Tokyo und Umgebung

Gerade noch geschafft: Neuseeland zählt als reines Transit-Land nicht mit, damit ist die alte Yodo-Regel „nicht mehr als 1 Land hintendran“ auch bezüglich Bilder erfüllt!

Tokyo Und Umgebung

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さようなら日本! Vive la France! Vive l’Europe!

Eine Yodo-Regel lautet: „nicht mehr als ein Land hintendran sein“. Um diese Regel zu erfüllen stünde heute, an unserem letzten Tag in Neukaledonien, jetzt also nochmal Japan auf dem Plan.

Nun denn, Japan: Birgit gestand mir gestern Abend, daß sie bei unserem letzten Tokyo-Aufenthalt (anno 2013, vadammt lang her) von der Stadt etwas genervt war und für diesmal die Befürchtung hatte, daß wir nichts mit unserer Zeit anzufangen wüssten. Zum Glück haben sich diese Bedenken sehr schnell zerstreut, so daß wir die Stadt am Neujahrsabend mit dem Gefühl verließen, lange nicht alles gesehen, gemacht und gegessen zu haben, was wir uns vorgenommen hatten. 

Über die Details unserer Ausflüge nach Hakone und Kamakura hat Yodobasha sich ja schon detailliert ausgelassen, so daß ich mir diese hier ersparen kann/ muss. Anmerken will ich allenfalls noch, daß letzteres zu Zeiten des Kamakura-Shogunats mal für eine Zeitlang Hauptstadt des Landes war. Irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, daß jedes Kaff in der langen Geschichte des Landes irgendwann mal Hauptstadt war. 

Apropos Kaff: ich war total fasziniert, daß wir, keine 15 Gehminuten vom pulsierenden Zentrum Uenos entfernt, ein Stadtviertel fanden, das mit seiner Beschaulichkeit etwas dörfliches, allenfalls kleinstädtisches ausstrahlte. In der dortigen Fuzo (hier „Ginza“ genannt) würde sich das Kaufhaus Birkenmeier (oder Unterforsthuber) direkt nahtlos integrieren. Leider übertrumpfte mein Hungergefühl meine nostalgische Begeisterung für diese Zeitmaschine, so daß wir uns vornahmen, satt und gestärkt nochmal vorbeizuschauen. Wir haben’s auf unserer Liste für das nächste Mal!

Ansonsten könnte ich noch erzählen, daß wir jetzt auch das Thema Erdbeben in unser Reise-Profil aufnehmen können. War zwar nur ein ganz kleines, aber das Zimmer (im 12. Stock) hat eindeutig für ein paar Sekunden gewackelt. Im Internet finde ich zwar die Bestätigung, daß da in Tokyo was gewackelt hat, aber leider keine Angaben zur Stärke auf der „nach oben offenen Richterskala“.

Heute ist, wie geschrieben, mittlerweile schon unser letzter Tag in Neukaledonien angebrochen. Dabei könnten wir hier durchaus noch ein paar Tage verweilen, aber die nächste (und letzte) Etappe ruft.

Ein Gedanke kam Birgit und mir hier unabhängig voneinander: eigentlich schade, daß Deutschland keine Kolonien mehr hat. Edeka und Aldi statt Carrefour und Simply (zumindest für Aldi sollte das machbar sein, die haben ja schließlich auch um die Ecke in Australien Läden). Roggenbrot statt Baguette (das ist zwar lecker, aber auf die Dauer braucht der Teutone halt sein Sauerteigbrot). Moselwein statt Bordeaux (ok, das ginge vielleicht etwas zu weit). Aber was soll’s, schließlich sind wir ja alle Europäer und dieses kleine Stück EU mitten im Pazifik verdeutlicht uns noch einmal, was für eine großartige Sache das vereinte Europa ist: nach all den Visums- und Einreiseprozeduren der anderen Länder konnten wir hier einfach mit dem Perso einreisen (bzw. hätten das gekonnt, der war aber so tief unten in der Tasche, daß wir dann doch den Pass genommen haben). Und wenn wir Lust hätten, könnten wir uns hier einfach einen Job suchen und uns beim Einwohnermeldeamt anmelden. Da wir aber nicht wissen, ob die Stadtwerke Noumea IS-U im Einsatz haben, und ich als Surflehrer wahrscheinlich keine allzu gute Figur machen würde, bleibt dies eine eher theoretische Möglichkeit. Anmerkung Birgit: Ultraleicht-Pilot scheidet ebenfalls aus.

Tempelkoller/ Heimgekommen

Ich hätte mir heute im Tempel wohl doch das Amulett für Fußgesundheit kaufen sollen. Um die ist es bei mir nämlich gerade nicht so gut bestellt: am rechten plagt mich der Fußpilz, am linken habe ich mir gestern im Onsen einen Stein-Spreißel geholt, den mir Birgit gerade ebenso herzlos wie schmerzhaft entfernt hat. Immerhin hat sie die Pinzette vorher ordnungsgemäß desinfiziert (durch 2-maliges Reiben am Hosenbein). 

Mittlerweile ist es schon 3 Tage her, daß wir Taiwan verlassen haben. Nach den letzten tagen in Taipeh war ich mir sicher, daß ich mein ganzes Leben keinen Fuß mehr in einen buddhistischen, konfuzianischen oder taoistischen  Tempel setzen möchte. Aber schon kurz nach unserer Ankunft hier in Tokyo wurde mir klar, daß ich diesen Vorsatz nicht einen Tag werde durchhalten können. Tokyo – es gibt für mich 4 Metropolen, die mir immer das Gefühl vermitteln, zu Hause angekommen zu sein: Weinheim, Paris, San Francisco – und eben Tokyo. Seit unserer ersten Japan-Reise vor über 7 Jahren hat sich hier in unserer Wahrnehmung kaum etwas verändert. Die Stadt (die es ja eigentlich garnicht gibt) ist immer noch laut, schrill und grell, während die Tempel eine Ruhe, Gelassenheit und Würde ausstrahlen, die wir in dieser Form weder in Korea, China noch Taiwan gefunden haben. So fiel es mir auch ausgesprochen leicht, den Tempel des Gottes der Fußgesundheit zu besuchen.

Einwand Birgit: vor 7 Jahren tat sie sich arg schwer damit, etwas Essbares nach ihrem Geschmack zu finden. Das ist im Jahr 2017 definitiv leichter, außerdem ist ein gewisser Hang zum Street-Food zu erkennen. Manche Dinge ändern sich eben doch.

Doch eigentlich soll dieser Beitrag unsere Zeit in der Republik China zusammenfassen. Geburtshelfer der Idee, dort eine längere Etappe einzulegen, war mein Flieger-Kamerade Robert N.. Als ausgewiesener Asien-Kenner meinte er, während wir uns einmal schwärmerisch über Japan unterhalten haben, Taiwan sei für ihn eine Art „Best-Of“ aus China und Japan.

Zumindest historisch mag er damit nicht ganz falsch liegen, die Insel wurde erst von den Holländern, dann den Chinesen und schließlich von den Japanern kolonialisiert. Dann wurden die Japaner wieder von den Chinesen, die die Insel mittlerweile als integralen Teil ihres Reiches ansahen, vertrieben. Im Rahmen des langen Marsches floh die Republik China nach Taiwan, was zu der etwas absurden Situation führte, daß die kleine Insel den alleinigen Vertretungsanspruch für das chinesische Riesenreich beanspruchte. Nachdem die Welt (will sagen: primär die USA) in den 70er Jahren Maos Volksrepublik anerkannten, ist der völkerrechtliche Status von Taiwan (zumindest mir) unklar. Heute ist es wohl aber so, daß nur noch eine Handvoll Staaten (und der Heilige Stuhl) diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhalten. Außerdem hat sich Taiwan seinerseits bis heute nicht von China unabhängig erklärt.

Soweit dieser kurze Ausflug in die Geschichte. Wie präsent der ungeklärte Status Taiwans im Alltag ist, wurde uns spätestens klar, als Kampfjets an verschiedenen Orten knapp über unseren Köpfen hinwegdonnerten. Der beim Frühstück in Tainan ausliegenden, englischsprachigen „Taipei Post“ konnten wir dann am nächsten Morgen entnehmen, ob es sich dabei jeweils um chinesische oder chinesische (also republikanische oder volksrepublikanische) handelte. Auch wenn wir, zumindest aber ich, noch mit diesem Geräusch aufgewachsen sind: Tiefflieger vermitteln ein fast so unangenehmes Gefühl wie (Probe-) Alarm heulende Sirenen.

Was könnte ich jetzt noch über unseren Aufenthalt berichten? So etwas richtig „episches“will mir nicht einfallen, daher versuche ich es einfach mit einer Checkliste:

  • Land: während der 3 Wochen haben wir die Insel ziemlich vollständig umrundet. Dabei haben wir Millionenstädte, alpine Gebirge, tropische Regenwälder, Südseestrände und etwas, das uns an Cornwall erinnert hat, gesehen. Das Vorankommen war, dank des hervorragenden ÖPNV, ebenso günstig wie problemlos. Das Landesinnere bleib uns, mangels Zeit und eigenem fahrbaren Untersatz, weitgehend verschlossen (das Gleiche gilt übrigens auch für Japan während unseres vierten Aufenthalts). Ich bin mir sicher: mit dem eigenen Auto (oder gar Camper) könnte man dort problemlos weitere 6 Wochen verbringen, ohne daß einem langweilig würde (was sicher auch für Japan so gelten würde) ==> 4 von 5 Punkten
  • Leute: im Reiseführer werden die Taiwaner als die freundlichsten Menschen der Welt bezeichnet. Das möchte ich durch eine kleine Anekdote untermauern: bei unserem Besuch des ehemaligen japanischen Marinesenders in Kaohsiung waren die englischsprachigen Infoblätter aus. Für uns kein Problem, unsere Kamera versteht eh kein Englisch. Eine dreiviertel Stunde später kommt schnaufend ein Angestellter auf dem Fahrrad auf uns zu und überreicht uns, Stolz wie Bolle, ein (ziemlich zerknittertes) Infoblatt. Keine Ahnung wo er das aufgetrieben hat. Apropos Englisch: fast alle Taiwaner, die uns begegneten, sprachen es zumindest „bröckeleswise“ ==> 5/5 Punkten 
  • Wetter: es ist Dezember und die Insel erstreckt sich, obwohl einiges kleiner als Österreich, über verschiedene Klimazonen (s.o.). Unser erster Aufenthalt in Taipeh war naß-kalt. Naß, zumindest zeitweise, war es auch im Kenting-Nationalpark. Dort hatten wir noch dazu Angst, vom Winde verweht zu werden. Eventuell war es auch durchgehend naß, wir waren uns stellenweise nicht sicher, ob das Sprühregen oder herübergeblasene Gischt war. Kaohsiung, Tainan und Taipeh die Zweite waren weitgehend trocken und die meiste Zeit einigermaßen blau ==> 2/5 Punkten
  • Kultur: gemäß Reiseführer gibt es in Taipeh, Kaohsiung und Tainan Museen, die es durchaus mit der Weltspitze aufnehmen können. Natürlich haben wir die alle besucht. Nicht! Wir haben uns, wer hätte das gedacht, mehr der Esskultur gewidmet. Und die besteht in ganz Taiwan in erster Linie aus Street-Food, welches lecker, abwechslungsreich, frisch und günstig serviert wird. Auch wenn Birgit irgendwann einen Nachtmarkt-Koller bekommen und im Schlaf von Goudabrot (leider keine Hinterlassenschaft der niederländischen Kolonialherrschaft) fantasiert hat: ==> 4/5 Punkten
  • Tempel: ich glaube, Taiwan hat die höchste Tempel-Dichte der Welt. Das führt irgendwann zum Tempel-Overflow, der wohl nur durch einen Besuch in Japan geheilt werden kann ==> 3/5 Punkten

Fazit: ich muss R. Nöllenburg Recht geben: Taiwan ist für Asien-Reisende, zumindest im fortgeschrittenen Stadium, eine Muß-Etappe (18/ 25 Punkten)