Die Hölle ist mit deutschsprachiger Reiseleitung vor Ort

So, die ersten 2 Tage haben wir hinter uns. Wir sitzen kurz vor Mitternacht bei spürbar über 30 Grad vorm Hotel, haben uns im benachbarten 7-Eleven noch ein paar kühle Bierchen geholt und lassen die vergangenen Tage nochmal Revue passieren.

Los ging’s vor einer gefühlten Ewigkeit im nicht ganz so warmen, dafür umso jeckeren Rheinland. Der Flughafen Düsseldorf ist auf eindeutig mehr ausgelegt als auf einen Fassnacht-Sonntag-Nachmittag: der Ausdruck „tote Hose“ dürfte ganz gut passen.

Unser Flug war der einzige, der mit nominell ca. 30 Minuten Verspätung angekündigt wurde. Bis wir dann Richtung Istanbul in der Luft waren hat sich die Verzögerung auf fast 1 ½ Stunden kumuliert, was uns mittlerweile dann doch etwas beunruhigte, da wir für’s Umsteigen etwas weniger als 90 Minuten Zeit hatten.

Unser bisher einziger Aufenthalt im früheren Konstantinopel lässt sich daher ziemlich knapp zusammenfassen: nach dem Aussteigen wurden wir (als einzige) von einem Agenten in Obhut genommen und durch die verworrenen Innereien des Flughafens auf dem kürzesten Weg zu unserem Abflug-Gate gebracht. Und das war keine Minute zu früh! Leider war unser Gepäck nicht ganz so schnell, hat wohl keinen persönlichen Führer gehabt, doch dazu später mehr.

Vorher nochmal zurück nach DüDo: dort hatten wir ungleich mehr Zeit. Besonders bei Reisen in Länder mit kritischen hygienischen Umständen (also außerhalb der D-A-CH Region) empfiehlt sich eine gründliche Desinfektion des Verdauungstrakts. Die dazu nötigen Mittel lassen sich relativ günstig zollfrei am Abflug-Flughafen erwerben. Um Komplikationen bei der Einreise zu vermeiden haben wir uns natürlich vorher über die einschlägigen Bestimmungen erkundigt: bei der Einreise nach Thailand darf je Nase 1 Liter Elixier eingeführt werden, die Wirkstoff-Konzentration darf dabei aber 40% nicht übersteigen, so zumindest die Aussage auf der erst-besten Internet-Seite.

Mit diesem Wissen bestens gerüstet haben wir je einen Liter Wodka und Gin erworben. Leider haben wir erst nachträglich und eher zufällig festgestellt, dass es sich beim Gin um eine „traditionelle Abfüllung“ mit 47% Alkohol handelt. Nach kurzer Gewissensprüfung und angesichts der Tatsache, dass das Boarding weiter auf sich warten ließ, haben wir beschlossen, die Flasche gegen eine minderwertigere, aber gesetzes-konforme 40%-ige umzutauschen. Noch etwas später stellte Birgit fest, dass die 40%-Regel seit 2009 nichtmehr gilt. So ist das halt: das Internet vergisst nichts!

Der Flug nach Istanbul verlief unspektakulär, die Zeit zum Umsteigen war ziemlich knapp, aber das hatten wir ja schon.

Allen Witzen über Bordverpflegung vom Dönerspieß (mit Alles und Scharf) und Stewardessen mit Damenbart zum Trotz muss ich sagen, der Flug mit Turkish Airlines war in Punkto Komfort und Genießbarkeit der Bordverpflegung mit Abstand der Beste, den wir bis dato hatten. Und trotzdem: 13 Stunden Flug sind 13 Stunden Flug und so waren wir glücklich, endlich asiatischen Boden unter den Füßen zu haben.

Einschub: die nächtlichen Temperaturen locken nicht nur Touristen an, sondern auch Blutsauger. Daher flüchten wir jetzt mit juckenden Unterschenkeln in die klimatisierte Hotel-Lobby.

Doch jetzt zurück zu unserer Ankunft: der Flug war, soweit das ein Flug in der Economy Class eben sein kann, angenehm, die Einreiseformalitäten verliefen auch erwartungsgemäß unkompliziert. Leider warteten wir am Gepäck-Karusell aber vergebens auf unser Gepäck. Irgendwie hatten wir damit ja fast gerechnet. Die Dame am „vermisstes-Gepäck-Schalter“ nahm unsere Anfrage (sowie die einer weitern Handvoll Mitreisender) geduldig auf und versprach uns, dass Gepäck würde im Laufe des Nachmittags ins Hotel nachgeliefert werden.

Derart unbelastet hatten wir auch kein Problem beim Zoll, da hätten wir auch die Flasche 47%-igen mitnehmen können … ach ja, das hätten wir ja ohnehin.

Sehr zu unserer positiven Überraschung wartete hinter dem Ausgang ein Thai der ein Schild mit „Meyer’s Reisen“ hochhielt. Als wir uns auf ihn zubewegten strahlte er und begrüßte uns mit „G-R-A-M-L-I-C-H-S-C-H-M-I-E-D-E-L?? – Endlich!“. Sein Deutsch war sehr gut, und die Tatsache, dass er an jeder Hand nur 2 Finger hatte, irritierte nur Anfangs etwas. 40 Minuten später lieferte er uns unbeschadet im gebuchten Hotel ab.

Zunächst wurden wir informiert, dass unsere deutschsprachige Reiseleitung an diesem Abend um 17 Uhr Audienz in der Lobby hält. Danach durften wir unser Zimmer beziehen. Auf eine Dusche verzichteten wir, da uns der Gedanke, erfrischt in die gebrauchten Klamotten zu steigen (zur Erinnerung: unser Gepäck war noch irgendwo unterwegs) wenig erregte. Dafür haben wir uns beim benachbarten 7-Eleven erstmal mit erfrischender Cervezia eingedeckt (Beer Chang, 6,5% alc, verursacht laut Reiseführer einen legendären Kater).

Nach dieser Erquickung haben wir uns dann aufgemacht, das Viertel zu erkundigen. Die erste größere Komplikation stellt dabei der Verkehr dar: ersten guckt man immer in die falsche Richtung (Linksverkehr), zweitens sind die Gehwege oft nur eine Anmutung solcher und drittens ist die Verkehrsdichte unglaublich hoch: ein wildes Gewimmel von Autos, Bussen, Taxis, Mofas, Rollern und Klein-Motorrädern. Hier gilt eindeutige „Stärke vor Recht“.

Auf unserem Weg haben wir uns mit undefinierten Fleisch-Spießen (evtl. Schweine-Arschloch?) und frittiertem Obst (sehr lecker!) von fliegenden Verkaufsbuden am Straßenrand gestärkt. Das unsere Durchfall-Tabletten sich beim restlichen Gepäck noch auf der Reise befanden fiel uns erst später ein, aber was soll’s: no risk, no fun!

Pünktlich, naja gut, mit minimaler Verspätung, sind wir gegen halb sechs dann bei der Audienz der Reiseleitung aufgeschlagen. Da das ja unsere erste Pauschalreise ist hatten wir keine Ahnung, was uns wohl erwarten würde. Auf jeden Fall waren wir doch ziemlich gespannt und erwartungsvoll. Zum Glück waren wir zu spät, so blieb uns wenigstens die peinliche Vorstellungsrunde erspart. Die Gesellschaft, die uns erwartete, erinnerte uns spontan an die Insassen eines Tommy-Jaud-Romans: ein paar alte, ein Harley-Fahrer (behauptete zumindest sein T-Shirt) mit seiner Braut, ein Bodybuilder, der sich erfolgreich mit Hormonen enthirnt hatte, seine Schnitte und 4 Pfälzer Landeier. Vorsitz hatte eine engagierte Thai, die jeden Satz mit dem Ausdruck „ich sag mal“ einleitete und mit dem Partikel „davon“ endete. Den Höhepunkt dieser Veranstaltung lieferte Schwarzenegger jr. mit der Frage, ob man bei der Thai-Massage auch mal richtig „druff“ dürfte. Verschärfter Fremdschäm-Alarm.

So, Akku ist leer, morgen geht’s weiter …

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