Houston, wir haben ein Problem! Oder: immigrieren zum Emigrieren

Als wir unsere Tour geplant haben, gab es noch keine Direktverbindung zwischen Good Old Germany und Equador. D.h. Eigentlich gab es schon eine, nämlich von Condor, allerdings nur während des Somer-Flugplans. Auf unsere Anfrage, ob sie planen, diese Verbindung auch im kommenden Winter (also jetzt) anzubieten, antwortete Condor erstaunlich schnell, und wie sich später herausstellen sollte, auch wahrheitsgemäß, dass das noch nicht feststünde, und wir uns zu einem späteren Zeitpunkt nochmal informieren sollen.

Später war vor allem mir zu spät, also buchten wir diesen Umsteigeflug über Houston. Wie nicht anders zu erwarten war: wenige Wochen später bekamen wir eine Mail, dass Condor jetzt doch auch im Winter Quito anfliegt. Schade, das hätte uns einige Euro, Flug-Stunden und die Ein- und Ausreise in/ aus die/ den USA (s.u.) erspart.

Im Gegensatz zu allen anderen Ländern der Welt gibt es in den Flughäfen in „God’s own Country“ keine Transit-Bereiche. Die einzige Ausnahme ist wohl Miami, aber das nützt uns heute herzlich wenig.  Konkret bedeutet das für uns: ESTA beantragen, Zoll-Formular ausfüllen, uns in die endlos lange Schlange vor dem Immigration Officer einreihen, uns in Terrorismus-Generalverdacht stellen lassen, den Officer überzeugen, dass wir harmlos sind, Fingerabdruck, Lichtbild und Iris-Scan erstellen lassen, Stempel in’n Pass und das Gepäck durch den Zoll bringen. Danach schnurstracks das Gepäck durch den Zoll bringen und beim Emigration Officer in die genausolange Schlange für die Ausreise stellen. Dafür gibt’s dann nochmal einen Stempel in den Pass.
Ich glaube, bis wir heute in Quito angekommen sind, werden wir bestimmt 30 Mal mehr oder weniger intensiv kontrolliert worden sein. Erschwerend kommt hinzu, dass die US-Soldaten in aller Welt zum 1. Oktober „Schichtwechsel“ haben. Daher ist heute geschätzt jeder 2. Reisende Militär-Angehöriger oder Militär-Angehöriger-Angehöriger. Und wie man sich denken kann, sind alle Sicherheitsdienste unglaublich Alert.
Doch zurück zu den fehlenden Transitbereichen: ich kann mir dass nur so erklären, dass einem Volk, bei dem 80% der Leute keinen Reisepass besitzen, einfach die Phantasie fehlt, dass man dort nur wohl oder übel durchreisen möchte.
… Das oben hatte ich vorhin im Flieger vorgeschrieben, mittlerweile haben wir die Einreise-Schlange, wie noch viel länger als befürchtet war, erfolgreich hinter uns gebracht (Heidi durfte auch einreisen), jetzt sitzen wir in einer Sports-Bar bei einem ganz passablen Bier (aus der Spoetzl Brewery in Shiner, Texas) und gucken Golf…

Cerveza!

… Der Weiterflug nach Quito mit United hat mich doch sehr an Ryan Air erinnert: das Flugzeug war zweifelsfrei technisch in einem Top-Zustand (hoffe ich doch zumindest), die Kabineneinrichtung würde ich aber irgendwo zwischen spartanisch und ranzig bezeichnen. Der Ärger, über das vom Vorgänger an der Lehne hinterlassene Kaugummi, mit dem meine Wolljacke eine innige Beziehung einging, kompensierte den Frust darüber, dass alkoholische Getränke aufpreispflichtig waren. Geld wurde auch für die Bord-Unterhaltung verlangt ($7.99). Da nur englische und spanische Tonspuren zur Auswahl standen, war das für uns sowieso kein Thema. Diese Einstellung hat uns auch nochmaligen Frust erspart, denn nach ca. 1 Stunde wurde das Unterhaltungsprogramm ersatz- und erklärungslos eingestellt. Zur Ehrenrettung von United: das Essen (Cheeseburger) war besser als bei der Lufthansa.
Im Gegensatz zu den Strengen Officern in den USA hatte hier jeder Einreise-Beamte zur Unterhaltung noch einen Kollegen/ Freund/ Bekannten in seinem Kabuff, was die Sache nicht wirklich beschleunigte. Und der Zoll lief in etwa so: „Haben Sie dieses Formular ausgefüllt? – Nein!? – Auch gut!“. Willkommen in Süd-Amerika.

Geschafft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.