Intermezzo

Szene: 7 Uhr morgens, gerne auch früher, manchmal auch sehr viel früher. Vor einem Hostel, seltener Hotel. 1 Mini-Van (9-Sitzer) mit laufendem Motor. 2 bleiche, ungeduschte und ziemlich verschlafene Traveller (T1 und T2). 2 südländisch anmutende Naturburschen (G und D), gerne mit schlechten Zähnen.

Dialog:

G: Goood morning, how are you? My name is Robert, I will be your guide today.

T1: [denkt] Robert, ha, wir wissen doch beide, dass das nicht Dein echter Name ist. In Wirklichkeit heißt Du doch bestimmt Narasalampitullah, aber eigentlich interessiert mich das auch nicht [denkt Ende] Good morning, fine, thank you. I’m Oliver.

T2: Birgit! [denkt] eigentlich ist es egal, welchen Namen ich Dir nenne, Du kannst ihn eh nicht aussprechen [denkt Ende]

D: My name is [nicht verständliches Gemurmel]. I’m your driver.

T1: Oliver!

T2: Birgit!

G: So, Oliver, where’re you from?

T1: Germany

G: Ah, Deutschland! Guuten Tack! Ales gutt?

T1: Alles bestens! [denkt] außer natürlich, dass ich einen Mords Druck auf dem Enddarm und einen dicken Kopf vom Anker-Bier gestern habe [denkt Ende]

G: Oliver from Germany, haha, like Oliver Kahn!

T1: Ja, and Oliver Bierhoff, the only one ever to shoot a golden goal

G: Jeah, which part from Germany? Munich?

T1: No, Cologne, in the very West

G: Ah, Eff-See Koeln!

[wird fortgesetzt, oder auch nicht]

Siebtes Türchen: Slumdog Millionär

Die Anreise auf eigener Achse war, wie schon beschrieben, ein ziemlicher Höllenritt. Dafür erwartete uns hier so was ähnliches wie ein Paradies. Ein Fenster im eigentlichen Sinn hat unsere Unterkunft hier zwar immer noch nicht, dafür an beiden Seiten je eine Glastür über die gesamte Breite, ein Freiluft-Bad und einen persönlichen Pool (zugegebenermaßen: es sind nur sehr kleine Schwimmzüge möglich). Birgits erste Reaktion nach dem Aufwachen beim Blick aus der Tür auf Palmen und strahlend blauen Himmel: „das ist aufgemalt, oder?“.

Zum ersten Mal in unserem Leben verbringen wir ein paar Tage in einem „Ressort“, böse Zungen mögen behaupten, da sei es bis zu einem Club-Urlaub (oder verschärft: Club-Schiff-Urlaub) nicht mehr weit.

Nur der Vollständigkeit halber: wir sind mittlerweile in Bali angekommen und dort im gerade mal 1/2 Jahre alten, ziemlich luxuriösen Lovina Beach Resort abgestiegen, das von sich selbst behauptet, die nobelste Unterkunft in Nord-Bali zu sein. Und da hier gerade arge Nebensaison, man könnte auch sagen, ziemlich tote Hose ist, konnten wir auf einem der einschlägigen Buchungs-Portale einen ordentlichen Schnäpper (wie man in Köln ein Schnäppchen nennt) an Land ziehen.

Apropos: was kostet die Welt? Nun, wir können nicht mal die Frage beantworten, was hier eine Büchse Bintang Bier aus der Mini-Bar kostet. Auf der Preisliste steht 35.000 Rupien, und ein Euro ist so in etwa 16.000 Rupien. Dazu kommt dann noch ein nicht näher spezifizierter Service-Zuschlag und Steuer … ich gebe auf! Schmeckt trotzdem ganz ordentlich, hat eine kräftige Hopfen-Note.

Nochmal zum Geld: es ist zwar ein erhabenes Gefühl, am Geldautomaten 1 Million Währungseinheiten zu ziehen, im Alltag werden die Preise hier aber / 1.000 angegeben, dazu kommt dann noch ein Service-Zuschlag und eine nicht näher spezifizierte Steuer … aber das hatten wir ja schon. 

Nach dem anstrengenden Tag gestern steht heute nichts außer gammeln, lungern, relaxen, chillen, schlummern, Bintang Bier (für 35.000 Rupien … + unspezifizierte Zuschläge und Steuern) und der private Pool auf dem Programm (oder, für die Erwachsenen Leser: die 3 F). Daher muss die Füllung dieses Türchens etwas spärlich bleiben.

Sechstes Türchen: mehr Mitte, Wagen

Heute (ehrlicherweise gestern, denn ich bin einen Tag im Verzug) war der Transfer-Tag der Hölle. Dabei fing alles ganz harmlos an. Die U-Bahn fuhr von praktisch direkt vor unserer Hostel-Tür bis zum Flughafen durch. In der F-Frage waren wir uns etwas uneins: meines Erachtens hatten wir noch genügend Zeit, um uns noch ein Original Singapurisches Frühstück (will sagen: gebratene Nudel, Fleisch, Sambal) einzuverleiben. Birgit hingegen hat mittlerweile wohl einen gewissen Sättigungsgrad an Asia-Food erreicht (siehe auch: Braunes) und plädierte für ein ordentliches Mac-Frühstück am Airport. Als Kompromiss kaufte ich mir im Supermarkt eine Portion lecker Sushi und wollte die dann gemütlich vor dem Abflug vertilgen, während sich Birgit beim Schachtelwirt delektieren sollte.

Zum Glück haben wir uns für diese Variante, und nicht für die meinige entschieden. Zum einen hat die Bahnfahrt doch etwas länger als erwartet gedauert. Das wäre aber nicht das Problem gewesen. Das lag vielmehr darin, dass das Gate (angeblich) bereits ½ Stunde vor Abflug schließt und dieser, mir nichts, dir nichts, mal eben ¼ Stunde vorverlegt wurde. Beides führte dazu, dass ich mein Sushi und Birgit ihren Königs-Burger (es gab kein Mac) in magengeschwürfördernden Tempo in uns hineinstopften, nur um dann (am natürlich weiterhin geöffneten) Gate noch über eine ¾ Stunde auf den verspäteten Flieger zu warten.

Das sollte allerdings nicht die letzte und auch nicht die längste Warterei des Tages sein. Nach einem ruhigen Flug (neuer Rekord: Birgit hat sogar den Start verschlafen) mussten wir zunächst 25 US$ je Nase „Eintrittsgeld“ berappen. Das ging erstaunlich flott, danach wurde es aber unangenehm: erstmal auf einem Formular den gesamten Lebenslauf in BLOCKBUCHSTABEN eintragen und dann: warten … warten … warten. Und wie immer in einer solchen Warteschlange kommt mir ein Gedanke: je bananiger die Republik desto restriktiver die Einreisekontrollen. Und diesmal hatte ich mir fest vorgenommen, dem Grenzer diese meine Meinung auch nachdrücklich kundzutun (aus irgendeinem Grund riet mir Birgit allerdings davon ab). Als wir dann schließlich an der Reihe waren, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als der Beamte, nach kritischer Kontrolle meines Passbildes meine „better, much better“.

Wenig später saß ich zum ersten Mal rechts am Steuer. Ungewohnt! Mit links schalten ist eine Sache, die andere ist, dass ich das Abbiegen stets mit dem Scheibenwischer signalisiert habe. Zum Verkehr: vergesst Köln, Paris, Rom! Hier sind überall Zweiräder: rechts, links, vorne, hinten und wenn man nicht verdammt aufpasst auch unter einem. Und §1 der hiesigen Straßenverkehrsordnung: benutze deine Hupe (§2 alle anderen haben Vorrang).

Als ich ziemlich stolz auf mich war, in dieser automobilen Hölle die ersten 5 Kilometer unfallfrei geschafft zu haben, tat es einen mächtigen Schlag: mein ungeübtes Gefühl bezüglich der linksseitigen Ausmaße meines Gefährts hat mich in die Irre geleitet und zu einer Spiegel-Kollision geführt. Zum Glück hat es nur einen Spiegel und keinen Zweiradfahrer erwischt. Sehr zu meiner Überraschung und Erleichterung hat der Betroffene auch kulant über die (kleine, aber doch sichtbare) Beschädigung seines Spiegels hinweggesehen (ich sah uns schon Stunden, wenn nicht Tage, auf irgendwelchen Polizeirevieren rumsitzen und/ oder für eine komplette Neulackierung des Wagens blechen). Auch unser Spiegel ließ sich soweit flicken, dass wir unsere Fahrt ohne Einschränkung fortsetzen konnten (allerdings bleibt ein deutlicher Schaden, aber dafür haben wir ja eine Versicherung und eine Zusatzversicherung und eine Zusatzversicherung zur Zusatzversicherung; sicher ist sicher!). Ab diesem Zeitpunkt mahnte mich Birgit regelmäßig zu „mehr Mitte“.

Immer das gleiche mit den Navis: sie erledigen ihren Job, die kürzeste Strecke zwischen A und B zu finden gut, oft zu gut. Am Anfang waren die Straßen proppenvoll, aber durchaus mitteleuropäischer Qualität (und damit meine ich nicht wie im Bergischen Land im März). Über den deutlich abnehmenden Verkehr konnte ich mich nur sehr bedingt freuen, da er mit einer zunehmenden Verschlechterung des Fahrbahnbelags einherging (außerdem ist es ziemlich beängstigend, kilometerweit bei Nacht und Nebel durch den Dschungel zu fahren, ohne dass einem ein anderes Fahrzeug begegnet). Zur Piste: stellenweise war diese schlichtweg unbefahrbar: Schlaglöcher so groß und tief wie der Baikal-See, extrem ausgefahrene Hohl-Spitzkehren, Steine (wahlweise auch Hunde) mitten auf der Fahrbahn, … (also ungefähr so, wie im Bergischen Land im März). Als die Navi-App uns schließlich anwies, die gelbe Strecke zu verlassen und auf eine weiße abzubiegen, verweigerten wir den Gehorsam und Birgit übernahm, neben der Mahnung zu „mehr Mitte“ auch den Job des Navigators.

Starker Regen und dichter Nebel taten das ihrige, aus unserer Reise einen veritablen Horror-Trip zu machen. Wie durch ein Wunder sind wir, nach über 4 Stunden knochen- und reifenzermürbender Fahrt für läppische 90 Kilometer ohne (weitere) Schäden an Leib, Leben und fahrbarem Untersatz, in unserem Resort angekommen. Von diesem dann mehr im morgigen (heutigen, s.o.) Türchen.

Fünftes Türchen: Oben Ohne

Der erste und letzte volle Tag startete endlich, genau endlich, mit einer Dusche. Allerdings hat unser Zimmer 2 Makel. Wir haben kein Fenster und einen shared bathroom. Die Toilette und das Waschbecken teilen sich nämlich die Duschtasse mit der Dusche. Dies führt dazu, dass man nach der ersten Dusche eine Poolnudel benötigt, um zur Toilette zu kommen.

Frisch geduscht ging es dann raus. Wir waren ganz überrascht. Es regnet nicht und die Sonne scheint endlich. Wie wir später dann feststellten, etwas zu sehr für unsere bleiche Haut. Da hätten wir wohl vor dem rausgehen aus dem imaginären Fenster schauen sollen.

Nachdem Oli das Hostelfrühstück nicht zusagte, Cafe mit Milch und Zucker aus der Thermoskanne, sind wir zu einem Essens Stall gegangen. Dort wollten wir Nudel mit Suppe und Fleisch. Oli stellt sich vor die Verkäuferin. Die fragt ihn, was er wolle. Er antwortet nicht und zeigt nur auf das Schild mit den 5 Gerichten. Die Dame fragte daraufhin welches der 5 Gerichte er denn wolle und Oliver hat nichts verstanden und lief rot an. Hier musste die deutschsprachige Reiseleitung vor Ort (kurz dRvO) einspringen und den Missstand klären. Das Essen war ok. Mal wieder wenig zu kauen und braun. Wie die meisten Essen hier. Das erinnert mich an den Spruch eines guten Bekannten, der meint, dass am Ende jeder Party alle Cocktails braun sind. So ist das mit dem Essen hier auch. Alles wird zusammen gekippt und es kommt etwas Braunes raus.

Gut gestärkt sind wir in einen horrend teuren Hop-on-hop-off Bus eingestiegen und haben uns durch die Stadt chauffieren lassen. Damit hätten wir schon einmal die meisten Sehenswürdigkeiten des Tages abgehakt. In China Town sind wir nach 2 Runden off gehoppt und haben uns durch die Stadt treiben lassen. An dem ältesten Hindu Tempel Singapurs, den Sri Mariamman Tempel, musste wir die Schuhe ausziehen. Zum Glück hat es nicht geregnet, denn dieser war nicht überdacht. Zu aller Unverschämtheit kam noch hinzu, dass für das Fotografieren 3$ kassiert wurden. Und da Singapur ein Schmelztiegel der Religionen ist, mussten wir nicht weit laufen, um in einen buddhistischen Tempel einzuhoppen. Nicht ganz so bunt wie bei den Hindus, dafür reich mit goldenen Buddis geschmückt und der Rauch von Tempel Räucherstäbchen umhüllt die Nasen. Zum Schluss sind wir noch schnell zu Merlion, dem Wahrzeichen der Stadt, und haben ein paar Fotos von Marina Bay Sands, den 3 Hochhäusern mit einem Schiff auf dem Dach, gemacht.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel, um den Elektrolythaushalt zu schwächen und anschließend zu stärken haben wir uns durch die vielen kleinen Läden von Elektronic Town gekämpft. Leider haben wir keine Hülle für den Reiseführer der nächsten Tage, das IPad Äa gefunden. Da muss mal man wohl heute Nacht noch eine Hülle aus Zahnseide häkeln.

Zu Abend gab es beim Inder? noch Murtabak. Ein Fladenbrot das mit Fleisch, in unserem Fall Rentier und Kuh, Zwiebel und Ei gefüllt ist. Lecker.

Viertes Türchen: im Osten nicht viel Neues

Das spektakulärste, was ich heute berichten kann, betrifft nicht den vergangenen Tag, sondern die kommenden: da uns der ständige Regen doch mittlerweile ziemlich gegen den Strich geht haben wir beschlossen, der Nordhalbkugel den Rücken zu kehren und den Rest unseres Urlaubs in südlichen Gefilden zu verbringen. Am Freitag Morgen geht’s ab nach Bali, in der Hoffnung, dass uns dort statt Stinkfrucht und Regen hübsche Balinesinennen und eitel Sonnenschein erwarten. Doch dazu mehr ab übermorgen, jetzt erstmal der Rückblick auf heute.

Wie schon gesagt, allzuviel gibt es von heute nicht zu erzählen, da wir die meiste Zeit im Bus verbracht haben. Unmittelbar vor der Abfahrt erfuhr ich allerdings doch einen ziemlichen Adrenalinstoß, als der Busfahrer den Motor bereits anließ und Birgit, die sich ca. 20 Minuten vorher „nur mal kurz um’s Eck“ verabschiedet hatte, immer noch nicht in Sicht war. Was jetzt tun? Unser gesamtes Gepäck unbeaufsichtigt lassen und sie suchen? … keine so gute Idee! Alleine fahren und sie ohne Gepäck und Geld zurücklassen? … mmmh, lass mich mal kurz nachdenken … sie erschien dann in förmlich allerletzter Sekunde doch noch und erzählte mir etwas von „Floor Toilet“ (was auch immer das sein mag) und Kakerlaken.

Die Ausreise aus Malaysia verlief schnell und komplikationslos, bei der Einreise nach Singapur wies ein Schild darauf hin, dass es, aus Malaysia kommend, keinerlei Freigmengen für den Import von Alkohol gibt. Und da Singapur ja für Ordnungsliebe und drakonische Strafen bekannt ist, haben wir beschlossen, unsere Flasche Duty Free Rum ordnungsgemäß zu deklarieren. Zum Glück hatte ich mir an unserem ersten Abend in KL (mangels Tiger-Bier) das eine oder andere Mischgetränk mit Rum gegönnt. Denn da die Flasche ja offensichtlich angebrochen war, wollte der Zöllner Gnade vor Recht ergehen lassen und hat uns durchgewunken. Was lernen wir daraus? — Ehrlich währt halt doch am längsten bzw. es lohnt sich, ab und zu mal einen zu heben.

Der erste Eindruck von Singapur: Tempel, Malls, heftiger Verkehr, viele Baustellen und viele Leute (auffällig mehr Chinesen als in Malaysia), fröhliche Weihnacht überall. Das hiesige Anchor-Bier ist auch genießbar und ziemlich genauso teuer wie sein malayisches Pendant mit dem Tiger. Zum Abendessen hatten wir ein indisches Gericht mit Hammel (ich) bzw. Hühnchen (Birgit). Danach haben wir uns mit 3 Anchor-Bier bewaffnet in unsere fensterlose, aber immerhin trockene (diesmal wirklich!) und klimatisierte Kammer zurückgezogen und unsere Flucht aus dem Monsun-Regen geplant (s.o.).