Reise, Reise

Über den Unterschied zwischen Touristen und Travellern  habe ich mich in diesem Blog ja bereits mehrfach ausgelassen. Was mir jedoch erst (oder wieder?) jetzt klar geworden ist, ist der Unterschied zwischen einem Urlaub und einer Reise. Reisen impliziert Abenteuer, Unwägbarkeiten und Strapazen.

Daran gemessen waren unsere Aufenthalte in Malaysia, Süd-Korea und China, und sogar große Teile unserer „Weltreise“ ziemlich eindeutig Urlaube. Ok, auch hier in Laos mag sich der Aspekt der Abenteuer und Unwägbarkeiten in überschaubaren Grenzen halten, zumindest die Strapazen haben definitiv das Prädikat „Reise“ verdient.

Die hier beschriebene Fahrt von Viang Veng nach Pakxe, 800km durch Laos, war eine der strapaziösesten (und bisweilen auch eine der abenteuerlichsten), die wir bisher unternommen haben. Das beste vorweg: Birgits rein pflanzliche Medikamente haben meine Verdauung wieder soweit auf Vordermann gebracht, daß ich weder die angekündigte Immodium-Infusion noch Windeln benötigt habe, um die 24-Stunden-Tour (davon 13 am Stück) zu überstehen.

Los ging’s gestern Morgen mit dem Minivan in die Hauptstadt Vientiane. Der Wagen war, für hiesige Verhältnisse, optimal ausgelastet (in Südamerika hätte man da sicher noch ein paar Leute auf Schößen oder Plastikhöckerchen untergebracht). Wir hatten das Glück, vorne sitzen zu dürfen. Glück war das Hauptsächlich für mich, Birgit musste auf einem Notsitz in der Mitte Platz nehmen, der eigentlich nur ein Kissen direkt über dem Motorblock war. So richtig bequem wäre mein Platz allerdings auch nur gewesen, wenn ich nicht unsere Rucksäcke zwischen und auf den Beinen gehabt hätte. Was soll’s, bei uns sagt man: „lieber schlecht g’fahre als gut geloffe“.

In der Hauptstadt hatten wir dann 6 Stunden Zeit, uns die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Die Top-Empfehlung des Reiseführers, Laos‘ größte Fabrik für Prothesen (kein Witz!), lag leider zu weit außerhalb, so daß wir diese Attraktion leider auslassen mussten. Auch ansonsten konnten wir der Stadt nicht viel (besser: gar nichts) abgewinnen. Ok, gar nichts mag dann doch etwas übertrieben sein. immerhin hatten wir in einer französischen Bäckerei ein leckeres belegtes Baguette. Außerdem konnten wir in der Agentur, in dem wir unsere Tickets für die Weiterfahrt gebucht haben, unser Gepäck abstellen, Zuflucht vor dem stechenden Planeten nehmen und es gab kühles Bier und Internet. Kurz kam uns der Gedanke, ob das wohl auch in einem deutschen Reisebureau möglich wäre …

Um den Rest der Fahrt zu beschreiben, erlaube ich mir, Birgits Minutenprotokoll unverändert und unkommentiert hier wiederzugeben:

18 Treffpunkt sm Hostel

18:30 Grosses Tuktuk ährt über Umwege zum Busbahnhof

19:30 Abfahrt mit dem Seelenverkäufer leider ohne einen 1 und 3 Gang. Fahren an der Autobahnauffahrt vorbei. Wohl wegen des Mindestempos von 40kmh

20:05 Bus möchte wenden, allerdings geht der Rückwärtsgang nicht. Stehen jetzt quer auf der Strasse

20:16 Juhu, der Bus kann durch manuelle Nacharbeit wieder rückwärts fahren. Auch der 1. geht wieder. Allerdings der 2. wohl nicht mehr. 

20:18 Sind jetzt beim Südbahnhof. 

20:40 Es geht weiter. Da aber der Rückwärtsgang nicht geht musste erst noch ein anderer Bus weg. Dann geht es mit voller Kraft im 1. Gang voraus. 

21:56 Der ???? steht mal wieder. Warum auch immer .. Ist jetzt der 1. Gang auch weg?

22:06 Der ???? fährt wieder. 1., 2., 3., 4. wow. Wir übersteigen die 50kmh

22:25 Der ???? Brettert über die Landstraße. Er hat wohl etwas Zeitnot

23:57 Stopp bei ein er ?Raststättte

02:15 Nächster Stop. ? Raststätte 

02:38?stopp

4:11 stopp weiter mit um die 55 km/h

4:21 Irgendwo im Nirgendwo

4:26 wieder ein Gang gefunden, ich habe Rücken

5:51 Gang mal wieder raus, 

6:03 Gang fast drin. Es reicht für den 2ten. Weiter geht es. 

6:15 Es riecht verbrannt. – Der Reifen ist wohl nicht nur platt. Immerhin haben sie noch einen. Mal sehen, ob der passt. 

Nach dem letzten Eintrag ging die Fahrt dann noch 3 Stunden weiter, die Birgit aber nutzte, um ein paar Minuten die Augen zu schließen. Allerdings verlief dieser Teil der Fahrt auch weitestgehend unspektakulär, wenn man davon absieht, dass der Bus noch kurz vor der Endstation seine Dach-Klimaanlage verlor.

weiblich, ledig, deutsch …

… daß das die Attribute eines Großteils der Traveller in SOA sind, haben wir bereits auf der 2014er Reise gelernt. Im Wesentlichen ist das hier in Laos auch nicht anders, doch während wir seinerzeit vorwiegend auf Abiturientinnen und Stundentinnen getroffen sind, scheinen nicht wenige der Frauen hier auf Abschiedstournee zu sein. 

In Luang Prabang galt das oben gesagte in verschärftem Maße. Unser Frühstück mit selbst gemachter Marmelade und deutschem Müsli nahmen wir gemeinsam mit einer Mitt-20erin, einer mitt-50-erin (die die Region für 1/2 Jahr bereist, und das hauptsächlich per Mountainbike und Motorrad) und einer Mitt-70erin (die kein Problem damit hatte, sich an eine Zip-Line hängen zu lassen) ein. 

Hier, auf unserer nächsten Etappe in Vang Vieng, findet man zwar auch noch die eine oder andere Best-Agerin, insgesamt spricht der Ort aber eher das jüngere Publikum an. So er denn überhaupt irgendein Publikum anspricht. Bis vor kurzem hatte VV den Ruf, der (verschärfte) Ballermann Südostasiens zu sein. Die Touristen ließen sich in Traktorreifen (bzw. derer Schläuche) den Fluß hinab treiben und steuerten regelmäßig schwimmende Bars an, um dort den einen oder anderen Eimer Whiskey oder eine   mit psychoaktiven Kräutern gewürzte Pizza zu konsumieren. Damit die Kultur auf diesem Trip nicht zu kurz kommt, wurden natürlich auch die auf dem Weg liegenden Tempel besucht. Aus irgendeinem Grund hatte wohl ein Großteil der Einheimischen gewisse Probleme mit den (naturgemäß während des Badespaß‘) knapp bekleideten und auch nicht immer ganz nüchternen, höflichen und respektvollen Besuchern. Als Konsequenz daraus wurde diese Einnahmequelle trockengelegt. Allerdings ist man mit dem Erschließen der nächsten (DINKs, Familien, Best-Agerinnen, Abenteuer- und Öko-Touristen) noch nicht wirklich weit gekommen. 

So macht Vang Vieng einen komisch undefinierten Eindruck auf uns: überdimensionierte Clubs, aus denen ohrenbetäubende Musik tönt (und in denen sich die Bediensteten hauptsächlich mit ihrem Handy beschäftigen), große Hotel-Komplexe, von denen nicht klar ist, ob sie gerade auf- oder abgebaut werden, hunderte Tour-Agenturen, die alle das gleiche Programm anbieten (Rafting, Hiking, Caving), und, besonders bitter für uns: nicht ein einziges ordentliches Restaurant! Das kulinarische Angebot beschränkt sich im Wesentlichen auf Pizza (mittlerweile ohne „Herbs“), Burger und Pfannkuchen. Top-Empfehlungen des Lonley Planet Reiseführers sind ein irisches Pub und eine deutsche Wirtschaft.

Wobei ich zugeben muss, daß mein Appetit aktuell sowieso (mal wieder) etwas eingeschränkt ist: ich hätte wohl doch die Finger von den, den ganzen Tag in der Sonne vor sich hin gärenden, Hühnerköpfen und -Krallen lassen sollen :(

Morgen geht’s dann mit dem Minivan zunächst in die Hauptstadt Vientiane (Fahrzeit 3 bis 4 Stunden), dort gönnen wir uns ein paar Stunden Aufenthalt, um alle Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuklappern, danach nehmen wir den Nachtbus (12 Stunden) nach Pakxe im Süden des Landes. Ich lege mir am besten direkt eine Immodium-Infusion an. 

Luang Prabang

Luang Prabang

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Der Vergaser, die Einspritzung, oder doch der Anlasser?

Die meisten Sprachen sind nach ihren Ländern benannt (Französisch nach Frankreich, Englisch nach England, Spanisch nach Spanien und so weiter). Deutschland ist das einzige (mir bekannte) Land, das nach seiner Sprache benannt ist. Hier hingegen kann ich mich nichts des Verdachts erwehren, das Land sei nach seinem Nationalgetränk benannt: Beerlao. Und genau bei so einem (ok, mittlerweile zweien) sitze ich jetzt hier in der prallen Mittagssonne und habe, nachdem ich mich mit gebratenem Dünndarm gestärkt habe, keine Ausrede mehr, den Yodo-Blog nicht wiederzubeleben.

Um genau zu sein, wäre ich sogar noch in der Pflicht, die Buchstaben I, O und U mit Inhalt zu füllen. Das mir unser China-Aufenthalt mittlerweile wie aus einem anderen Leben vorkommt, wird diese schmerzliche Lücke wohl auf ewig bleiben.

Von außen betrachtet mag der zeitliche Abstand zwischen unseren Reisen nicht so furchtbar lang gewesen sein, dazwischen lagen aber bei uns beiden anspruchsvolle und aufreibende Projekte, so dass wir förmlich auf dem Zahnfleisch, nachdem die letzten Mails geschrieben und die letzten Telefonate getätigt waren, die Handys direkt auf Flug-Modus schalteten. Entsprechend schlecht vorbereitet war die Reise. Wahrscheinlich ist dem geneigten Yodo-Leser auch längst aufgefallen, dass dies der erste Eintrag ohne jegliche Vorankündigung ist.

Heute ist also unser dritter Tag in Luang Prabang, einer der Touristen- (und Traveller-) Hochburgen Laos‘. Heute Morgen haben wir eine Flussfahrt auf dem Mekong, der Lebensader Indochinas, gemacht. Mit uns an Bord waren 2 mittelalte, sehr deutsche Touroristen. Die haben ein so überhebliches Verhalten an den Tag gelegt, dass wir vor lauter Fremdscham untereinander nur noch Englisch gesprochen haben. Die Fahrt führte in ein Dorf, in dem auf althergebrachte Art  Tuch gewebt und Whiskey destilliert wird. Letzterer wird, so ist’s hier wohl der Brauch, noch mit allerlei toten Schlangen, Echsen und anderem Getier verbrämt. Das ganze ist natürlich garantiert 100% authentisch und gar kein klitzekleines Bisschen „gemacht“.

Nach dem (erfreulich knapp bemessenem) Aufenthalt in der Laos Weaving & Whiskey Village ging’s dann weiter zu 2 Karst-Höhlen, in denen der Namenspate dieses Blogs seine Künste demonstrieren durfte.Das eigentlich bemerkenswerte an der Tour war aber weder das Dorf noch die Höhlen, sondern die Fahrt an und für sich. Wir waren uns nicht einig, ob unser Käpt’n das Longboat geklaut hat, oder ob das Geld schlicht nicht mehr für einen Anlasser gereicht  hat. Auf jeden Fall wurde der Motor, der sich auch für uns Laien ziemlich asthmatisch angehört hat, durch den Kurzschluss zweiter blanker Drähte gestartet. Und los ging’s. Die Tatsache, dass der Motor nur auf ca. 3 bis 3 1/2 Pötten lief, hat unsren Skipper nicht davon abgehalten, sich mit seinen Kollegen rasante Rennen zu liefern. Zumindest so lange nicht, wie er sich noch drehte. Als das nicht mehr der Fall war, mussten zunächst Birgit und ich die Plätze tauschen. Als das, wider Erwarten, nicht geholfen hat, ist er mit seinem gesamten Bordwerkzeug (ein Messer und ein undefinierbares Stück Plastik) im Maschinenraum verschwunden, nicht ohne uns mit den Worten „… engine …“ und „… to much …“ zu beruhigen.

Das ganze war dann wohl nicht nur für die „enigne“ „too much“, sondern auch für unsere teutonischen Mitreisenden. Die hatten die Befürchtung, dass die so völlig nutzlos verschwendete Zeit von ihrem Aufenthalt in den Höhlen abgezogen wird. Schließlich hätten sie nicht so viel Geld bezahlt (umgerechnet etwa 10 EUR für den gesamten Trip) um dann regungslos im Mekong rumzutreiben. Und überhaupt, vielleicht fehlt da nur Diesel, falls es überhaupt ein Diesel ist, oder der Vergaser, der Einspritzer oder der Anlasser ist kaputt. Beim nächsten Aussetzer auf der Rückfahrt war ihre größte Befürchtung, dass dieser verantwortungslose Bootsmann morgen wieder Touristen mit seinem maroden Seelenverkäufer befördert. Auf die Idee, das genau das die einzige Einkunft sein dürfte, mit der dieser Mann, in einem der 20 ärmsten Länder der Welt, seine Familie über Wasser halten kann, sind sie wohl nicht gekommen.  Apropos „über Wasser halten“: die Tatsache, dass für die 7 Personen an Bord nur 4 ranzige Rettungswesten zur Verfügung standen, habe ich dann auch nicht mehr ganz so entspannt hingenommen.

Soweit also zu heute, was gibt es bisher noch zu erzählen? Der Flug, diesmal mit Vietnam Airlines mit einem Dreamliner (787), verlief ohne bemerkenswerte Vorfälle und mit erstaunlich genießbarem Essen. Beim 7-stündigen Umstiegs-Aufenthalt in Hanoi ist es uns weder gelungen, die Augen offenzuhalten, noch diese für längere Zeit zu schließen. Entsprechend gerädert sind wir in Luang Prabang gelandet. Unser erster Weg führte uns zum Geldautomaten. Gleich der erste verlangte von uns eine happige Gebühr von 3% des abgehobenen Betrags. Nicht mit mir, ich habe, aller Müdigkeit, Durst, Hunger und der brennenden Sonne zum Trotz, so lange gesucht, bis ich einen gefunden habe, der sich mit 20000 Kip zufriedengibt. Dachte ich zumindest: im Online-Banking musste ich feststellen, dass die Gebühr satte 200000 Kip, also fast 25 EUR betrug. Ich habe beim Lesen von so vielen Nullen einfach meine Probleme. Nun ja, das muss ich wohl unter Lehrgeld verbuchen. Immerhin macht einem das Leben hier ansonsten nicht arm: die 0,6er Flasche Nationalgetränk, von denen ich mir gleich, nach getaner Arbeit, die dritte gönnen werde, schlägt 13.500 Kip, also so etwa 1,50 EUR, zu Buche.