Elftes Türchen: Aufräumen!

Gemäß den Wikipedia-Artikel müsste der Jetlag in Richtung Westen eigentlich der „angenehmere“ sein, da er längerem Aufbleiben entspricht. Richtung Osten entspricht demnach früherem Aufstehen. Für die Mini-Variante der Düsenflugzeug-Zeitdifferenz, die wir alle 2 Mal im Jahr erfahren, kann ich das auch subjektiv bestätigen. Allerdings nur die!

Deshalb habe ich beschlossen, den schlaflosen zweiten Teil der Nacht statt mit unruhigem Hin- und Her-Wälzen damit zu verbringen, die notwendigen Abschluss-Arbeiten an der Ausgabe 12/2013 des Yodo-Blogs vorzunehmen.

Wie schon geschrieben bestanden die letzten 1 1/2 Tage im Wesentlichen aus einer rekordverdächtig langen Heimreise. Bei der Autofahrt hat Birgit diesmal von Anfang an die Rolle des Navigators übernommen und uns konsequent nur über Hauptverkehrsstrassen gelotst. Das war zwar sicher materialschonender, hat aber ansonsten wenig gebracht. Der Rückweg war mit etwas über 4 Stunden nur minimal schneller als der Hinweg. Dafür hatte aber im dichten Stadtverkehr ein Rollerfahrer eine unsanfte Begegnung mit meinem ohnehin schon lädierten linken Außenspiegel. Das Opfer beging Unfallflucht. Und da es keine neuen Kampfspuren am Auto gab, sind wir (und der Rollerer wohl auch) nochmal mit dem Schrecken davongekommen. Einer meiner ersten Gedanken: wenn wir jetzt die Polizei holen müssen, können wir den Heimflug knicken.

Da dem aber nicht so war und wir ordentlich Reserve in unsere Zeitplanung gepackt hatten, waren wir 3 Stunden zu früh am Flughafen. Die Rückgabe des Wagens verlief erstaunlich problemlos, mein expliziter Hinweis auf den beschädigten Aussenspiegel wurde lediglich mit einem „it’s OK“ quittiert. Scheint so, dass wir unsere Zusatz-Zusatz-Versicherung zwar nicht umsonst, aber vergebens abgeschlossen hätten.

Noch eine letzte Bemerkung zum Thema Verkehr: in den Tagen auf Bali habe ich gelernt, dem nachmittäglich einsetzenden Monsun-Regen doch etwas Positives abzugewinnen: er wäscht die Strassen rein von Zweirad-Fahrern.

Nach den 25$ Eintritt mussten wir auch noch umgerechnet etwa 10 Eu „Austritt“ zahlen, um Indonesien verlassen zu dürfen. Immerhin ging das, im Gegensatz zur Einreise, kurz und schmerzlos. Wobei: jetzt hätten wir Zeit gehabt (s.o.).

In KL sind wir am LCCT gelandet, einem eigenen Flughafen für Billig-Flieger. Und dort wird wirklich gespart: es ist ja schon unangenehm, wenn man keinen Finger bekommt und mit dem Bus zum Flieger gekarrt wird. Am LCCT gibt es keine Finger und auch keine Busse: hier muss man kilometerweit zu Fuß über das Vorfeld  wandern. Immerhin sind die Wanderwege überdacht.

Mit dem Bus ging’s dann weiter zum Haupt-Flughafen und dort hieß es dann das nächste Mal warten. Im Duty-Free Laden wäre der Gin verführerisch billig gewesen (ca. 16 Eu für einen Liter Bombay Saphire), allerdings wussten wir nicht, ob wir mit den Flaschen Probleme beim Transit in Istanbul bekommen würden. Und da auch 32 Eu für die Tonne eindeutig zu viel sind, beschlossen wir, unseren Spirituosen-Vorrat erst in der Türkei, wenn auch zu weniger attraktiven Preisen, zu vervollständigen.

Das haben wir dann auch gemacht, und zwar für 26 Eu je Liter (dafür haben wir uns an den Probierständen mit Turkish Delight im Gegenwert von 10 Eu vollgestopft).

Da wir natürlich auch aus Fernost die Champions League verfolgt haben, waren wir vom Schnee in Istanbul nicht überrascht. Als wir aber auf der Anzeigetafel ziemlich oft das Wort „Cancelled“ und noch öfter „Delayed“ gelesen haben, wurde uns schon etwas mulmig. Um so erleichterter waren wir, als unser Flug „on time“  aufgerufen wurde und wir, wenn auch ohne Finger, den Flieger einigermaßen pünktlich betreten konnten.

Dami begann allerdings die unangenehmste Warterei des Tages: nach ca. 2 Stunden fiel dem Pilot wohl ein, dass er vor dem Abflug noch eine Enteisung benötigt. Und bei diesem Wetter ist das mit der Enteisung so ähnlich wie an einem strahlend blauen Samstag mit der Autowäsche: da kommen alle auf die gleiche Idee und entsprechend lang sind die Schlangen. Als wir dann nach über 3 Stunden im, dank menschlicher Heizleistung (ich habe mal gehört, ca. 70 Watt je Nase) muckelig warmen Flieger abhoben, verlief immerhin der Rest des Fluges so angenehm, wie ein Flug in der Holzklasse, auf den man in Summe fast 7 Stunden gewartet hat, nunmal verlaufen kann. Dazu hat sicherlich auch beigetragen, dass ich das Frühstück, dessen Geruch mir wieder mal den Magen hob,  durch ein Bier ersetzt habe.

(Mittlerweile spüre ich den Schlafmangel doch deutlich: die Anzahl der „Kringelwörter“ nimmt zu und ich bin mir nicht sicher, ob die letzten Sätze oben verständlich sind. Macht aber nichts, ich bin eh fast fertig)

Köln empfing und mit Kaiserwetter. Leider war bei der Passkontrolle der Express-Schalter für EU-Bürger nicht besetzt, und da wir in der letzten Reihe des Fliegers saßen (und in den Reihen vor uns, für einen Turkish Airlines Flug wahrscheinlich nicht ungewöhnlich, viele Bürger aus visumspflichtigen Staaten), dauerte die Einreise ähnlich lange wie in Indonesien.

Mit einem letzten, mittlerweile sehr vertrauten Bild möchte ich diese Ausgabe unseres Blogs schließen: Ankunftshalle, irgendwo in der Welt. Eine Menschenschlange bis zum Horizont, durch Absperrungen zu einer Art Schneckennudel aufgewickelt. Vor einem der beiden besetzten Einreise-Schalter steht ein Mensch, gestikuliert ausladend und versucht, sich in irgendeiner Sprache, die beide nicht beherrschen, mit dem Grenzer zu verständigen. Schließlich tippt er wild auf seinem Smartphone herum und verschwindet mit dem Beamten irgendwohin … Abflughalle, Menschenschlange bis zum Horizont …

 

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