Idiotenmarsch

Lange dachten wir (nicht wir persönlich, vielmehr wir als menschliche Rasse), die Sonne drehe sich um die Erde. Wenn dem so wäre, könnte man den Sonnenaufgang bestimmt auch mal ausnahmsweise (z.B. im Urlaub) auf 14 Uhr Mittags verlegen. Spätestens seit Galileo (nein, nicht die Pro7-Wissensendung) wissen wir aber, dass dem nicht so ist. Demnach müssen wir, um einen Sonnenaufgang live zu erleben, dann parat stehen, wann unser Zentralgestirn nun mal aufgeht. Und das ist selten (eigentlich: nie) um 14 Uhr nachmittags, nicht mal im Urlaub.

Soweit zu den Rahmenbedingungen. Um nun aber  den Sonnenaufgang auf dem Haleakala, der gemeinhin als einer der spektakulärsten unseres Planeten gewürdigt wird, zu erleben, muss man noch etwas früher aufstehen. Schließlich muss man bis dahin noch ungefähr 80  Meilen horizontale Strecke und 10.000 Fuß Höhenunterschied überwinden.

Diesen Preis für dieses einmalige Erlebnis zu zahlen fiel uns (dem einen mehr, der anderen weniger) leicht. Also, in chronologischer Reihenfolge: 3 Uhr Wecker, 3:05 Uhr Katzenwäsche, 3:10 Uhr „on the road“, 3:11 Beifahrer(in) schläft ein, 3:23 Fahrer überlegt kurz, ob es sinnvoll wäre, zu tanken, verwirft diesen Gedanken aber, schließlich ist der Tank noch fast 1/4 voll, 4:18 Lampe für Tank-Reserve beginnt zu leuchten, 4:21 Tank-Pegel bedrohlich niedrig, 4:22 Beifahrer(in) vorsichtig geweckt und Notlage gebeichtet, 4:24 mitten auf der Pass-Straße (16 Meilen horizontal, 1500 ft vertikal vom Ziel entfernt) gewendet, 5:13 Tankstelle gerade noch erreicht, ging ja glücklicherweise stetig bergab, vollgetankt, 7:01 die Sonne ist mittlerweile aufgegangen, Fahrer und Beifahrer(in)  schlafen den Schlaf der Gerechten…

… macht aber nichts, morgen (also heute) ist ja auch noch ein Tag. Den Anfang der Geschichte hatten wir schon (s.o.), diesmal erreichten wir aber den Gipfel, froren uns (gefühlt) bei 2°C im Schatten diverse lebenswichtige Organe ab, knipsten diese Zeitraffer-Video des phänomenalen Sonnenaufgangs und waren nachher mindestens so beeindruckt wie verfroren (richtiger: viel (der eine)/ etwas (die eine) mehr beeindruckt als verfroren).

Nachtrag: unsere Nachbarn, die unbedingt mit ihrem iPhone (inkl. Stöckchen)  ein Selfie mit dem Sternenzelt als Hintergrund produzieren wollten, sorgten immerhin dafür, dass unser Lachmuskel nicht einfror. Ungelogen: die wollten partout nicht kapieren, warum das einfach nicht klappen wollte: schließlich hatten sie ja sogar extra den Blitz angemacht!

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