Fahr(ten) zur Hölle

„Ich glaub‘, ich werd zu alt für den Scheiß!“. Harte Worte von Birgit, aber ich muss zugeben, mein Hintern hat eine gewisse Tendenz, sich anzuschließen. Gerade sind wir, nach einer 4-stündigen Fahrt, in Buon Ma Tuoth, der Kaffee-Hauptstadt Vietnams angekommen. In einem der letzten Einträge habe ich noch was von „schlecht gefahren“ und „gut gelaufen“ geschrieben. Nach gestern und heute bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob an diesem Satz wirklich so viel Wahres dran ist. 

Gestern sind wir aus Laos aus- und in Vietnam eingereist. Die 12-stündige Busfahrt hat uns definitiv weit aus unserer Komfort-Zone herausgeführt. Über die Beschreibung der Fahrten an sich  brauche ich mir zum Glück keine Gedanken zu machen: ich werde einfach Birgits Minutenprotokolle veröffentlichen.

Neben den mobilen Abenteuern, Unwägbarkeiten und Strapazen stand dann gestern noch der erste Land-Grenzübergang seit Südamerika-Zeiten auf dem Programm. Und das sogar noch unter verschärften Bedingungen, denn:

  • in Südamerika beherrschten wir immerhin ein paar Brocken Spanisch
  • waren wir immer im Pulk mit anderen Travellern unterwegs
  • wussten wir, daß wir den ganzen Kontinent visumsfrei bereisen durften

Hier hingegen:

  • konnten wir nichtmal die Buchstaben des geschriebenen Worts lesen, geschweige denn unseren Fahrer, die Mitreisenden oder den Grenzer verstehen (und vice versa)
  • waren unsere Mitreisende Schmuggler, Schweinehaxen und Gasflaschen (siehe Protokoll)
  • gibt es für uns zwar auch Visumsfreiheit, aber erst seit Kurzem; wir waren uns nicht sicher, ob die Grenzer das auch wissen

Bei der Einheimischen vor uns gab es bei der Ausreise wohl ein paar Komplikationen, aber nichts, was man nicht mit einem niegelnagelneuen 5-Dollar-Schein hätte beheben können. Zum Glück war der Grenzer mit dessen ausgiebiger Betrachtung so beschäftigt, daß er unseren Pässen allenfalls die notwendigste Aufmerksamkeit schenkte.

In Pleiku angekommen, bezogen wir unsere Zeitmaschine: das Hotel, das erste Haus am Platze, atmete den Geist  hochstrebender sozialistischer Architektur und Ansprüche. Dem konnte selbst der wild blinkende Weihnachtsbaum in der Lobby und das rund um die Uhr dudelnde Medley aus „Jingle Bells“, „Santa Claus is coming“ und „Should all acquaitance“ kaum etwas anhaben. Genau so wie dieses Hotel stelle ich mir die Inter-Hotels in Ost-Berlin, Bukarest oder Sofia um das Jahr 1984 vor. Oder die Touristen-Hotels in Nordkorea heute.

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