Last Christmas

Das mit dem Käsefondue zu Heiligabend hat erstaunlich gut geklappt. Mangels Käsereibe war es vielleicht nicht ganz so glatt wie es hätte sein können, aber nichts, was man nicht mit einem Löffel Kartoffelmehl (das hier aus Tapioka gemacht wird) und einem guten Schuss Billig-Gin (Kirschwasser war beim besten Willen nicht aufzutreiben) hätte kaschieren können.

Die Käsereibe war nicht das einzige Küchenutensil, das wir in der Airbnb-Butze vermisst haben. Ein zweiter Teller wäre z.B. schon echt praktisch gewesen. Apropos Unterkunft: die lässt sich am besten mit dem Ausdruck „zweckmäßig“ beschreiben. Doch wir wollen uns nicht beklagen, sie war relativ billig, gut gelegen und wir waren froh, so kurzfristig vor Weihnachten überhaupt noch ein Apartment mit so etwas ähnlichem wie einer Küche zu bekommen. Einzig warum die Besitzerin (natürlich war es wieder eine attraktive Besitzerin, die leider bei der Übergabe verhindert war und deshalb eine Freundin/ Kollegin/ Mitvermieterin vorbeischickte) die durchaus vorhandenen Fenster großteils mit schwarzer Folie zuklebte, wird uns ein Rätsel bleiben. Und bisher haben wir auch noch keine Danke-Mail für Birgits Reparatur des Syphons (mit Zahnseide und Tupperschüssel) erhalten. Allerdings auch noch keine Zahlungsaufforderung für unseren, dank Heizlüfter, erhöhten Stromverbrauch (5 NT$/ kW (sic!))

Nachdem die Hardware für den Weihnachtsschmaus damit geklärt war, ging es an die Software. Der lokale Supermarkt bot jede Menge Schmelzkäse an, wir wollten den Käse aber lieber selbst schmelzen. Der Bäcker um die Ecke hatte zwar prinzipiell Baguette im Sortiment, die allerdings stets ausverkauft waren. Und die Brötchen, die optisch wie Klone meiner heiß geliebten Bäcker-Müller-Stollen aussahen, waren wahlweise mit braun-süßlicher Bohnenpaste oder Thunfisch „optimiert“. Ok, das ist ausbaufähig. 

Tags drauf sah die Versorgungssituation dann schon deutlich besser aus. Auf einem Walk von Tempel zu Tempel lief uns ein Carrefour-Supermarkt über den Weg. Dort erstanden wir (für umgerechnet etwa 50 EUR) jede Menge echten Käse (u.a. einen Comté, vive la France!), ein mächtiges Stück Schweizer Formvorderschinken (zumindest war die Fahne darauf abgebildet), eine Flasche philippinischen Gin und das besagte Tapioka-Mehl. Enttäuscht waren wir von der Backwarenabteilung: statt der erwarteten ofenfrischen Baguette, Croissants und Törtchen gab es süße Einback, wahlweise mit Bohnenpaste oder Thunfisch gefüllt (s.o.). Schlussendlich konnten wir Heilig-Abend-Morgen dann auch noch bei unserem lokalen Bäcker 2 naturbelassene Baguette ergattern.

So verbrachten wir den Heiligen Abend des Jahres 2017 in Taipeh mit (nur minimal klumpigem) Käsefondue, das wir im Neonröhrenlicht (Kerzen waren im Apartment verboten) von einem IKEA Lack-Tischlein aßen und dabei das André-Rieu-Homestory-Weihnachtskonzert schauten. 

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