs. Zu meiner Erleichterung ist der Wagen direkt angesprungen und hatte auch noch auf allen Vieren hinreichend Luft, so dass ich annehme, dass unser Höllenritt, abgesehen vom Außenspiegel, keine bleibenden Schäden verursacht hat. Besucht haben wir heute eine koloniale Altstadt, einen Tempel und einen Wasserfall. Immerhin mal wieder Futter für die Kamera, ansonsten aber nichts wirklich Berichtenswertes. Daher heute ein paar stichpunktartige Gedanken, die wir uns die letzten Tage hier so gemacht haben.

  • Strom: die Anlage hier hat gemäß „Factsheet“ 108 Schlafzimmer. Dabei gibt es verschiedene Konfigurationen, von der Villa (4 Schlafzimmer) bis zum Einzelzimmer.  Nehmen wir mal ein durchschnittliches Verhältnis von 1: 1,2 für Schlafzimmer: Klimaanlagen an (wir haben z.B. eine Suite mit einem Schlafzimmer und 2 Klima-Anlagen). Das macht dann angenommene 130 Klimaanlagen (die in den öffentlichen Räumen wollen wir vernachlässigen).
    Eine durchschnittliche Klima-Anlage für einen Raum hat eine Leistung von etwa 6 kW (ohne Gewähr, habe ich mir aus verschiedenen Quellen zusammengegoogelt).
    Bei dem Wetter hier laufen die Anlagen eines belegten Schlafzimmers schätzungsweise fast rund um die Uhr auf 80% ihrer Maximal-Leistung. Für die Belegung in der Hauptsaison werden 90% angenommen.
    Das ergibt:
    108 * 1,2 * 6 * 0,8 * 0,9 =  560 kW
    Anschlussleistung nur für die individuellen Klimaanlagen. Bei einer angenommenen durchschnittlich Nutzungsdauer von 12 Stunden/ Tag (unterschiedliche Auslastung in Haupt-/ Nebensaison berücksichtigt) ergibt das einen Verbrauch von
    560 * 12 * 365 = 2,5 GWh
    @Joachim: vielleicht könntest Du hier ja mal 123energie anbieten!
  • Sonne: unser Guide gestern hat uns mehrfach aufgefordert, nicht ohne T-Shirt schnorcheln zugehen. Alle anderen, exponierten Körperteile haben wir ordnungsgemäß mehrfach mit LSF 30 eingerieben. Außerdem war der Himmel den größten Teil des Tages ziemlich bedeckt. Geholfen hat das alles nicht: heute können sowohl Birgit als auch ich uns nur ziemlich eingeschränkt bewegen, besonders der nicht von der Badehose/ -Anzug bedeckte Teil des Hinterns und die hinteren Oberschenkel sind Puter-rot und verursachen entsprechende Schmerzen. Aber auch Rücken, Arme und Brust sind in Mitleidenschaft gezogen. Ich will mir garnicht vorstellen, wie es unserem Mit-Schnorchler Gerard D. geht, der sowohl auf Shirt als auch auf Sonnenschutz gänzlich verzichtete.
  • Vergänglichkeit: ich möchte nichts relativieren, in unserer Herberge hier ist wirklich alles (fast) picobello. Allerdings ist sie auch, wie schon geschrieben, gerade mal 1/2 Jahr alt. Und bei genauerem Hinsehen haben wir uns schon das eine oder andere Mal gefragt, wie diese Anlage wohl in 1, 2 oder 5 Jahren aussehen wird. Nicht zuletzt ist hier ja auch alles viel extremeren meteorologischen Bedingungen (Regen, Hitze, Feuchtigkeit) ausgesetzt.
  • Verkehr: bei uns zu Hause gibt es ziemlich klar definierte, gerichtete Verkehrsströme: morgens fahren die Leute aus der Vorstadt in die City, abends zurück. Montags fahren die Berater zum Kunden, Donnerstag zurück. In den Tulpenferien fahren die Holländer in den Süden, Samstags fährt man zum Einkaufen in die Ehrenstraße, am Wochenende in’s Bergische und wenn der FC spielt, bleibt man zu Hause.
    Bei unseren verschiedenen Aufenthalten in der „3. Welt“ konnten wir bisher noch nichts ähnliches erkennen: hier scheint jeder irgendwie zu jeder Zeit von Irgendwo nach Wo Anders Hin zu müssen. Und um dort, mitsamt seinen zu befördernden Güter, anzukommen ist jedes erdenkliche/ verfügbare Mittel recht. Da sieht man Kleinlaster mit scheinbar unendlich vielen Passagieren auf der Pritsche, mit 6 Personen + Hund besetzte 50er Roller, Mopeds mit den abenteuerlichsten Beiwagen-Konstruktionen oder Motorräder, die so beladen sind, dass ich mich Frage, ob da ein Führerschein für 7,5 Tonnen ausreicht. Neben diesen motorisierten Varianten sind auch Pferde-, Esels-, Ziegen- oder Handkarren keine Seltenheit.
    In Kuba (welches wohlgemerkt seit über 50 Jahren unter dem US-Embargo leidet) brachte es unser Guide Humberto auf den Punkt: „our biggest problem is transportation“. Dem ist nichts hinzuzufügen
  • Geruch: wer kennt ihn nicht, diesen fremden, zumindest ungewohnten, bisweilen auch unangenehmen Geruch, wenn man bei uns einen Türken- oder Asia-Laden betritt. Mittlerweile habe ich mich als Dauer-Stammkunde zwar daran gewöhnt, tief in meiner Erinnerung ist aber noch ein charakteristischer, auch nicht unbedingt angenehmer, Geruch mit dem Betreten einer Aldi-Filiale verbunden. Tankstellen (ich habe lange genug an einer gearbeitet) verströmen einen Mix aus petrochemischen Produkten, Tabak (geraucht oder ungeraucht) und ungewaschener Kundschaft. Einzig die modernen Voll-Sortimenter (Edeka, Rewe), haben es geschafft, die Gerüche im Laden entweder ganz zu eliminieren oder zumindest mit durchweg positiv konotierten olfaktorischen Eindrücken (z.B. frisch gebackenem Brot oder Zitrusfrüchten) zu übertünchen.
    Wenn man in Japan einen Laden betritt, wird man dort von einem Geruch begrüßt, dem ich den Namen „Gesottenes“ gegeben habe. Der kommt daher, dass dort den ganzen Tag irgendwelches Essen (Würstchen, Gemüse, Tofu) an der Kasse in einem offenen Topf in einer Brühe vor sich hin suttert.
    Südamerikanische Läden riechen ähnlich wie die türkischen bei uns, also eher feucht-gemüsig. Aber irgendwie doch anders, ich würde den Geruch als „erdiger“ bezeichnen. Das gilt besonders für die Anden-Staaten, ab Chile wird es dann eher fleischig-blutig.
    Hier auf Bali hingegen ist der Geruch eines jeden Lebensmittelgeschäfts eindeutig und völlig klar definiert: ab ca. 5 Meter vor der Tür riecht es penetrant nach Mottenkugeln. Und das gilt sowohl für den kleinsten Krauter-Laden an der Ecke als auch die Niederlassungen des zweitgrößten Lebensmittel-Einzelhändlers der Welt, Carrefour.

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