Der Vergaser, die Einspritzung, oder doch der Anlasser?

Die meisten Sprachen sind nach ihren Ländern benannt (Französisch nach Frankreich, Englisch nach England, Spanisch nach Spanien und so weiter). Deutschland ist das einzige (mir bekannte) Land, das nach seiner Sprache benannt ist. Hier hingegen kann ich mich nichts des Verdachts erwehren, das Land sei nach seinem Nationalgetränk benannt: Beerlao. Und genau bei so einem (ok, mittlerweile zweien) sitze ich jetzt hier in der prallen Mittagssonne und habe, nachdem ich mich mit gebratenem Dünndarm gestärkt habe, keine Ausrede mehr, den Yodo-Blog nicht wiederzubeleben.

Um genau zu sein, wäre ich sogar noch in der Pflicht, die Buchstaben I, O und U mit Inhalt zu füllen. Das mir unser China-Aufenthalt mittlerweile wie aus einem anderen Leben vorkommt, wird diese schmerzliche Lücke wohl auf ewig bleiben.

Von außen betrachtet mag der zeitliche Abstand zwischen unseren Reisen nicht so furchtbar lang gewesen sein, dazwischen lagen aber bei uns beiden anspruchsvolle und aufreibende Projekte, so dass wir förmlich auf dem Zahnfleisch, nachdem die letzten Mails geschrieben und die letzten Telefonate getätigt waren, die Handys direkt auf Flug-Modus schalteten. Entsprechend schlecht vorbereitet war die Reise. Wahrscheinlich ist dem geneigten Yodo-Leser auch längst aufgefallen, dass dies der erste Eintrag ohne jegliche Vorankündigung ist.

Heute ist also unser dritter Tag in Luang Prabang, einer der Touristen- (und Traveller-) Hochburgen Laos‘. Heute Morgen haben wir eine Flussfahrt auf dem Mekong, der Lebensader Indochinas, gemacht. Mit uns an Bord waren 2 mittelalte, sehr deutsche Touroristen. Die haben ein so überhebliches Verhalten an den Tag gelegt, dass wir vor lauter Fremdscham untereinander nur noch Englisch gesprochen haben. Die Fahrt führte in ein Dorf, in dem auf althergebrachte Art  Tuch gewebt und Whiskey destilliert wird. Letzterer wird, so ist’s hier wohl der Brauch, noch mit allerlei toten Schlangen, Echsen und anderem Getier verbrämt. Das ganze ist natürlich garantiert 100% authentisch und gar kein klitzekleines Bisschen „gemacht“.

Nach dem (erfreulich knapp bemessenem) Aufenthalt in der Laos Weaving & Whiskey Village ging’s dann weiter zu 2 Karst-Höhlen, in denen der Namenspate dieses Blogs seine Künste demonstrieren durfte.Das eigentlich bemerkenswerte an der Tour war aber weder das Dorf noch die Höhlen, sondern die Fahrt an und für sich. Wir waren uns nicht einig, ob unser Käpt’n das Longboat geklaut hat, oder ob das Geld schlicht nicht mehr für einen Anlasser gereicht  hat. Auf jeden Fall wurde der Motor, der sich auch für uns Laien ziemlich asthmatisch angehört hat, durch den Kurzschluss zweiter blanker Drähte gestartet. Und los ging’s. Die Tatsache, dass der Motor nur auf ca. 3 bis 3 1/2 Pötten lief, hat unsren Skipper nicht davon abgehalten, sich mit seinen Kollegen rasante Rennen zu liefern. Zumindest so lange nicht, wie er sich noch drehte. Als das nicht mehr der Fall war, mussten zunächst Birgit und ich die Plätze tauschen. Als das, wider Erwarten, nicht geholfen hat, ist er mit seinem gesamten Bordwerkzeug (ein Messer und ein undefinierbares Stück Plastik) im Maschinenraum verschwunden, nicht ohne uns mit den Worten „… engine …“ und „… to much …“ zu beruhigen.

Das ganze war dann wohl nicht nur für die „enigne“ „too much“, sondern auch für unsere teutonischen Mitreisenden. Die hatten die Befürchtung, dass die so völlig nutzlos verschwendete Zeit von ihrem Aufenthalt in den Höhlen abgezogen wird. Schließlich hätten sie nicht so viel Geld bezahlt (umgerechnet etwa 10 EUR für den gesamten Trip) um dann regungslos im Mekong rumzutreiben. Und überhaupt, vielleicht fehlt da nur Diesel, falls es überhaupt ein Diesel ist, oder der Vergaser, der Einspritzer oder der Anlasser ist kaputt. Beim nächsten Aussetzer auf der Rückfahrt war ihre größte Befürchtung, dass dieser verantwortungslose Bootsmann morgen wieder Touristen mit seinem maroden Seelenverkäufer befördert. Auf die Idee, das genau das die einzige Einkunft sein dürfte, mit der dieser Mann, in einem der 20 ärmsten Länder der Welt, seine Familie über Wasser halten kann, sind sie wohl nicht gekommen.  Apropos „über Wasser halten“: die Tatsache, dass für die 7 Personen an Bord nur 4 ranzige Rettungswesten zur Verfügung standen, habe ich dann auch nicht mehr ganz so entspannt hingenommen.

Soweit also zu heute, was gibt es bisher noch zu erzählen? Der Flug, diesmal mit Vietnam Airlines mit einem Dreamliner (787), verlief ohne bemerkenswerte Vorfälle und mit erstaunlich genießbarem Essen. Beim 7-stündigen Umstiegs-Aufenthalt in Hanoi ist es uns weder gelungen, die Augen offenzuhalten, noch diese für längere Zeit zu schließen. Entsprechend gerädert sind wir in Luang Prabang gelandet. Unser erster Weg führte uns zum Geldautomaten. Gleich der erste verlangte von uns eine happige Gebühr von 3% des abgehobenen Betrags. Nicht mit mir, ich habe, aller Müdigkeit, Durst, Hunger und der brennenden Sonne zum Trotz, so lange gesucht, bis ich einen gefunden habe, der sich mit 20000 Kip zufriedengibt. Dachte ich zumindest: im Online-Banking musste ich feststellen, dass die Gebühr satte 200000 Kip, also fast 25 EUR betrug. Ich habe beim Lesen von so vielen Nullen einfach meine Probleme. Nun ja, das muss ich wohl unter Lehrgeld verbuchen. Immerhin macht einem das Leben hier ansonsten nicht arm: die 0,6er Flasche Nationalgetränk, von denen ich mir gleich, nach getaner Arbeit, die dritte gönnen werde, schlägt 13.500 Kip, also so etwa 1,50 EUR, zu Buche.

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