Mal verliert man, mal gewinnen die anderen

Wir haben jetzt 7 Uhr morgens und sind in Trujillo, einer von Pizarro an historisch vorbelastetem Ort gegründeten Stadt. Mittlerweile hat der Krach vor unserem „verkehrsgünstig gelegenen“ Hotel ein schwer erträgliches Maß angenommen. Das macht aber nichts, erstens hätten wir demnächst ohnehin aufstehen müssen, um unsere Tour zu den prä-kolumbianischen Stätten und Museen nicht zu verpassen, und zweitens hätte die extrem durchgelegene Matratze ein Weiterschlafen ohnehin verhindert. Ich glaube, man kann es schon zwischen diesen ersten Zeilen lesen: richtig gute Freunde werden diese Stadt und ich nicht!

Trotz Lärm (der zugegebenermaßen während der Nacht erträglich war) und unbequemer Unterlage haben wir heute Nacht wie die Steine geschlafen (und das fast 12 Stundenlang). Das dürfte daran liegen, dass die letzten 36 Stunden insgesamt ziemlich anstrengend waren.

Das fing in Vilcabamba an: das Zimmer mussten wir um 12 Uhr räumen, unser Nachtbus in Richtung Peru ging aber erst um 11 Uhr abends. Und da in diesem Dorf letztendlich, der, wenn auch ziemlich langlebige, Hund begraben ist, haben wir beschlossen, noch einen kleinen Hike zu machen. Dazu soviel: mit akutem Durchfall und ohne (den bereits ordentlich verstauten) Sonnenschutz war das vielleicht keine ganz so gute Idee. Sich mal eben in’s Unterholz schlagen ist hier nicht ohne weiteres möglich, da selbiges konsequent mit Stacheldraht geschützt war, obwohl es dort in unseren Augen außer Steinen und Unkraut nichts zu schützen gab. In meiner Verzweiflung war ich mir ziemlich sicher, dass die Zäune einzig dem Schutz vor dem Missbrauch des Terrains durch diarrhoeische Gringos dienen.

Die Sonnenbrandgefahr ließ nach, als sich der nachmittägliche Regenguss ankündigte. Diese Ankündigung war so imposant, dass wir beschlossen haben, unsere Tour etwas zu verkürzen. Tatsächlich haben wir es gerade noch in ein Taxi geschafft, als der Himmel seine Schleusen auftat. Die Fahrt wurde zu einem Anschauungsunterricht zum Thema Boden-Errosion und durch gelegentlich umherfliegende Metall-Platten behindert. Unser Fahrer war von diesem Schauspiel fast genauso beeindruckt wie wir, und ich denke, das wird nicht seine erste Regenzeit sein. Ob das evtl. doch was mit dem Klima-Wandel zu tun haben könnte?

Zurück in der Lodge mussten wir ca. 2 Meter zwischen dem Taxi und einem schützenden Dach zurücklegen. Das reichte, um ziemlich nass zu werden. Auch das Dach erwies sich als nicht ganz so schützend, da der Regen von allen Seiten kam. An dieser Stelle sollte ich evtl. mal den Begriff „Lodge“ kurz erklären: zumindest hier handelt es sich dabei um ein Ensemble mehrerer überdachter, aber nach den Seiten offenen Plätzen. Dort befinden sich die öffentlichen Bereiche, z.B. das Restaurant oder der Aufenthaltsraum. Der einzige echt umbaute (und damit effektiv vor Regen und der mittlerweile dazugekommenen Kälte schützende) Raum sind die Cabañas, also die Schlafhütten. Zu der hatten wir natürlich keinen Zugang mehr, und so froren wir uns auf einer durchweichten Hängematte liegend den Bibbel ab.

Irgendwann beschlossen wir dann, unser Warten in’s Bus-Terminal zu verlagern, in der Hoffnung, dass es dort etwas wärmer sein könnte. Tatsächlich fanden wir dort ein McD-Imittat, in dem wir noch ein paar Stunden, an einem Bierchen nuckelnd und in eine ausführlich Spiegel-Lektüre vertieft, verbringen konnten.

Soweit der erste Teil, Birgit hat gerade ihren Fön zum Explodieren gebracht (hier in Peru gibt es wohl 230V Netzspannung). Wir machen uns jetzt fein für die Tour de Kultur (das mit der Fön-Frisur wird heute wohl nix), der Rest folgt dann heute Abend.

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