Missmutig in der heiteren Stadt

So langsam werden wir reisemüde. Die Busfahrten (wahlweise nachts), die One-Night-Stays, bei denen nur das Nötigste ausgepackt wird (und das Einpacken trotzdem Stunden in Anspruch nimmt) und die ständige Suche nach der nächsten Unterkunft haben mittlerweile doch spürbare Gräben in unseren Gemütern hinterlassen. Und in La Serena, was vermutlich sowas wie „die heitere Stadt“ heißt, kam alles zusammen: die Nachtbus-Fahrt war keineswegs erholsam, und die ausgesuchten Absteigen (erste, zweite und dritte Wahl) waren „komplett“. Aus lauter Panik, die Nacht auf der Parkbank, oder schlimmer, im nächsten Nachtbus, verbringen zu müssen, quartierten wir uns in der nächstschlechtesten Pension ein: mickrigste Kammer, getrennte Betten, geteiltes Bad, verrückte Wirtin, und das ganze für schlappe 60 Eu die Nacht. Um das ganze noch zu toppen gab es zum Frühstück zwei Scheiben Toast, sonst nichts. Immerhin: das Zimmer war sauber, die Betten nicht unbequem, die Dusche heiß und das Internet einigermaßen schnell.

Für den zweiten Tag buchten wir eine Tour in’s Elqui-Tal, die obligatorische Touristen-Attraktion hier. Die Tour erwies sich als Taxi-Service von Touri-Abzocke zu Touri-Abzocke. Besonders hervorheben möchte ich hierbei die Führung durch ein Weingut inkl. Weinprobe. Die kostete zwar nur 1000 Peso, also nichtmal 2 Euro, dauerte aber auch nur 3 Minuten und zur Probe gab es für jedes Paar nur ein Fingerhütchen voll des Nicht-Besten Weins. Zum Ausgleich wurden wir 1/4 Stunde im Verkaufs-Shop eingesperrt. Dort wurden wir aufgefordert, den besten Wein (den wir nicht probieren konnten) zu erwerben. Aufgrund der sehr beengten Platzverhältnisse in unseren Rucksäcken waren wir gegen diese Offerte allerdings immun. Immerhin auch hier gab es ein „immerhin“: der Guide sprach leidlich gut Englisch und das inkludierte Mittagessen war lecker (zumindest meines, ich hatte in der Sonne geschmorte Ziege).

Während der Tour lernten wir ein Schweizer Paar kennen, das in einem billigen, aber dreckigen Hostal abgestiegen war. Die waren auch keineswegs zufriedener als wir. Man kann es diesen Gringos auch einfach nicht recht machen.

Das Kreuz mit unserem veralteten Reiseführer habe ich ja schon das eine oder andere Mal erwähnt. In La Serena war es besonders schlimm: sämtliche von uns ausgewählte Restaurants und Tour-Veranstalter hatten entweder ihre Pforten für immer geschlossen oder waren umgezogen. Die Schweizer hatten übrigens auch eine alte Ausgabe, dort wurde ihnen ihr Hostal als „sehr sauber“  empfohlen.

Das lange warten auf den Nachtbus am letzten Tag verbrachten wir in einem japanischen Garten und am Strand. Dabei stellte sich, neben Sonnenbrand an den Knien (irgendeine Stelle vergisst man beim Eincremen immer) tatsächlich sowas wie entspannte Urlaubbstimmung ein.

 

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