Soroche – Pt. 2/ Tibet Light

Wieder hatte Birgit beim Korrekturlesen des letzten Eintrags einen Einwand: neben den beiden genannten Grenzlinien in Deutschland gibt es noch eine weitere, nämlich die mit Dings … äh … Dings … mmmh … verdammt … die mit der schwarzen Süßigkeit.

Der letzte Eintrag mit diesem Titel ist ziemlich genau 5 Jahre alt. Damals setzte uns die Höhe von 5.300 Metern einigermaßen zu. So hoch sind wir diesmal nicht annähernd, gerade mal 3.200 Meter. Trotzdem macht uns die Höhe diesmal mehr zu schaffen als in den Anden. Bei mir wundert mich das wenig, schließlich stand ich damals am Höhepunkt meiner körperlichen Fitness und am Tiefpunkt meines Körpergewichts. Von beidem bin ich aktuell ein gutes Stück entfernt. Das lässt Luft für gute Vorsätze für nach der Reise.

Aber nicht nur ich bin kurzatmig und habe das Gefühl, ich könne meine Lungenflügel nicht ausreichend mit Luft füllen. Auch meine deutschsprachige Reiseleitung vor Ort und kongeniale Co-Bloggerin ist ziemlich gebremst. Außerdem hat sie manchmal Dings … äh … mmmh … äh … Wortfindungsschwierigkeiten.

Nun sind wir also am (geographischen) Höhepunkt unserer Reise angekommen, in Shangri-La. Das ist jener mystische Ort im Himalaya, in dem die Leute angeblich 150 Jahre alt werden. Und von dem chinesische Forscher erst 1997 herausgefunden haben, daß er genau hier liegt (liegen soll?). Das führte dann, neben der Umbenennung des Ortes von Zhongdian in eben Shangri-La, zu einer beispiellosen touristischen Expansion. Diese gipfelte in der fast vollständigen Zerstörung des Ortes bei einem Feuer im Jahr 2014. Entsprechend fühlen wir uns hier wie in einer Mischung aus Lost Place (zumal gerade keine Saison ist), Baustelle, Märchenwelt und Ski-Ort.

Außerdem liegt der Ort zwar politisch in der Provinz Yunnan, geographisch aber im tibetischen Hochland. Die allgegenwärtigen Yaks und deren Produkte (siehe Yakbutter-Tee) können das bezeugen. Damit können wir mit Fug und Recht behaupten, wir wären in Tibet gewesen. Und das ohne die Formalitäten und Kosten für den Permit und den obligatorischen ständigen Begleiter. Nennen wir es „Tibet Light“: die ganz hohen Gipfel und der Yeti bleiben uns verwehrt.

 

 

Platzrunden – Nachtrag

Leider musste es bei Ground School bleiben: Kontrollzonen sind hier in China für Drohnen Flugverbotszonen. Zum Glück hat uns Wolf darauf hingewiesen und ordnungsgemäß den Start verweigert. Guter Wolf!

Auf diese Art Ärger mit der chinesischen Obrigkeit können wir gut verzichten, zumal das von auserkorene Übungsgelände unmittelbar neben einem Polizeiposten lag.

Wir haben es geprüft: unsere nächste Destination liegt ein gutes Stück vom nächsten Flughafen (und der zugehörigen CTR) entfernt.

Dali

Dali

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Kunming, Westberge, Steinwald Shinlin

Kunming, Westberge, Shinlin Steinwald

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Platzrunden

Frisch gestärkt vom Frühstück mit Yakbutter-Tee (ja, der schmeckt so schlimm wie er sich anhört) und Pfannkuchen mit 3 hauchdünnen Scheibchen Banane, sitzen wir hier in unserem Zimmer, genießen die Fußbodenheizung und warten, daß die Sonne das Thermometer auf über 0° treibt. Also die optimale Gelegenheit, die Ereignisse der letzten Tage zu protokollieren.

Wobei, so viel gibt es, zumindest von der letzten Etappe, Dali, nicht zu berichten. Im Reiseführer stand, man könne in diesem schnuckligen, kleinen Städtchen durchaus mehrere Wochen nichts weiter tun als zu essen, trinken und die Seele baumeln zu lassen. Dem habe ich nur wenig hinzuzufügen. Immerhin haben wir die Aktivitätspalette um Wäschewaschen (das tat dringend Not) und etwas Tischkickern erweitert. Und das mit der Seele hätte wahrscheinlich noch deutlich besser funktioniert, wenn sie beim Baumeln nicht dauernd festgefroren wäre. Will sagen: außerhalb der unmittelbaren Sonneneinstrahlung war es schwanzkalt. Das Bild, das wir morgens  beim Auftauen auf der Dachterrasse abgaben, war sicher göttlich: Birgit mit 3 Jacken übereinander und Zipfelmütze, während ich mir, Putin-Style, den ersten rustikalen Sonnenbrand der Reise hole. 

Ähnlich wie in Deutschland gibt es hier in China ebenfalls 2 inländische Äquatoren: während des bei uns der Weißwurstäquator und die Trennlinie zwischen Aldi Nord und Süd gibt, geht es hier um die Grenze zwischen Weizen und Reis und die Tatsache, ob die Häuser Heizungen haben oder nicht. Nicht ganz zufällig verlaufen diese Grenzen ziemlich parallel. Dali liegt im Reis-Teil.

Zwar verhinderte eine elektrische Heizdecke den direkten Kältetod, aber die drückende Blase und der Unwille, das warme Bettchen zwecks Erleichterung zu verlassen, schränkte, zumindest in der zweiten Nachthälfte, den erholsamen Schlaf doch deutlich ein. Von dieser Erfahrung geprägt haben wir für unsere nächste Destination, Shangri-La, mächtig tief in die Reisekasse gegriffen und ein Hotel gewählt, das nicht nur mit vorhandener Heizung warb, sondern mit Fußbodenheizung, was wirklich eine tolle Sache ist (s.o.).

Der Vollständigkeit halber jedoch erstmal zurück nach Kunming. Im letzten Beitrag schrieb ich, daß wir, als Revanche für den unherzlichen Empfang, nichts von der Stadt gesehen haben. Birgit reklamierte beim Korrekturlesen, daß das so nicht richtig sei: immerhin waren wir im örtlichen Apple-Store. Aber das nur der Vollständigkeit halber. Ansonsten nutzten wir unseren Aufenthalt für 2 Tagesausflüge: einen in die Westberge, einen in den Karst-Steinwald von Shinlin. Die Anreise zu letzterem stellte eine gewisse Herausforderung dar: 1 Stunde U-Bahn (diesmal ohne Messer), Karten für den Schnellzug kaufen, 1 1/4 Stunden auf den Schnellzug warten, 20 Minuten Bahnfahrt, eine weitere Stunde mit dem Elektrobus und schließlich nochmal 10 Minuten Elektrobus. Und das alles natürlich ausschließlich in für uns nicht entzifferbaren Symbolen und mit Personen, die in eben jenen Symbolen reden. Aber, dank meiner deutschsprachigen Reiseleitung vor Ort, Händen, Füßen und Taschenrechner kamen wir, als ich schon nichtmehr daran glauben wollte, tatsächlich an. Leider war weder das Wetter noch das Licht an diesem Tag optimal, so daß die gemachten Bilder die eindrucksvolle Schönheit der Gesteinsformationen nicht wirklich vermitteln können.

Deshalb, und da manchmal ein Film ja mehr sagt als tausend Bilder, beschlossen wir, unsere Drohne (die wir aus zwei Gründen auf den Namen Wolf getauft haben), erstmals in freier Wildbahn zum Einsatz zu bringen. So richtig gut verlief dieser Einsatz zugegebenermaßen nicht: beim Versuch, eine 360° Aufnahme in 30 Metern Höhe zu machen, habe ich wohl die Controls verwechselt und Wolf damit hinter den nächsten Felsen, und damit außerhalb unserer Sichtweite, manövriert. Der Druck auf die rettende „Return-to-Home“ Taste wurde mit einer Fehlermeldung quittiert. Birgit wurde panisch. Sie sah unseren Wolf schon an einer Felsnadel zerschellen oder wahlweise auch während seines Jungfernflugs im naheliegenden Teich versinken. Oder aber uns von den Parkwächtern, die unser Treiben mittlerweile argwöhnisch beäugten, verhaftet. Zum Glück ist Wolf nicht gerade leise, so daß ich ihn nach einer Weile dann doch wiedergefunden habe und, sicher und trocken, landen konnte.

Einer der beiden Gründe, warum wir der Drohne ihren Namen gaben, ist die Reverenz an meinen Fluglehrer (der zweite hat mit einer Narbe an meinen Fingern zu tun, aber das ist eine andere Sache). Und bei eben jenem Wolf habe ich gelernt, daß man erstmal die elementaren Flugmanöver beherrschen sollte, bevor man sich auf Überlandflug begibt. Wir werden es beherzigen und heute Mittag erstmal ein paar Platzrunden drehen. Damit wird Wolf (also die Drohne) dann mit 10.000 + x Füßen MSL höher geflogen sein als ich bisher.

 

 

Mauer durchbrochen

Wir konnten den Parkwächtern mit der Drohne entkommen und ein kleines Loch in die große Brandmauer reissen.

Wir präsentieren stolz unser erstes, noch ausbaufähiges Drohnenvideo aus dem Felsenwald in der Provinz Yunnan. 

 

 

Ziemlich beste Freunde – nicht!

Eine Bemerkung vorab: eigentlich waren für den heutigen Beitrag die Bilder aus Bangkok vorgesehen. Eigentlich. Leider sind die chinesischen Zensoren mit ihrer „Großen Brandmauer“ der Meinung, flickr könnte die konterrevolutionäre Subversion fördern. Daher hier der vorgezogene Text-Beitrag zu unserer ersten China-Etappe Kunming.

Viele Yodo-Beiträge beginnen mit den Worten „Flug, Einreise und Transfer waren unspektakulär“. Das gilt für diesen hier nur bedingt.

Der Flug war soweit zwar passabel, allerdings gab es einen (planmäßigen) „technical stopover“ in Chiangmei. Dazu mussten alle den Flieger mitsamt Handgepäck verlassen, eine ausführliche Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen, in der Wartehalle platznehmen, um kurz danach vor dem Wiedereinsteigen dann nochmal eine Sicherheitskontrolle zu passieren. Damit war unser Aufenthalt zu kurz, um die Vorteile unserer schwarzen Karte in Anspruch nehmen und unsere Liste eine weitere Lounge hinzufügen zu können. Apropos: die Lounge, in der wir in Bangkok auf unseren Abflug warteten, war diesmal wirklich erstklassig.

Außerdem waren beide Landungen nicht wirklich angenehm: irgendwie fühlten sie sich für mich zu schnell an (das könnte auch was mit der Elevation von über 6.000 Fuß zu tun haben) und bei der Ankunft in Kunming befürchtete ich, daß der Flieger beim Einbiegen in den Highspeed Turnoff umschnappt.

Die Einreise nach China war schnell und ohne Komplikationen über die Bühne gebracht.  Auch die Karten für den Transfer sahen garnicht so schlecht aus: seit einiger Zeit ist der Flughafen an das Metro-Netz angebunden, so daß man schnell und kostengünstig in die Innenstadt der Kleinstadt (für chinesische Verhältnisse: kaum 3 Millionen Einwohner) gelangt. Das allgegenwärtige Durchleuchten des Gepäcks nehmen wir mittlerweile gar nicht mehr wahr, ich schätze, daß wir das nach noch nicht mal 2 Wochen Reisen bestimmt schon über 100 Mal mitgemacht haben.

Doch diesmal war es anders. Die Kontrolleure waren mit irgendetwas in Birgits Rucksack sehr unzufrieden. Leider konnten sie uns nicht mitteilen, um was es sich dabei handelte. Daher war Auspacken angesagt. Schließlich stellte sich heraus, daß es eben jenes Messer war, daß wir erst Anfang des Jahres in Paris gekauft haben. Schon sein Vorgänger fiel einer Handgepäckkontrolle zum Opfer. Das war völlig in Ordnung und unsere eigene Schuld, aber für eine U-Bahn-Fahrt!? Bei der folgenden Diskussion (Birgit: „come on, we’re only german tourists“) bestätigte sich die asiatische Mentalität: sanft zur Person, hart in der Sache (soweit sich das über den Google-Übersetzer vermitteln ließ). Immerhin blieben wir zweiter Sieger und bekamen die 12 Yuan für das Ticket zurückerstattet.

Also war statt schneller U-Bahn bis direkt vor’s Hotel langsamer Bus (noch dazu 4x so teuer) und 3 Kilometer Fußmarsch mit vollem Traveller-Ornat  angesagt.

Auch das auf diese Weise schwer verdiente Ankunftsbier blieb uns verwehrt: die Minibar war leer, der Supermarkt im Haus wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Ein paar Straßen weiter gab es eine Carrefour-Filiale. Dort wurden wir, bevor wir enttäuscht beim Bierregal ankamen (es gab entweder West-Bier oder lokale Gebräue mit < 2,1%, beides ausschließlich in warm), in Mäandern durch die komplette Non-Food Etage mit Waschmitteln, Windeln und Schneeketten geführt. Wir haben’s nochmal geprüft: Abkürzungen oder einen direkten Zugang zur Lebensmittel-Etage gab’s nicht. Und ich dachte immer, Ikea wäre schlimm.

Ein herzlicher Empfang sieht anders aus. Im Gegenzug ist Kunming bis heute die einzige Stadt, in der wir 3 Tage Aufenthalt hatten und absolut nichts von der Stadt gesehen haben. Mehr dazu im nächsten Beitrag.