Nanking & Shanghai

Eine Woche nach Abreise aus China können wir diese Etappe nun auch Photo-mäßig „abhaken“

Nanking & Shanghai

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Zhangijiajie

Wie schon beim letzten Photo-Beitrag beklagt, ist uns das zauberhafte Licht vom Anfang unserer China-Reise leider nicht konsequent gefolgt. Deshalb mussten wir z.B. bei den Avatar-Mountains schon ordentlich auswählen und auch etwas tiefer in die Bearbeitungskiste greifen, um wenigstens ein paar herzeigbare Bilder vorweisen zu können. Natürlich wäre uns ein strahlend blauer Himmel viel lieber gewesen, aber: Wetter ist was man vorfindet, nicht was man erwartet!

Zhangijiajie

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Guilin

Photographieren bedeutet ja sowas wie „mit Licht zeichnen“. Im Umkehrschluss bedeutet das, daß, wenn das Licht schlecht ist, es auch mit dem Zeichnen nicht allzuweit her ist. Entsprechend ist unsere Ausbeute aus Guilin und Umgebung auch eher gering.

Guilin

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Lijiang

… und noch ein paar im Schweiße meines Angesichts hochgeladene Bilder …

Lijiang

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Shangri-La

wenn ich mich zwischen die Klo- und Eingangstür auf den Boden setze ist der WLAN-Empfang garnicht so schlecht. Das will ich doch gleich mal nutzen um unseren Rückstand bezüglich Bildern etwas zu verringern …

Shangr-La

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Reisetage/ Abschied

Der letzte Beitrag ist wohl schon eine ganze Weile her. Wie lange kann ich gerade nicht nachschauen, da der Internetzugang hier in unserem Serviced Appartement nicht funktioniert. Wenn ich mich aber recht erinnere, schrieb ich ihn beim Warten auf den Checkin und das Frühstück in der Lounge in Lijiang. Also will ich mal dort anknüpfen.

Oder ich mache es mir einfacher: der Inhalt der letzten Tage bestand aus früh aufstehen (<= 6 Uhr),  Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten, die allesamt mit mindestens einem Superlativ beschrieben werden können, Entrichten des ähnlich superlativ-verdächtigen Eintrittspreises und Frieren. 

Zu letzterem: obwohl wir wussten, daß unsere Reiseroute südlich des chinesischen Heizungsäquator verläuft, war uns nicht klar, daß das auch für Autos, Busse und Firstclass-Lounges gilt. 

Ausnahmen bildeten die Reisetage. Die bestanden aus früh aufstehen (<= 6 Uhr), Koffer packen, Auschecken, uns zum Bus-Terminal, Bahnhof oder Flughafen fahren lassen und einer anschließenden sehr langen, beengten Busfahrt, einer langen (zugegebenermaßen aber auch ziemlich komfortablen) Bahnfahrt oder einem mehrstündigen Flug in der Holzklasse. 

Gefroren haben wir auch an den Reisetagen eigentlich immer, einzig die Reibungswärme beim vom Fahrer über den Tisch gezogen werden, verschaffte uns etwas Linderung. 

Das mit den Reisetagen mag sich hier schlimmer anhören als es war. China ist nunmal ein riesiges Land und auch in Hawaii, wo wir das Gefühlt hatten, wir könnten zur nächsten Insel hinüberspucken, galt: ein Reisetag ist ein Reisetag! 

Die wirklich positive Überraschung beim Reisen hier ist: es funktioniert. Zum Beispiel die Strecke Guilin — Zhangjiajie. Hätten wir den gängigen Reiseplanungsplattformen geglaubt, wäre die einzige Möglichkeit, zwischen diesen beiden Städten zu reisen, ein  über 6.000$ teurer, 18-stündiger Flug mit 3-maligem Umstieg (ich glaube, einmal davon in Frankfurt am Main) gewesen. Eine fachkundige Beratung im Reisebureau scheiterte an der Sprachbarriere. Dann hat jedoch die deutschsprachige Reiseleitung vor Ort irgendwie herausgefunden, daß es eine Alternative Kombination aus Zug und Bus gibt, die uns in weniger als 14 Stunden und für ein paar Handvoll Euro an’s gewünschte Ziel bringt. Nachdem diese Hürde der Erkenntnis überwunden war (und Birgit die Zeichen für Zhangjiajie in ihr Notizheft abgepinnt hat), verlief der Rest einfacher als eine OEG-Fahrt von Großsachsen-Heddesheim nach Bobenheim-Roxheim (ich bin der festen Überzeugung, ein Chinese, Amerikaner, Italiener oder Norddeutscher könnte 100 Jahre in der Kurpfalz leben und würde das System von Groß-und Übergangswaben im Tarifgebiet des VRN nicht kapieren; ganz zu schweigen davon, daß er weder die 17,80 EUR in Münzen noch eine Geldkarte(TM) hätte, um das Ticket zu lösen).

Einfacher heißt allerdings nicht komfortabler: der Durchschnittschinese baut an Hüften und Schultern wesentlich schmaler als sein mitteleuropäisches Pendant, von meiner Person ganz zu schweigen. Wenn dann gegenüber noch eine opulente chinesische Mutti sitzt kann es durchaus vorkommen, daß es, über den Mittelgang hinweg, zur Backenberührung kommt.

Über die weiteren Details der Etappen, Attraktionen und Reiserouten der letzten Tage hat sich mein überaus emsiger Sidekick ja schon ebenso ausführlich wie brillant ausgelassen, so daß ich mir das ersparen kann, wofür ich gerade jetzt, da ich beim Warten auf die Waschmaschine den ersten Beijou (der hiesige Nationalschnaps, eine Mischung aus Dornkaat, Haarwuchsmittel und WD40 für umgerechnet 60 €-Cent / 100 ml) des Tages geleerte habe, nicht undankbar bin. (Memo an mich und Yodobasha: daß der Yodo-Blog  halbwegs für die Ewigkeit taugt, hat er in seinem mittlerweile 6. Jahr und der 3. Reloktaion bewiesen; bei den app-basierten Plattformen bin ich mir da nicht so sicher; wäre ernsthaft schade um die Beiträge!).

Jetzt befinden wir uns also im „langen Endteil“. Anfangs waren wir doch etwas enttäuscht, daß die Chinesen unser Visum auf 30 Tage beschränkten. Mittlerweile sind wir aber der festen Überzeugung, daß das keine behördliche Schikane ist, sondern einzig und allein dem Schutz der Reisenden dient. China ist sicher landschaftlich, kulturell und kulinarisch ein tolles Land, aber etwas mehr als 3 Wochen sind definitiv genug!

Angefangen haben wir unseren Abschied gestern mit der Etappe in Nanking, wo wir meinen Fliegerkameraden Daniel und seine Frau Claudia trafen, die es beruflich ins Land des Lächeln verschlagen hat. Ich denke, zur Tatsache, daß sie uns statt zum traditionellen Hotpot, in einen Burgerladen eingeladen haben, ist nichts weiter hinzuzufügen. Außer vielleicht noch ein Zitat von Daniel, das wir mehr als einmal zu hören bekamen (und auch einigermaßen nachvollziehen können): „Supermacht?!? — seh ich nicht!“. Oder noch einer Kleinigkeit: Claudia musste im Rahmen des Fach- und Führungskräfteaustauschs des internationalen Konzerns, für den die beiden arbeiten, ein Thema zur interkulturellen Verständigung ausarbeiten. Sie wählte „Rotzen und Rülpsen am Arbeitsplatz mögen Westler nicht so“.

Jetzt sitze ich in unserem Serviced Appartement in Shanghai, die Wäsche ist mittlerweile fertig und der zweite Beijou offen, das Internet tut immer noch nicht …

PS: in der Lounge in Lijiang gab es schließlich statt warmer Speisen, Bier und internationaler Spirituosen nur strohigen Grüntee, fermentierte Sojabohnen und sodbrandauslösende Kekse. Außerdem war es schwanzkalt, eine Heizung war zwar vorhanden, aber leider gerade kaputt. Dafür lieg ohrenbetäubend laut die chinesische Version von GZSZ. Well, that’s China!

  

The English is not the yellow from the egg

Manche lernen’s einfach nicht: wiedermal sitzen wir, in freudiger Erwartung eines Lounge-Frühstücks, viel zu früh mit knurrendem Magen an einem Flughafen und warten, daß unser Checkin-Schalter in 2 Stunden aufmacht.

Also machen wir aus der Not eine Tugend und nutzen die Zeit, um auf die vergangenen Tage hier in Lijiang zurückzublicken.

Lijiang wird im Reiseführer als wunderschöne Stadt beschrieben. Und tatsächlich hat die von Wasserläufen und Boxerbrücken durchzogene Altstadt durchaus ihre Reize. Aber: in den schmuck hergerichteten historischen Häusern reihen sich Schmuck- an Teeläden und diese wiederum an Reisebureaus und Shops, in denen Trommeln verkauft werden. Dazwischen findet sich ab und zu mal ein Futterstand, an dem präferiert mit Blüten gefüllte süße Teiglinge verkauft werden.

Das ganze erinnert stark an die dörfliche Idylle des Outlets in Roermond, allerdings muss man hier, im Gegensatz zu dort, 80 Rimbimbes Eintritt zur Erhaltung des Weltkulturerbes zahlen (um die wir uns 3 Tage lang erfolgreich gedrückt haben).

Das hält die Touristen aber nicht davon ab, sich in Massen durch die Gassen zu quetschen. Einzig in die Trommel-Läden, von denen es viele Dutzende gibt, verirrt sich selten einer. Dieses Bild hat sich uns ins Gedächtnis gebrannt: eine gelangweilte Verkäuferin schlägt mit einer Hand die Trommel zur immer gleichen Hintergrundmusik, während sie mit der anderen auf dem Handy spielt.

Apropos Handy: die Chinesen, besonders die Chinesinnen, scheinen 2 Dinge über alles zu lieben: ihr Handy und ihr eigenes Abbild. Der Selfiestick, der es bei uns allenfalls als „Deppenzepter“ zu einigem zweifelhaften Ruhm gebracht hat, ist hier allgegenwärtig. Neu für uns war, daß man damit auch telefonieren kann. Man muss nur laut genug schreien. Und wenn gerade nicht gebrüllt wird, wird fleißig der Selbstfotographie gefrönt.

Ich will versuchen, eine Schlüsselszene zu beschreiben: am Blauen Mondsee hockt eine junge Chinesin in historischem Gewand (das man überall für wenig Geld mieten kann) auf einem kippligen Stein im Wasser, bemüht sich, das Kleid so zu raffen, daß es nicht total durchnässt, balanciert den Selfiestick und versucht mit der freien Hand, ein paar Wassertropfen zwischen Linse und Duckface zu arrangieren. Man kann davon halten, was man will, aber das erfordert auf jeden Fall einiges an Körperbeherrschung.

Und wenn ausnahmsweise mal nicht telefoniert oder geselfiet wird, dann wird getippt. Gestern saß beim Abendessen eine junge Frau neben uns, die mit einem Handy an’s Ohr geklemmt (immerhin nicht am fernen Ende eines Selfiesticks) telefonierte, auf einem anderen tippte und sich von alledem nicht vom Essen abhalten ließ. Ich mutmaße mal, sie chattete mit ihrer Freundin gegenüber am Tisch, denn auch die war in’s Tippen vertieft.

Zurück zu Lijiang: die Stadt ist also durch und durch touristisch geprägt. Allerdings scheinen die Touristen zu 99,999+ % Inländer zu sein. Die Läden sind zwar alle in, mehr oder weniger fehlerfreiem, Englisch beschriftet, aber das ist eigentlich unnötig: der erfahrene Traveller erkennt einen Schmuck- oder Trommelladen nach einiger Zeit auch anhand der chinesischen Schriftzeichen. Oder noch einfacher daran, daß es dort Schmuck oder Trommeln (inkl. gelangweilter Verkäuferin mit Handy) gibt. Ansonsten entspricht die allgemeine Kenntnis der englischen Sprache dem Bedarf: ziemlich genau Null.

Normalerweise sind wir westlichen Reisenden es gewohnt, daß wir, zumindest in den Touristen-Hochburgen, den Nabel der Welt darstellen. Mittlerweile haben wir zwar schon durchaus mal die Erfahrung gemacht, daß wir nichtmal im Ansatz verstanden werden, aber das war dann weit abseits der „ausgetretenen Pfade“ (z.B. bei den Bauern im vietnamesischen Hochland).

Hier hingegen wird, ohne weiteres Nachdenken, unterstellt, daß man Chinesisch könne. Wenn wir etwas nicht verstehen, wird es einmal etwas lauter und nachdrücklicher wiederholt. Wenn wir es dann immer noch nicht kapieren, ist das ausschließlich unser Problem, nicht das des Gegenübers. Schließlich braucht der Taxler nur eine Minute auf den nächsten Fahrgast, der seine Sprache spricht, zu warten und das Restaurant wird den Tisch schnell mit jemandem besetzen, der die Speisekarte lesen kann.

Diese Verhalten war für uns neu und auch ziemlich befremdlich, als ich mir dann aber überlegt habe, wie ein Chinese (oder auch ein Amerikaner, Italiener oder Norddeutscher) sich beim Bestellen im Kupferkessel in Waging am See fühlen muss, kam mir der Gedanke, daß wir uns erstmal an die eigene (lange) Nase fassen sollten.