Mahalo

Gestern waren wir auf einem Luau, einem traditionellen hawaiianischen Fest mit Wein, Weib und Gesang. Zu einem solchen Luau wurde seinerzeit schon Captain Coock eingeladen, der und dessen Mannschaft obiges Angebot aber missinterpretierten indem sie die Vorräte des Volkes plünderten und sich der angebotenen freien Liebe allzu umfassend bedienten (und dabei den Tripper auf die Inseln importierten). Ein klassischer Fall von interkulturellem Missverständnis, den der Entdecker letztendlich mit seinem Leben bezahlte.

Diese Gefahr bestand für uns zum Glück kaum: zum einen leisteten wir mit unserem Gastgeschenk von 110$ je Nase (+Tax +Tip, versteht sich) einen bescheidenen Beitrag zum Wiederaufstocken der Vorräte, zum anderen blieb uns der Anblick von allzuviel Nacktheit erspart. Evtl. stimulierende Körperteile waren züchtig mit Kokosnuss-Schalen oder Fasern bedeckt.

Trotzdem mussten auch wir uns auf den schwierigen Pfad der Verständigung mit der fremden Kultur begeben. Damit meine ich jetzt aber weniger die hawaiiische, die war für alle Anwesenden (und wahrscheinlich auch für den einen oder anderen Akteur) gleichermaßen fremd und wurde uns daher als eine Art „Best Of“ in homöopathischen Dosen verabreicht. Viel herausfordernder war das Eindringen in die Kultur des Gastgeber-Landes.

Dazu vielleicht vorab etwas zu den Rahmenbedingungen. Wie der eine oder andere Leser zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon vermutet, handelt es sich bei unserem speziellen Luau keineswegs um eine echte, traditionelle hawaiianische Feier, sondern  vielmehr um ein perfekt durchorganisiertes touristisches Event. Und das Maß der Durchorganisiertheit hat uns schon ziemlich beeindruckt: es gab ein Check-In, Bording-Pässe und eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Eintritt (zur Tarnung dieses Sachverhalts wurden die Klassen „Coconut“ und „Pineapple“ genannt). Nachdem wir unseren Begrüßungscocktail in die Hand gedrückt und unsere Blumengirlande mit einem Herzen kommenden „Aloah“ umgehängt bekommen haben, führte uns unser persönlicher Kellner zu unserem Tisch, nicht ohne uns auf das vorzubereiten, was uns die nächsten Stunden erwarten würde: verschärfter Smalltalk.

Die Eröffnung erfolgt immer nach dem gleichen Muster: Name (natürlich nur der Vorname) und der Bundesstaat, aus dem man kommt. So durften wir also mit Jerry, Californien, und … keine Ahnung mehr, nennen wir in einfach Tom…, Ontario, samt Frauen unseren Abend verbringen. Oliver ist leicht, aus Birgit wird der Einfachheit halber Bridget, und Germany geht einem hier auch schon halbwegs ohne die andernorts übliche Scham über die Lippen. Danach folgten: zum wievielten Mal auf Hawaii?, wie viele Tage hier?, dann das gestrige Football-Spiel (ohne unsere Beteiligung), die aktuelle Euro-Schwäche (momentan planen wohl viele Amerikaner Europa-Reisen), das Eisenbahn-System in Europa (da war unsere Experten-Meinung gefragt), amerikanische Sportwagen aus den 60er Jahren (interessiert mich zwar prinzipiell, habe mich aber nicht getraut mitzureden), die deutschen Autobahnen (da lag der Ball eindeutig wieder bei uns) und das Reisen im Allgemeinen, was, wie zufällig, auch ganz gut in unser Themen-Portfolio passt. Also radebrechten wir munter und zwanglos, fast wie von selbst, drauf los und irgendwie gelang es unseren neuen Freunden immer, uns sinnerfassend zu verstehen (und vice versa). Ich hätte nicht gedacht, dass Smalltalk so einfach sein kann.

Irgendwann beendete unser persönlicher Kellner (dessen Name wir natürlich, im Gegensatz zu Tom und Jerry, vergessen hatten) das Gespräch, indem er uns zum Buffet führte. Nach dem Essen folgte die Show mit der besagten bedeckten nackten Haut: im Wesentlichen ein getanzter Abriss der hawaiianischen Geschichte von der Schöpfungszeit bis in die 1920er Jahre. Schade, dass es nicht noch länger ging, wir hatten uns shon auf die Tänzer mit Thomas-Magnum-Schnorres gefreut ;-)

Nach der Show gingen die Lichter an, der Host bedankte sich überschwänglich mit viel „Mahalo“ für den wunderbaren Abend, den wir ihm und der gesamten Truppe durch unsere bloße Anwesenheit bereitet haben. Nach der Verabschiedung von Tom und Jerry mit dem obligatorische „see you“ fuhren wir, nach einem ziemlich gelungenen Abend, zurück in unser Hotel. Aloha und Malaho!

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