Nachklapp

So, mittlerweile wissen wir alle, dass die Welt nicht untergegangen ist. Und das ist auch gut so! Nachdem wir jetzt schon über eine Woche wieder im Land sind, wird es Zeit, dieses Reisetagebuch mit ein paar abschließenden Worten „abzurunden“. Also nochmal zurück nach Rio: wir waren, wider Erwarten, bei der Beschaffung der Mitbringsel/ Weihnachtsgeschenke einigermaßen erfolgreich. Allerdings schlug die zusätzliche Tasche, die wir für den Transport anschaffen mussten, mit 70 Dollar zu Buche. Nicht etwa, dass sie so viel gekostet hätte, das war der Aufpreis für das zusätzliche Gepäckstück (erlaubt ist nur eines je Person). Dabei hatten wir noch Glück, da wir die Tickets schon im März gebucht hatten, bleib es bei den 70$, hätten wir ab Juni gebucht, wären sogar 200$ aufgerufen gewesen (in diesem Fall hätten wir einen Großteil der Geschenke wohl in einem Airport-Mülleimer versenkt).

Als letzte Aktion haben wir  am Abreise-Tag dann noch den Zuckerhut bestiegen (korrekterweise eher beseilbahnt), war aber eher unspektakulär. Auf der anderen Seite: Rio ohne Zuckerhut, das geht ja mal garnicht!.

Als krönender Abschluss stellten wir dann vorgestern fest, dass Birgits Kreditkarte gesperrt ist. Ein Anruf bei der Gesellschaft brachte Klarheit: Karte & Pin wurden an irgendeinem Automaten in Rio ausgelesen und kopiert. Wären die Gauner nicht so gierig gewesen und hätten zwischen den Abhebungen etwas mehr Zeit als 30 Sekunden vergehen lassen, wäre die Karte vielleicht auch nicht nach der ersten Abhebung automatisch gesperrt worden. So hält sich der Schaden mit 500 Real, etwa 180 Eu, noch einigermaßen in Grenzen. Und das, obwohl wir, vor allem Birgit, jeden Geldautomaten vor Benutzung peinlich genau auf sichtbare Manipulationen untersucht hat.

Passend zu diesem Thema hier abschließend unsere GuV-Rechnung:

  • Kopflampe (Aldi, <10EUR): geklaut!
  • externe Festplatte mit Fotos: geklaut!
  • mein Panama-Hut: verloren
  • 50 US-$ in bar: geklaut!
  • SD-Karte aus Kamera: verloren
  • Kreditkarten-Daten + 50 Real: geklaut!
  • einmalige Erfahrungen: gewonnen!

 

Nachtrag zu Paraty

Irgendwie konnte ich diese Information nicht mehr in den Fluss des vorangegangenen Beitrags einweben, aber bevor sich der eine oder andere aufmerksame Leser über die Diskrepanz zwischen Beitrag und Bilder wundert: just eine Stunde, bevor unser Horrortrip nach Rio starten sollte, riss die Wolkendecke auf und brachte einen strahlend blauen Himmel zum Vorschein. Für uns hieß das natürlich: Kamera nochmal auspacken und die Motive, die wir schon 20 Mal bei Regen abgelichtet hatten, jetzt ein 21. Mal vor himmlisch blauem Hintergrund verewigen.

Live von der Zielgerade

Mittlerweile sind wir schon wieder seit 2 Tagen in Rio. Wir sitzen gerade beim, für hiesige Verhältnisse ganz ordentlichen, Frühstück und ich frage mich zum wiederholten Mal, warum man in einem Land, in dem die Orangen am Straßenrand wachsen, den Frühstückssaft aus einem vollsynthetischen Pulver anrühren muss? Die gleiche Erfahrung haben wir auch schon in Spanien, Italien, Südfrankreich und Thailand gemacht.

Nochmal zurück nach Paraty. Während unserer Woche dort hatten wir einen treuen Begleiter: den Regen. Irgendwie waren wir aber beide so reisemüde, dass wir es trotzdem nicht gepackt haben, weiterzuziehen. Damit bestand unsere Haupttätigkeit aus den 3 L: lange schlafen, lesen, lungern. Höhepunkt unserer Aktivität war eine Bootstour in einer ziemlich maroden Nussschale. Zu meiner großen Enttäuschung hatte der Knabe, der uns als der Kapitän vorgestellt wurde, weder eine Mütze noch ein weißes Hemd an. Um genau zu sein hatte er gar kein Hemd an. Immerhin habe ich während dieser Fahrt durchaus noch etwas gelernt, nämlich, dass man sich auch an einem bewölkt-verregneten Tag einen rustikalen Sonnenbrand holen kann.

Auch wenn das Böötchen, wie gesagt, definitiv schon bessere Zeiten gesehen hat (und damit meine ich nicht das Wetter), hatte ich doch zu keinem Zeitpunkt Angst um Leib und Leben. Die stellte sich erst auf der Fahrt zurück nach Rio ein: der Fahrer schien ein glücklicher Gewinner der legendären Führerschein-Lotterie gewesen zu sein, außerdem verfügte der Ford Transit weder über funktionierende Bremsen noch einen Tacho. Letzteres führte dazu, dass das Gefährt bei jeder Radarfalle (Limit: 60 km/h) unter vollem körperlichen Einsatz des Fahrers und den verbliebenen 4% Bremskraft auf Schrittgeschwindigkeit verlangsamt wurde, nur um sofort danach wieder mit Vollgas auf eine Geschwindigkeit gefühlt knapp unterhalb der Schallmauer zu beschleunigen. Ich habe weder bei stürmischer See noch turbulenter Luft auch nur einen Gedanken an’s Kotzen verschwendet, während dieser Fahrt war ich aber ganz kurz davor.

Verhindert wurde das wahrscheinlich nur dadurch, dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Als sich nach der Ankunft in Rio (hurra, wir leben noch!) die erste Übelkeit gelegt hatte, stillten wir den angesparten Hunger im, laut Reiseführer, besten Fleisch-Restaurant der Stadt. So stellt man sich den kulinarischen Himmel vor: bestes Fleisch wird sozusagen am laufenden Band serviert, dazu erlesene Beilagen und ein Sushi-Buffett, das so auch in Tokyo durchgehen würde. Neben uns wurden 2 schwergewichtige Amerikaner platziert, die köstlich zu unserer Unterhaltung beitrugen (wenn auch auf Kosten des armen Kellners): wiederholt liessen sie die leckersten Stücke mit der Begründung zurückgehen, es sei nicht „rare“ genug, und das, ohne auch nur probiert zu haben.

Gestern habe ich mit den meterhohen Wellen an der Copacabana gekämpft, leider bin ich nur zweiter Sieger geworden. Heute Nacht konnte ich nicht entscheiden, was unangenehmer ist: die Schmerzen im Nacken, die am Rücken, der durch das Schlucken von Kubikmetern Salzwasser gestörte Elektrolyt-Haushalt oder die Tonnen Sand, die es mir in jede Körperöffnung gespült hat. War trotzdem ’ne mords Gaudi.

So, wenn die Welt morgen untergeht wird dies wohl der letzte Eintrag in diesem Blog sein (deshalb: unbedingt heute noch lesen!). Aber auch wenn nicht geht unser Trip langsam aber sicher seinem Ende entgegen. Die beiden uns noch verbleibenden Tage werden wir mit dem unangenehmsten Teil der Reise, dem Besorgen der Mitbringsel, verbringen. Vielleicht warten wir aber auch aggressiv ab, wie sich die Sache mit dem Weltuntergang entwickelt. Im Zweifelsfall haben wir ja schon einige Erfahrung darin, die Souvenirs im Flughafen-Shop zu erwerben.

Im Westen nichts Neues

Wir sitzen in unserem neuen Hostal hier in Paraty und es regnet … mal wieder oder besser: immer noch! Eigentlich hatten wir ja noch Sao Paolo auf unserer Liste, zumindest um unserer Aufzählung der Superlative einen weiteren Punkt hinzuzufügen: das ist nämlich die größte Stadt der südlichen Hemisphäre (ein anderer wäre, dass es als eine der gefährlichsten Städte des Planeten gilt). Aber irgendwie hat uns das verregnete, grau-trübe Paraty in seinen Bann gezogen. Oder ist es der verschärfte Lunger-Modus, in dem wir uns seit 3 Tagen befinden? Wie dem auch sei, auf jeden Fall haben wir beschlossen, unseren Aufenthalt hier um weitere 3 Nächte zu verlängern. Wahrscheinlich haben wir das aber nur gemacht, um wenigstens ein einziges Photo dieser Stadt, die Weltkulturerbe und, laut Reiseführer, die pittoreskeste im ganzen Land ist (JUHU, noch ein Superlativ!), mit strahlend blauem Himmel zu knipsen.

Da die Pousada, in der wie die letzten 3 Tage, wenn man vom dauernden Schärren/ Föhnen der Schnakenstiche absieht, äußerst entspannt verbracht haben, ab heute ausgebucht war, mussten wir in eine zentral gelegene, aber ziemlich laute Herberge umziehen. Hier sitzen wir jetzt bei einem lecker Caipi und warten, dass der Grill endlich angeschmissen wird: heute ist AYCE-Abend!

PS: mit dem Veröffentlichen von Bildern warten wir noch etwas (s.o.), denn bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt, auch wenn die Wetter-App uns nix gutes prophezeit.

PPS: zum einen scheint es hier technisch unmöglich, ein Artikelbild hochzuladen, zum anderen haben wir eh noch keine ansprechenden Bilder ==> das wird wohl unser erster Beitrag ohne eigenes Bild :((

PPPS: jetzt haben wir schon bald 2 Stunden gewartet und noch ein paar Caipis geleert, der Grill ist immer noch aus :(((

New York, Rio, Tokio

nach nur einem Tag verlassen wir Rio heute schon wieder. Wiedermal sitzen wir in einem Bus, allerdings haben wir heute nur einen Mini-Trip von ca. 5 Stunden vor uns. Ziel ist Paraty, wo wir zum Abschluss noch ein paar relaxte Rage am Meer verbringen wollen. Wie schon so oft möchte ich diese „Totzeit“ zur Erfüllung meiner Chronistenpflicht nutzen und die Geschehnisse der letzten Tage zusammenfassen.

Unser Flug von Iguassu nach Rio ging erst um 3 Uhr mittags, so dass uns (vermeintlich) noch genug Zeit blieb, einen weiteren Superlativ zu unserer Liste hinzuzufügen: Itaipu, das größte Wasserkraftwerk der Welt. Die Iguassu-Superlative sind übrigens beide umstritten: die Victoria-Fälle sind höher, aber schmaler. Dafür haben sie aber eine ununterbrochene Kante. Und die installierte Leistung des Kraftwerks am 3-Schluchten-Damm ist höher, wegen des wechselnden Wasserstands dort ist aber die Jahres-Energie in Itaipu größer.

Normalerweise vermeide ich es ja tunlichst, etwas hier aufzuführen, was der geneigte Leser einfach auf Wikipedia nachlesen kann, aber diese Zahlen haben mich doch einigermaßen beeindruckt: zum einen rauschen bei Volllast-Betrieb durch nur 2 (der 20) Turbinen soviel Wasser wie durch die nahegelegenen Wasserfälle (nämlich je Turbine  700 Kubikmeter je Sekunde). Zum anderen liegt die Jahres-Energieausschüttung bei 95 tWh. Zum Vergleich liegt die des größten Atomreaktors bei gerademal 12,5 tWh (Quelle: Touristenführer & Wikipedia).

So richtig genießen konnten wir die Führung allerdings nicht, da uns die Zeit dabei förmlich durch die Finger rann. Irgendwie haben wir es aber doch noch pünktlich zum Flughafen geschafft. Der Flug nach Rio verlief „butterweich“. Dort angekommen dauerte die  Busfahrt zum Hotel genau solange wie der Flug. „Hotel“ ist etwas übertrieben, eigentlich befand sich unser Zimmer in einer Privatwohnung. Ich dachte, wir hätten mit diesem Thema  in Bolivien abgeschlossen, hier mussten wir seither das erste Mal wieder unser Klopapier in einen Eimer werfen. Apropos Klo: das Bad mussten wir uns zwar mit Frau Wirtin und den anderen Gästen teilen, aber immerhin hatten wir in privates Klo. Es befremdete uns allerdings etwas, dass sich dieses mitten im Zimmer befand und nur durch einen Paravent abgetrennt war.

Rio ist die Stadt der langen Wege. Das liegt zum einen an der Größe der Stadt, hauptsächlich aber am dauernden Stau, die den Bussen das Vorankommen erschweren bis unmöglich machen. Und das zur WM 2014 geplante U-Bahn-Netz wird gerade gebaut, was den Verkehr auch nicht gerade beschleunigt.

Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum wir gestern nur eine einzige Sehenswürdigkeit von unserer Liste abhaken konnten: die gewaltige „Christus-Erlöser“ Statue. Die Busfahrt dorthin dauerte fast 2 Stunden. Über die Brasilianer kann ich folgende 2 Aussagen treffen: die meisten sind unheimlich hilfsbereit und sprechen sogar leidlich gut Englisch. Das erwähne ich an dieser Stelle, weil es uns bei dieser Busfahrt bereits das 3. Mal passiert ist, dass uns ein Einheimischer gesagt hat, wo wir ausstiegen müssen … und das, ohne das er uns nach unserem Wunsch-Ziel gefragt hätte!

Unser Abendessen haben wir in einem Kilo-Restaurant eingenommen, ich hatte 1015 Gramm, Birgit 768, wir zusammen dann nochmal 217 Gramm Nachtisch.

Eben vor der Busfahrt fühlte ich mich dann wieder in die Ecuador-/ Peru- und Bolivien-Zeit zurückversetzt. An einem (wahrscheinlich illegalen, auf jeden Fall aber billigen) Essenstand gegenüber dem Busbahnhof (noch ein Superlativ: dem größten der Welt) hatten wir Reis, Nudel, Bohnen und Fleisch. Ich fand das toll, Birgit konnte es nicht so recht genießen. Ob das ob der Sorge um unser Gepäck oder an der schwarzen,  stinkenden, blubbernden Kloake neben uns lag, werde ich, sobald ich diesen Satz beendet habe, herausfinden.

PS: mittlerweile sind wir in unserem Tropen-Paradies angekommen. Wir liegen in den Hängematten, trinken ein kühles Bierchen und lauschen den Zikaden, die hier so laut wie ein Presslufthammer sind. Es war übrigens nicht die Sorge um’s Gepäck, das hatten wir ja mit unserem Stahlseil ordentlich gesichert.