Elftes Türchen: Aufräumen!

Gemäß den Wikipedia-Artikel müsste der Jetlag in Richtung Westen eigentlich der „angenehmere“ sein, da er längerem Aufbleiben entspricht. Richtung Osten entspricht demnach früherem Aufstehen. Für die Mini-Variante der Düsenflugzeug-Zeitdifferenz, die wir alle 2 Mal im Jahr erfahren, kann ich das auch subjektiv bestätigen. Allerdings nur die!

Deshalb habe ich beschlossen, den schlaflosen zweiten Teil der Nacht statt mit unruhigem Hin- und Her-Wälzen damit zu verbringen, die notwendigen Abschluss-Arbeiten an der Ausgabe 12/2013 des Yodo-Blogs vorzunehmen.

Wie schon geschrieben bestanden die letzten 1 1/2 Tage im Wesentlichen aus einer rekordverdächtig langen Heimreise. Bei der Autofahrt hat Birgit diesmal von Anfang an die Rolle des Navigators übernommen und uns konsequent nur über Hauptverkehrsstrassen gelotst. Das war zwar sicher materialschonender, hat aber ansonsten wenig gebracht. Der Rückweg war mit etwas über 4 Stunden nur minimal schneller als der Hinweg. Dafür hatte aber im dichten Stadtverkehr ein Rollerfahrer eine unsanfte Begegnung mit meinem ohnehin schon lädierten linken Außenspiegel. Das Opfer beging Unfallflucht. Und da es keine neuen Kampfspuren am Auto gab, sind wir (und der Rollerer wohl auch) nochmal mit dem Schrecken davongekommen. Einer meiner ersten Gedanken: wenn wir jetzt die Polizei holen müssen, können wir den Heimflug knicken.

Da dem aber nicht so war und wir ordentlich Reserve in unsere Zeitplanung gepackt hatten, waren wir 3 Stunden zu früh am Flughafen. Die Rückgabe des Wagens verlief erstaunlich problemlos, mein expliziter Hinweis auf den beschädigten Aussenspiegel wurde lediglich mit einem „it’s OK“ quittiert. Scheint so, dass wir unsere Zusatz-Zusatz-Versicherung zwar nicht umsonst, aber vergebens abgeschlossen hätten.

Noch eine letzte Bemerkung zum Thema Verkehr: in den Tagen auf Bali habe ich gelernt, dem nachmittäglich einsetzenden Monsun-Regen doch etwas Positives abzugewinnen: er wäscht die Strassen rein von Zweirad-Fahrern.

Nach den 25$ Eintritt mussten wir auch noch umgerechnet etwa 10 Eu „Austritt“ zahlen, um Indonesien verlassen zu dürfen. Immerhin ging das, im Gegensatz zur Einreise, kurz und schmerzlos. Wobei: jetzt hätten wir Zeit gehabt (s.o.).

In KL sind wir am LCCT gelandet, einem eigenen Flughafen für Billig-Flieger. Und dort wird wirklich gespart: es ist ja schon unangenehm, wenn man keinen Finger bekommt und mit dem Bus zum Flieger gekarrt wird. Am LCCT gibt es keine Finger und auch keine Busse: hier muss man kilometerweit zu Fuß über das Vorfeld  wandern. Immerhin sind die Wanderwege überdacht.

Mit dem Bus ging’s dann weiter zum Haupt-Flughafen und dort hieß es dann das nächste Mal warten. Im Duty-Free Laden wäre der Gin verführerisch billig gewesen (ca. 16 Eu für einen Liter Bombay Saphire), allerdings wussten wir nicht, ob wir mit den Flaschen Probleme beim Transit in Istanbul bekommen würden. Und da auch 32 Eu für die Tonne eindeutig zu viel sind, beschlossen wir, unseren Spirituosen-Vorrat erst in der Türkei, wenn auch zu weniger attraktiven Preisen, zu vervollständigen.

Das haben wir dann auch gemacht, und zwar für 26 Eu je Liter (dafür haben wir uns an den Probierständen mit Turkish Delight im Gegenwert von 10 Eu vollgestopft).

Da wir natürlich auch aus Fernost die Champions League verfolgt haben, waren wir vom Schnee in Istanbul nicht überrascht. Als wir aber auf der Anzeigetafel ziemlich oft das Wort „Cancelled“ und noch öfter „Delayed“ gelesen haben, wurde uns schon etwas mulmig. Um so erleichterter waren wir, als unser Flug „on time“  aufgerufen wurde und wir, wenn auch ohne Finger, den Flieger einigermaßen pünktlich betreten konnten.

Dami begann allerdings die unangenehmste Warterei des Tages: nach ca. 2 Stunden fiel dem Pilot wohl ein, dass er vor dem Abflug noch eine Enteisung benötigt. Und bei diesem Wetter ist das mit der Enteisung so ähnlich wie an einem strahlend blauen Samstag mit der Autowäsche: da kommen alle auf die gleiche Idee und entsprechend lang sind die Schlangen. Als wir dann nach über 3 Stunden im, dank menschlicher Heizleistung (ich habe mal gehört, ca. 70 Watt je Nase) muckelig warmen Flieger abhoben, verlief immerhin der Rest des Fluges so angenehm, wie ein Flug in der Holzklasse, auf den man in Summe fast 7 Stunden gewartet hat, nunmal verlaufen kann. Dazu hat sicherlich auch beigetragen, dass ich das Frühstück, dessen Geruch mir wieder mal den Magen hob,  durch ein Bier ersetzt habe.

(Mittlerweile spüre ich den Schlafmangel doch deutlich: die Anzahl der „Kringelwörter“ nimmt zu und ich bin mir nicht sicher, ob die letzten Sätze oben verständlich sind. Macht aber nichts, ich bin eh fast fertig)

Köln empfing und mit Kaiserwetter. Leider war bei der Passkontrolle der Express-Schalter für EU-Bürger nicht besetzt, und da wir in der letzten Reihe des Fliegers saßen (und in den Reihen vor uns, für einen Turkish Airlines Flug wahrscheinlich nicht ungewöhnlich, viele Bürger aus visumspflichtigen Staaten), dauerte die Einreise ähnlich lange wie in Indonesien.

Mit einem letzten, mittlerweile sehr vertrauten Bild möchte ich diese Ausgabe unseres Blogs schließen: Ankunftshalle, irgendwo in der Welt. Eine Menschenschlange bis zum Horizont, durch Absperrungen zu einer Art Schneckennudel aufgewickelt. Vor einem der beiden besetzten Einreise-Schalter steht ein Mensch, gestikuliert ausladend und versucht, sich in irgendeiner Sprache, die beide nicht beherrschen, mit dem Grenzer zu verständigen. Schließlich tippt er wild auf seinem Smartphone herum und verschwindet mit dem Beamten irgendwohin … Abflughalle, Menschenschlange bis zum Horizont …

 

12. Türchen: Römisches Praetorium

So, mittlerweile sind wir tatsächlich zu Hause angekommen, aber ich fühle mich viel zu schwach um hier noch das elfte Türchen mit den  Eindrücken des letzten Tages (der eigentlich zwei Tage war) und ein paar abschließenden Gedanken zu füllen. Aber: aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Daher hier und jetzt nur eine Kurzfassung unserer Heimreise in Form von Zahlen und Fakten:

  • Gesamtreisezeit: 36 Stunden
  • davon 4 im Auto auf Bali (die sollten eigentlich wie Hundejahre 7-fach zählen, tun sie aber nicht)
  • davon 21 im Flieger
  • davon wiederum um 18 in der Luft
  • davon sogar ein paar versuchend zu schlafen
  • verbleiben 11 Stunden, die wir in irgendwelchen Terminals, Abflug- oder Ankunftshallen, Einreisebehörden oder Transferbussen verbracht haben

Zehntes Türchen: Reis, Reis!

Heute waren wir nochmal mit dem Auto unterwegs, um uns irgendwelche traditionellen Reisfelder in der Nähe (naja, das ist hier relativ: örtlich ja, zeitlich nein) anzuschauen. Natürlich sind die Felder Weltkultur-Erbe, auf was anderes springen wir ja gar nicht mehr an, Bilder siehe Bilder.

Apropos Anspringen: obwohl das Fahren, Schalten und bisweilen sogar das Blinken bei mir mittlerweile einigermaßen klappen (an das Hupen habe ich mich aber immer noch nicht gewöhnt), hatten wir heute doch einige Start-Schwierigkeiten. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: es ist schon über 3 Jahre her, dass ich das letzte Mal ein Auto gefahren bin, bei dem man das Licht selbst ausmachen musste. Wie dem auch sei, 3 äußerst engagierte Security-Männer, 1 Masseur, 1 Rezeptionist  und ein umgebautes Staubsauger-Kabel haben uns schließlich  doch noch „an’s Fliegen“ gekriegt. Mac Giver wäre stolz auf seine balinesischen Brüder im Geiste.

Für uns verlief der Tag darüber hinaus ruhig und problemlos, das kann der  Hund, der vor unseren Augen überfahren wurde, wahrscheinlich nicht behaupten. Der Anblick steckt mir immer noch in den Knochen und betrübt meine Stimmung doch etwas.

So, jetzt wird es Zeit ein letztes Mal unseren Privat-Pool zu genießen, die letzten Resourcen Rum & Bier zu vernichten (hilft wahrscheinlich auch gegen den Urlaubsende & Hundetot-Blues) und die Rucksäcke zu packen. Morgen erwartet uns dann ein  rekordverdächtiger Flug-Marathon ( Bali -> Kuala Lumpur -> Istanbul -> Köln) mit gefühlt unendlich langen Wartezeiten dazwischen (die garantiert zu kurz sind, wenn einer der Flieger Verspätung hat).

Neuntes Türchen: Naphtalin

Heute waren wir zum ersten Mal seit unserer Ankunft hier wieder auf eigener Achse unterwegs. Zu meiner Erleichterung ist der Wagen direkt angesprungen und hatte auch noch auf allen Vieren hinreichend Luft, so dass ich annehme, dass unser Höllenritt, abgesehen vom Außenspiegel, keine bleibenden Schäden verursacht hat. Besucht haben wir heute eine koloniale Altstadt, einen Tempel und einen Wasserfall. Immerhin mal wieder Futter für die Kamera, ansonsten aber nichts wirklich Berichtenswertes. Daher heute ein paar stichpunktartige Gedanken, die wir uns die letzten Tage hier so gemacht haben.

  • Strom: die Anlage hier hat gemäß „Factsheet“ 108 Schlafzimmer. Dabei gibt es verschiedene Konfigurationen, von der Villa (4 Schlafzimmer) bis zum Einzelzimmer.  Nehmen wir mal ein durchschnittliches Verhältnis von 1: 1,2 für Schlafzimmer: Klimaanlagen an (wir haben z.B. eine Suite mit einem Schlafzimmer und 2 Klima-Anlagen). Das macht dann angenommene 130 Klimaanlagen (die in den öffentlichen Räumen wollen wir vernachlässigen).
    Eine durchschnittliche Klima-Anlage für einen Raum hat eine Leistung von etwa 6 kW (ohne Gewähr, habe ich mir aus verschiedenen Quellen zusammengegoogelt).
    Bei dem Wetter hier laufen die Anlagen eines belegten Schlafzimmers schätzungsweise fast rund um die Uhr auf 80% ihrer Maximal-Leistung. Für die Belegung in der Hauptsaison werden 90% angenommen.
    Das ergibt:
    108 * 1,2 * 6 * 0,8 * 0,9 =  560 kW
    Anschlussleistung nur für die individuellen Klimaanlagen. Bei einer angenommenen durchschnittlich Nutzungsdauer von 12 Stunden/ Tag (unterschiedliche Auslastung in Haupt-/ Nebensaison berücksichtigt) ergibt das einen Verbrauch von
    560 * 12 * 365 = 2,5 GWh
    @Joachim: vielleicht könntest Du hier ja mal 123energie anbieten!
  • Sonne: unser Guide gestern hat uns mehrfach aufgefordert, nicht ohne T-Shirt schnorcheln zugehen. Alle anderen, exponierten Körperteile haben wir ordnungsgemäß mehrfach mit LSF 30 eingerieben. Außerdem war der Himmel den größten Teil des Tages ziemlich bedeckt. Geholfen hat das alles nicht: heute können sowohl Birgit als auch ich uns nur ziemlich eingeschränkt bewegen, besonders der nicht von der Badehose/ -Anzug bedeckte Teil des Hinterns und die hinteren Oberschenkel sind Puter-rot und verursachen entsprechende Schmerzen. Aber auch Rücken, Arme und Brust sind in Mitleidenschaft gezogen. Ich will mir garnicht vorstellen, wie es unserem Mit-Schnorchler Gerard D. geht, der sowohl auf Shirt als auch auf Sonnenschutz gänzlich verzichtete.
  • Vergänglichkeit: ich möchte nichts relativieren, in unserer Herberge hier ist wirklich alles (fast) picobello. Allerdings ist sie auch, wie schon geschrieben, gerade mal 1/2 Jahr alt. Und bei genauerem Hinsehen haben wir uns schon das eine oder andere Mal gefragt, wie diese Anlage wohl in 1, 2 oder 5 Jahren aussehen wird. Nicht zuletzt ist hier ja auch alles viel extremeren meteorologischen Bedingungen (Regen, Hitze, Feuchtigkeit) ausgesetzt.
  • Verkehr: bei uns zu Hause gibt es ziemlich klar definierte, gerichtete Verkehrsströme: morgens fahren die Leute aus der Vorstadt in die City, abends zurück. Montags fahren die Berater zum Kunden, Donnerstag zurück. In den Tulpenferien fahren die Holländer in den Süden, Samstags fährt man zum Einkaufen in die Ehrenstraße, am Wochenende in’s Bergische und wenn der FC spielt, bleibt man zu Hause.
    Bei unseren verschiedenen Aufenthalten in der „3. Welt“ konnten wir bisher noch nichts ähnliches erkennen: hier scheint jeder irgendwie zu jeder Zeit von Irgendwo nach Wo Anders Hin zu müssen. Und um dort, mitsamt seinen zu befördernden Güter, anzukommen ist jedes erdenkliche/ verfügbare Mittel recht. Da sieht man Kleinlaster mit scheinbar unendlich vielen Passagieren auf der Pritsche, mit 6 Personen + Hund besetzte 50er Roller, Mopeds mit den abenteuerlichsten Beiwagen-Konstruktionen oder Motorräder, die so beladen sind, dass ich mich Frage, ob da ein Führerschein für 7,5 Tonnen ausreicht. Neben diesen motorisierten Varianten sind auch Pferde-, Esels-, Ziegen- oder Handkarren keine Seltenheit.
    In Kuba (welches wohlgemerkt seit über 50 Jahren unter dem US-Embargo leidet) brachte es unser Guide Humberto auf den Punkt: „our biggest problem is transportation“. Dem ist nichts hinzuzufügen
  • Geruch: wer kennt ihn nicht, diesen fremden, zumindest ungewohnten, bisweilen auch unangenehmen Geruch, wenn man bei uns einen Türken- oder Asia-Laden betritt. Mittlerweile habe ich mich als Dauer-Stammkunde zwar daran gewöhnt, tief in meiner Erinnerung ist aber noch ein charakteristischer, auch nicht unbedingt angenehmer, Geruch mit dem Betreten einer Aldi-Filiale verbunden. Tankstellen (ich habe lange genug an einer gearbeitet) verströmen einen Mix aus petrochemischen Produkten, Tabak (geraucht oder ungeraucht) und ungewaschener Kundschaft. Einzig die modernen Voll-Sortimenter (Edeka, Rewe), haben es geschafft, die Gerüche im Laden entweder ganz zu eliminieren oder zumindest mit durchweg positiv konotierten olfaktorischen Eindrücken (z.B. frisch gebackenem Brot oder Zitrusfrüchten) zu übertünchen.
    Wenn man in Japan einen Laden betritt, wird man dort von einem Geruch begrüßt, dem ich den Namen „Gesottenes“ gegeben habe. Der kommt daher, dass dort den ganzen Tag irgendwelches Essen (Würstchen, Gemüse, Tofu) an der Kasse in einem offenen Topf in einer Brühe vor sich hin suttert.
    Südamerikanische Läden riechen ähnlich wie die türkischen bei uns, also eher feucht-gemüsig. Aber irgendwie doch anders, ich würde den Geruch als „erdiger“ bezeichnen. Das gilt besonders für die Anden-Staaten, ab Chile wird es dann eher fleischig-blutig.
    Hier auf Bali hingegen ist der Geruch eines jeden Lebensmittelgeschäfts eindeutig und völlig klar definiert: ab ca. 5 Meter vor der Tür riecht es penetrant nach Mottenkugeln. Und das gilt sowohl für den kleinsten Krauter-Laden an der Ecke als auch die Niederlassungen des zweitgrößten Lebensmittel-Einzelhändlers der Welt, Carrefour.

Achtes Türchen: findet Niemand

Nach dem gestrigen Lungern stand heute wieder Programm auf dem Programm. In unmenschlicher Frühe ging es los zum Schnorcheln. Pünktlich um 8 wurden wir von unserem Guide und von seinem Fahrer abgeholt. Ich hatte etwas Bammel vor dem Tag, da ich die halbe Nacht in gefliesten Räumen (das nicht ganz richtig, besser: auf dem Freiluft-Abort) zugebracht habe. Schuld daran war aber nicht etwa das Essen an irgendeinem Futterstand am Straßenrand oder in einer Garküche, sondern die im Steinofen zubereitete, fettriefende Pizza hier in der Anlage (ich erinnere mich: in Ecuador ging’s mir auch bis zum Zürcher Geschnetzelten in der Schweizer Lodge gut).

Nach dem obligatorischen Austausch von Namen und Belanglosigkeiten (bei uns Deutschen gerne über Fußball) ging’s dann im Mini-Van los, die anderen Mit-Taucher einzusammeln. In unserem Fall waren das 2 klapperdürre Französinnen (Tochter und Mutter, leider stark mittleren und fortgeschrittenen Alters) mit jeweiligem  Anhang (dick , bleich, unattraktiv, kurz: ein wenig wie Gerard D.), die in einer exklusiven Villa (exklusiv heißt hier: sie waren die alleinigen Gäste) residierten, in der man wohl die indonesische Version von Denver Clan gedreht hat.

Während der (insgesamt über 1 1/2-stündigen) Fahrt haben wir uns wieder mal geärgert, dass wir es immer noch nicht geschafft haben, einen Tauchschein zu machen. Daher bleibt uns, wieder mal, nichts anderes übrig als, im wahrsten Sinne des Wortes, an der Oberfläche zu kratzen.

Leider haben außerdem wir für unseren Foto keinen wasserfesten Kittel, und die umgerechnet 16 Eu für eine Miet-Unterwasserkamera hätten wir zwar gerne berappt, doch leider hatten wir keinen USB-Stick dabei, so dass ich unsere intensiven Eindrücke aus dem Korallenriff jetzt hier wohl verbal beschreiben muss.

Kurzum: es war unbeschreiblich!

Auch wenn Birgit sich noch etwas scheut, eine Tauch-Ausbildung im Olivandenhof an einem Advents-Samstag anzutreten: beim nächsten Mal haben wir sowohl Tauch-Schein als auch eine Unterwasser-Kamera, versprochen!

PS: Ja, und wir haben Nemo gefunden!

Intermezzo

Szene: 7 Uhr morgens, gerne auch früher, manchmal auch sehr viel früher. Vor einem Hostel, seltener Hotel. 1 Mini-Van (9-Sitzer) mit laufendem Motor. 2 bleiche, ungeduschte und ziemlich verschlafene Traveller (T1 und T2). 2 südländisch anmutende Naturburschen (G und D), gerne mit schlechten Zähnen.

Dialog:

G: Goood morning, how are you? My name is Robert, I will be your guide today.

T1: [denkt] Robert, ha, wir wissen doch beide, dass das nicht Dein echter Name ist. In Wirklichkeit heißt Du doch bestimmt Narasalampitullah, aber eigentlich interessiert mich das auch nicht [denkt Ende] Good morning, fine, thank you. I’m Oliver.

T2: Birgit! [denkt] eigentlich ist es egal, welchen Namen ich Dir nenne, Du kannst ihn eh nicht aussprechen [denkt Ende]

D: My name is [nicht verständliches Gemurmel]. I’m your driver.

T1: Oliver!

T2: Birgit!

G: So, Oliver, where’re you from?

T1: Germany

G: Ah, Deutschland! Guuten Tack! Ales gutt?

T1: Alles bestens! [denkt] außer natürlich, dass ich einen Mords Druck auf dem Enddarm und einen dicken Kopf vom Anker-Bier gestern habe [denkt Ende]

G: Oliver from Germany, haha, like Oliver Kahn!

T1: Ja, and Oliver Bierhoff, the only one ever to shoot a golden goal

G: Jeah, which part from Germany? Munich?

T1: No, Cologne, in the very West

G: Ah, Eff-See Koeln!

[wird fortgesetzt, oder auch nicht]

Siebtes Türchen: Slumdog Millionär

Die Anreise auf eigener Achse war, wie schon beschrieben, ein ziemlicher Höllenritt. Dafür erwartete uns hier so was ähnliches wie ein Paradies. Ein Fenster im eigentlichen Sinn hat unsere Unterkunft hier zwar immer noch nicht, dafür an beiden Seiten je eine Glastür über die gesamte Breite, ein Freiluft-Bad und einen persönlichen Pool (zugegebenermaßen: es sind nur sehr kleine Schwimmzüge möglich). Birgits erste Reaktion nach dem Aufwachen beim Blick aus der Tür auf Palmen und strahlend blauen Himmel: „das ist aufgemalt, oder?“.

Zum ersten Mal in unserem Leben verbringen wir ein paar Tage in einem „Ressort“, böse Zungen mögen behaupten, da sei es bis zu einem Club-Urlaub (oder verschärft: Club-Schiff-Urlaub) nicht mehr weit.

Nur der Vollständigkeit halber: wir sind mittlerweile in Bali angekommen und dort im gerade mal 1/2 Jahre alten, ziemlich luxuriösen Lovina Beach Resort abgestiegen, das von sich selbst behauptet, die nobelste Unterkunft in Nord-Bali zu sein. Und da hier gerade arge Nebensaison, man könnte auch sagen, ziemlich tote Hose ist, konnten wir auf einem der einschlägigen Buchungs-Portale einen ordentlichen Schnäpper (wie man in Köln ein Schnäppchen nennt) an Land ziehen.

Apropos: was kostet die Welt? Nun, wir können nicht mal die Frage beantworten, was hier eine Büchse Bintang Bier aus der Mini-Bar kostet. Auf der Preisliste steht 35.000 Rupien, und ein Euro ist so in etwa 16.000 Rupien. Dazu kommt dann noch ein nicht näher spezifizierter Service-Zuschlag und Steuer … ich gebe auf! Schmeckt trotzdem ganz ordentlich, hat eine kräftige Hopfen-Note.

Nochmal zum Geld: es ist zwar ein erhabenes Gefühl, am Geldautomaten 1 Million Währungseinheiten zu ziehen, im Alltag werden die Preise hier aber / 1.000 angegeben, dazu kommt dann noch ein Service-Zuschlag und eine nicht näher spezifizierte Steuer … aber das hatten wir ja schon. 

Nach dem anstrengenden Tag gestern steht heute nichts außer gammeln, lungern, relaxen, chillen, schlummern, Bintang Bier (für 35.000 Rupien … + unspezifizierte Zuschläge und Steuern) und der private Pool auf dem Programm (oder, für die Erwachsenen Leser: die 3 F). Daher muss die Füllung dieses Türchens etwas spärlich bleiben.

Sechstes Türchen: mehr Mitte, Wagen

Heute (ehrlicherweise gestern, denn ich bin einen Tag im Verzug) war der Transfer-Tag der Hölle. Dabei fing alles ganz harmlos an. Die U-Bahn fuhr von praktisch direkt vor unserer Hostel-Tür bis zum Flughafen durch. In der F-Frage waren wir uns etwas uneins: meines Erachtens hatten wir noch genügend Zeit, um uns noch ein Original Singapurisches Frühstück (will sagen: gebratene Nudel, Fleisch, Sambal) einzuverleiben. Birgit hingegen hat mittlerweile wohl einen gewissen Sättigungsgrad an Asia-Food erreicht (siehe auch: Braunes) und plädierte für ein ordentliches Mac-Frühstück am Airport. Als Kompromiss kaufte ich mir im Supermarkt eine Portion lecker Sushi und wollte die dann gemütlich vor dem Abflug vertilgen, während sich Birgit beim Schachtelwirt delektieren sollte.

Zum Glück haben wir uns für diese Variante, und nicht für die meinige entschieden. Zum einen hat die Bahnfahrt doch etwas länger als erwartet gedauert. Das wäre aber nicht das Problem gewesen. Das lag vielmehr darin, dass das Gate (angeblich) bereits ½ Stunde vor Abflug schließt und dieser, mir nichts, dir nichts, mal eben ¼ Stunde vorverlegt wurde. Beides führte dazu, dass ich mein Sushi und Birgit ihren Königs-Burger (es gab kein Mac) in magengeschwürfördernden Tempo in uns hineinstopften, nur um dann (am natürlich weiterhin geöffneten) Gate noch über eine ¾ Stunde auf den verspäteten Flieger zu warten.

Das sollte allerdings nicht die letzte und auch nicht die längste Warterei des Tages sein. Nach einem ruhigen Flug (neuer Rekord: Birgit hat sogar den Start verschlafen) mussten wir zunächst 25 US$ je Nase „Eintrittsgeld“ berappen. Das ging erstaunlich flott, danach wurde es aber unangenehm: erstmal auf einem Formular den gesamten Lebenslauf in BLOCKBUCHSTABEN eintragen und dann: warten … warten … warten. Und wie immer in einer solchen Warteschlange kommt mir ein Gedanke: je bananiger die Republik desto restriktiver die Einreisekontrollen. Und diesmal hatte ich mir fest vorgenommen, dem Grenzer diese meine Meinung auch nachdrücklich kundzutun (aus irgendeinem Grund riet mir Birgit allerdings davon ab). Als wir dann schließlich an der Reihe waren, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als der Beamte, nach kritischer Kontrolle meines Passbildes meine „better, much better“.

Wenig später saß ich zum ersten Mal rechts am Steuer. Ungewohnt! Mit links schalten ist eine Sache, die andere ist, dass ich das Abbiegen stets mit dem Scheibenwischer signalisiert habe. Zum Verkehr: vergesst Köln, Paris, Rom! Hier sind überall Zweiräder: rechts, links, vorne, hinten und wenn man nicht verdammt aufpasst auch unter einem. Und §1 der hiesigen Straßenverkehrsordnung: benutze deine Hupe (§2 alle anderen haben Vorrang).

Als ich ziemlich stolz auf mich war, in dieser automobilen Hölle die ersten 5 Kilometer unfallfrei geschafft zu haben, tat es einen mächtigen Schlag: mein ungeübtes Gefühl bezüglich der linksseitigen Ausmaße meines Gefährts hat mich in die Irre geleitet und zu einer Spiegel-Kollision geführt. Zum Glück hat es nur einen Spiegel und keinen Zweiradfahrer erwischt. Sehr zu meiner Überraschung und Erleichterung hat der Betroffene auch kulant über die (kleine, aber doch sichtbare) Beschädigung seines Spiegels hinweggesehen (ich sah uns schon Stunden, wenn nicht Tage, auf irgendwelchen Polizeirevieren rumsitzen und/ oder für eine komplette Neulackierung des Wagens blechen). Auch unser Spiegel ließ sich soweit flicken, dass wir unsere Fahrt ohne Einschränkung fortsetzen konnten (allerdings bleibt ein deutlicher Schaden, aber dafür haben wir ja eine Versicherung und eine Zusatzversicherung und eine Zusatzversicherung zur Zusatzversicherung; sicher ist sicher!). Ab diesem Zeitpunkt mahnte mich Birgit regelmäßig zu „mehr Mitte“.

Immer das gleiche mit den Navis: sie erledigen ihren Job, die kürzeste Strecke zwischen A und B zu finden gut, oft zu gut. Am Anfang waren die Straßen proppenvoll, aber durchaus mitteleuropäischer Qualität (und damit meine ich nicht wie im Bergischen Land im März). Über den deutlich abnehmenden Verkehr konnte ich mich nur sehr bedingt freuen, da er mit einer zunehmenden Verschlechterung des Fahrbahnbelags einherging (außerdem ist es ziemlich beängstigend, kilometerweit bei Nacht und Nebel durch den Dschungel zu fahren, ohne dass einem ein anderes Fahrzeug begegnet). Zur Piste: stellenweise war diese schlichtweg unbefahrbar: Schlaglöcher so groß und tief wie der Baikal-See, extrem ausgefahrene Hohl-Spitzkehren, Steine (wahlweise auch Hunde) mitten auf der Fahrbahn, … (also ungefähr so, wie im Bergischen Land im März). Als die Navi-App uns schließlich anwies, die gelbe Strecke zu verlassen und auf eine weiße abzubiegen, verweigerten wir den Gehorsam und Birgit übernahm, neben der Mahnung zu „mehr Mitte“ auch den Job des Navigators.

Starker Regen und dichter Nebel taten das ihrige, aus unserer Reise einen veritablen Horror-Trip zu machen. Wie durch ein Wunder sind wir, nach über 4 Stunden knochen- und reifenzermürbender Fahrt für läppische 90 Kilometer ohne (weitere) Schäden an Leib, Leben und fahrbarem Untersatz, in unserem Resort angekommen. Von diesem dann mehr im morgigen (heutigen, s.o.) Türchen.