New York, Rio, Tokio

nach nur einem Tag verlassen wir Rio heute schon wieder. Wiedermal sitzen wir in einem Bus, allerdings haben wir heute nur einen Mini-Trip von ca. 5 Stunden vor uns. Ziel ist Paraty, wo wir zum Abschluss noch ein paar relaxte Rage am Meer verbringen wollen. Wie schon so oft möchte ich diese „Totzeit“ zur Erfüllung meiner Chronistenpflicht nutzen und die Geschehnisse der letzten Tage zusammenfassen.

Unser Flug von Iguassu nach Rio ging erst um 3 Uhr mittags, so dass uns (vermeintlich) noch genug Zeit blieb, einen weiteren Superlativ zu unserer Liste hinzuzufügen: Itaipu, das größte Wasserkraftwerk der Welt. Die Iguassu-Superlative sind übrigens beide umstritten: die Victoria-Fälle sind höher, aber schmaler. Dafür haben sie aber eine ununterbrochene Kante. Und die installierte Leistung des Kraftwerks am 3-Schluchten-Damm ist höher, wegen des wechselnden Wasserstands dort ist aber die Jahres-Energie in Itaipu größer.

Normalerweise vermeide ich es ja tunlichst, etwas hier aufzuführen, was der geneigte Leser einfach auf Wikipedia nachlesen kann, aber diese Zahlen haben mich doch einigermaßen beeindruckt: zum einen rauschen bei Volllast-Betrieb durch nur 2 (der 20) Turbinen soviel Wasser wie durch die nahegelegenen Wasserfälle (nämlich je Turbine  700 Kubikmeter je Sekunde). Zum anderen liegt die Jahres-Energieausschüttung bei 95 tWh. Zum Vergleich liegt die des größten Atomreaktors bei gerademal 12,5 tWh (Quelle: Touristenführer & Wikipedia).

So richtig genießen konnten wir die Führung allerdings nicht, da uns die Zeit dabei förmlich durch die Finger rann. Irgendwie haben wir es aber doch noch pünktlich zum Flughafen geschafft. Der Flug nach Rio verlief „butterweich“. Dort angekommen dauerte die  Busfahrt zum Hotel genau solange wie der Flug. „Hotel“ ist etwas übertrieben, eigentlich befand sich unser Zimmer in einer Privatwohnung. Ich dachte, wir hätten mit diesem Thema  in Bolivien abgeschlossen, hier mussten wir seither das erste Mal wieder unser Klopapier in einen Eimer werfen. Apropos Klo: das Bad mussten wir uns zwar mit Frau Wirtin und den anderen Gästen teilen, aber immerhin hatten wir in privates Klo. Es befremdete uns allerdings etwas, dass sich dieses mitten im Zimmer befand und nur durch einen Paravent abgetrennt war.

Rio ist die Stadt der langen Wege. Das liegt zum einen an der Größe der Stadt, hauptsächlich aber am dauernden Stau, die den Bussen das Vorankommen erschweren bis unmöglich machen. Und das zur WM 2014 geplante U-Bahn-Netz wird gerade gebaut, was den Verkehr auch nicht gerade beschleunigt.

Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum wir gestern nur eine einzige Sehenswürdigkeit von unserer Liste abhaken konnten: die gewaltige „Christus-Erlöser“ Statue. Die Busfahrt dorthin dauerte fast 2 Stunden. Über die Brasilianer kann ich folgende 2 Aussagen treffen: die meisten sind unheimlich hilfsbereit und sprechen sogar leidlich gut Englisch. Das erwähne ich an dieser Stelle, weil es uns bei dieser Busfahrt bereits das 3. Mal passiert ist, dass uns ein Einheimischer gesagt hat, wo wir ausstiegen müssen … und das, ohne das er uns nach unserem Wunsch-Ziel gefragt hätte!

Unser Abendessen haben wir in einem Kilo-Restaurant eingenommen, ich hatte 1015 Gramm, Birgit 768, wir zusammen dann nochmal 217 Gramm Nachtisch.

Eben vor der Busfahrt fühlte ich mich dann wieder in die Ecuador-/ Peru- und Bolivien-Zeit zurückversetzt. An einem (wahrscheinlich illegalen, auf jeden Fall aber billigen) Essenstand gegenüber dem Busbahnhof (noch ein Superlativ: dem größten der Welt) hatten wir Reis, Nudel, Bohnen und Fleisch. Ich fand das toll, Birgit konnte es nicht so recht genießen. Ob das ob der Sorge um unser Gepäck oder an der schwarzen,  stinkenden, blubbernden Kloake neben uns lag, werde ich, sobald ich diesen Satz beendet habe, herausfinden.

PS: mittlerweile sind wir in unserem Tropen-Paradies angekommen. Wir liegen in den Hängematten, trinken ein kühles Bierchen und lauschen den Zikaden, die hier so laut wie ein Presslufthammer sind. Es war übrigens nicht die Sorge um’s Gepäck, das hatten wir ja mit unserem Stahlseil ordentlich gesichert.

Déjà vue, bloss ein bisschen anders

Jetzt sind wir in Brasilien, dem letzten Land unserer Reise. Weit sind wir allerdings nicht gekommen, nur ein paar Kilometer über den Rio Iguassu von Iguazu nach Iguassu. Der Grenzübertritt war trotzdem nicht ohne. Die Formalitäten waren zwar auf beiden Seiten kaum der Rede Wert (Birgit bekam ihr Einreisedokument sogar von der freundlichen Grenzerin ausgefüllt), aber der Busfahrer hat uns mal wieder im Niemandsland ausgesetzt. Normalerweise hätte uns 20 Minuten später der nächste Bus auflesen sollen, aber da Sonntag/ Ferien/ extrem heiß oder sonst irgendwas war, fiel der heute wohl aus. So mussten wir mal wieder über 2 Stunden unter dem stechenden Planeten harren. Ein aufdringlicher Taxler bot uns an, uns für 40 US-$ an unser Ziel zu bringen. Angesichts der Tatsache, dass die Busfahrt nur etwas über einen Euro kostete, entschieden wir uns dann aber doch für’s Warten.

Glücklich am Ziel angekommen gab es dann erstmal Essen, nämlich ein AYCE-Buffett brasilianischer Art. Dabei habe ich dem, am Spieß vorbeilaufenden, Fleisch dermaßen zugesprochen, dass ich den Rest des Tages in schmerz-gebückter Haltung verbringen musste.

Das sollte uns aber nicht von unserem Haupt-Tagesordnungspunkt, dem Besuch der Wasserfälle, abhalten. Ja, es sind tatsächlich die gleichen Wasserfälle wie gestern, nur heute von der anderen Seite. Von dort ist man etwas weiter weg und gewinnt so einen besseren Überblick über dieses „Naturwunder“ (siehe Bilder).

Atemberaubend!

32 Grad, relative Luftfeuchtigkeit 78%, aber das meinen wir nicht mit der Tages-Überschrift. Angeblich lösen Wasserfälle durch die negativen Ionen, die dort en Masse rumschwirren, Glücksgefühle aus. Nun, das können wir zumindest nicht widerlegen. Schaut Euch einfach die Bilder an, die sprechen für sich.

Ist nicht ganz unser Tag heute …

Der erste Inlands-Flug, den wir uns geleistet haben, hatte mal eben 4 1/2 Stündchen Verspätung. Dafür wissen wir jetzt aber auch, was Luftlöcher sind. Das ist nämlich nicht etwa das leichte Rumpeln, wie wenn man über einen Feldweg fährt, das ist, wenn einem im freien Fall das Hirn aus dem Schädel springen möchte und es rundherum nach frischem, noch warmem Erbrochenen riecht. Wie durch ein Wunder sind wir trotzdem am Stück und unbefleckt wieder am Boden angekommen. Als nächstes war dann unser zentral gelegenes Hostal, das wir gestern gebucht haben, überbelegt und wir wurden in eine ziemlich schäbige Absteige weit weg vom Schuss umquartiert.
Auf diese Schrecken brauche ich jetzt erstmal das eine (und auch das andere) Bierchen, heute Abend eine deftige Fleischplatte und die Hoffnung, dass es morgen besser wird.

PS: wir sind jetzt übrigens in Iguasu bei den Wasserfällen, die wir morgen besichtigen werden. Sonntag geht’s dann weiter auf die brasilianische Seite nach Iguacu und Montag von dort aus an den Zuckerhut zu den Strandschönheiten