Lost Places

Heute beim Frühstück (Spag Bolo mit verlorenen Eiern) klingelte, völlig unerwartet, mein Telefon. Artur war dran, und neben verschiedenen geschäftlichen „Suboptimalitäten“ erinnerte er mich daran, daß unser Yodo-Blog mittlerweile eher ein „Lost Place“ als ein Quell interessanter Informationen sei. Und was soll ich sagen: Recht hat er! Nun denn, „Arsch huh“, wie wir Kölner zu sagen pflegen.

Anfangen will ich mit einer Art Resümee über Laos: dieses Land hat sich uns als das „andere Südostasien“ präsentiert. Klar geworden ist uns das spätestens, als wir nach einer weiteren strapaziösen Nachtbusfahrt von Buon Ma Thuot nach Mui Ne ausgestiegen sind (Birgits Protokoll folgt). Sofort waren wir von einer Traube ziemlich aufdringlicher Taxifahrer umzingelt, die ihre Dienste in Wort und Tat intensiv anpriesen. Nicht das die Laoten weniger geschäftstüchtig oder gar faul gewesen wären. Auch dort fragten die Taxi- bzw. Tucktuck-Fahrer „Taxi?“ bzw. „Tucktuck?“. Im Unterschied zu hier genügte aber ein knappes „No, thanks“ oder einfach ein Kopfschütteln, um klarzumachen, daß kein Interesse besteht. Hier hingegen gehört es zum guten Ton, die Ernsthaftigkeit der Offerte durch ständiges Nachhaken („Taxi, Sir?“, „Tucktuck, my friend?“, „Taxi, my friend?“), zuppeln an Ärmeln und grabschen nach dem Gepäck zu unterstreichen. Außerdem frage ich mich wirklich, warum der elfte Fahrer glaubt, daß wir, nachdem wir seine 10 Kollegen abgewimmelt haben, ausgerechnet Bedarf für seine Dienste haben?

Natürlich hat unser analytischer Verstand Verständnis dafür, daß die armen Kerle auch nur ihren Job machen und wahrscheinlich von den paar mickrigen Dong, die sie verdienen, nicht nur ihre Familie ernähren, sondern auch das Taxi bzw. Tucktuck abbezahlen müssen. Die weniger rationalen Schichten des sublimalen Kortex‘ allerdings sind schlichtweg genervt und überlegen, ob Zuschlagen oder laut Schreien die bessere Option ist. Im Endeffekt belassen wir es dann aber doch bei einem durch die Zähne gequetschten, halb verschluckten „Fuck Off“.

Wie gesagt, in Laos ist das Reisen entspannter als hier in Vietnam oder auch Thailand, und die Leute sind nicht so abgebrüht. Die Kehrseite der Medaille ist, das Laos, zumindest wenn man nicht knietief in die Ethnologie der Minderheitenvölker im Hochland eintauchen möchte, dem gemeinen Durchschnitts-Traveller relativ wenig zu bieten hat. Laut LP-Reiseführer ist z.B. die zweitgrößte Attraktion der Hauptstadt, nach der Prothesenfabrik, Beerlao im Schatten zu trinken. Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

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