Baajang Bakana

Wie immer begann der Urlaub im Gaffel am Bahnhof. Im Gegensatz zu den letzten Malen ging’s diesmal aber nicht nach Frankfurt, sondern nach Düdo. Von dort aus sind wir dann nach Frankfurt weniger geflogen als vielmehr „gehüpft“. Dieser kleine Umweg ersparte uns mehrere Hundert Euros, verstehen muss man das nicht. Immerhin konnte ich so erstmals die Hangelarer Platzrunde aus der Perspektive eines Airliners sehen.

Das zweite Leg legten wir mit mit einer ziemlich schimmlig muffenden 747 zurück, die wahrscheinlich noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben dürfte als der Autor. Hier die üblichen Pflichtangaben: das Essen war akzeptabel bis gut, erfreulicherweise gab es nicht die übliche, magen-hebende Rührei- und Kartoffel-Pampe, sondern eine Art Kaiserschmarrn mit Vanille-Sauce-Imitat. Und die Stewardessen waren leidlich ansehnlich, hatten aber einen heftigen Kasernenhof-Ton am Leib wenn es darum ging, uns in gebrochenem Chino-Englisch klarzumachen, dass iPhones auch im Flug-Modus während des gesamten Flugs verboten sind (CLOSE! CLOSE! CLOSE!). Dadurch, und durch die Tatsache, dass wir, mangels Mandarin-Kenntnissen, das Unterhaltungsprogramm nur sehr eingeschränkt genießen konnten, erschien uns der Flug subjektiv deutlich länger als die objektiven 9 Stunden.

In Peking angekommen lief alles wie am Schnürchen: Einreise, Zoll, Geld ziehen (juhu: das erste Mal, dass unsere Kreditkarte bei der Ankunft in SOA nicht präventiv gesperrt wird), Bus, Airport-Express, U-Bahn, Laufen, Hostel einchecken, Bier, Kutteln! Das Übliche halt. Erstmal die Füße hochlegen … das war aus zweierlei Gründen nicht angesagt: erstens waren wir todmüde und es war schon nach 15 Uhr, also Jetlag-Alarmstufe Rot. Zweitens ist unser Ziel, einen nicht gerade kleinen Teil eines der größten Länder der Erde in 11 Tagen zu bereisen, da kann man sich keine Auszeit gönnen, schon garnicht direkt am Anfang!

Drittens steckte mir Heidi noch in den Knochen: einen gewissen Restzweifel, ob das mit den Tickets auf Birgits Namen wirklich funktionieren würde, konnte ich einfach nicht abschütteln. Und: wie erwartet führte die „Names-Wurst“ GRAMLICHSCHMIEDELGEBGRAMLICHBIRGITHEIDEROSE zu einiger Verwirrung, aber wider Erwarten hielten wir, ca. 15 Minuten nachdem wir uns am englischsprachigen Fahrkartenschalter eingereiht hatten, unsere Tickets in Händen. China, wir kommen!

Abends verschlug es uns in eine Szechuan-Garküche ohne englische Speisekarte. Dank Birgits Polyglottität und dem LP Reiseführer war es trotzdem kein Problem, annähernd das Gewünschte zu ordern. Was ich gelernt habe: der Trick der Szechuan-Küche ist, den Gaumen zunächst mittels des gleichnamigen Pfeffers so zu betäuben, dass er die höllisch scharfen Chillies gar nicht mehr wahrnimmt. Leider funktioniert dieser Trick nur am oberen Ende des Verdauungstrakts. Und weil wir’s gerade davon haben: wie sehr habe ich die Klopapier-Eimer doch vermisst!

Gerne hätte ich an dieser Stelle von einem weiteren Superlativ unserer Reise-Historie erzählt, aber leider hat die Chinesische Bahn wohl seit kurzem aus Gründen der Wirtschaftlichkeit das Tempo der Schnellzüge von atemberaubenden 420 auf ICE-kompatible 300 km/h reduziert, so dass ich statt von unserer Fahrt von Peking nach Xian genausogut von der Reise von Limburg nach Montabaur berichten könnte. Nicht nur die Züge selbst und die Geschwindigkeit sind vergleichbar, auch die Landschaft sieht ein wenig aus wie der Westerwald und die Autobahnen haben etwas von der A3 (allerdings nur vom Ausbaugrad, es herrscht viel weniger Verkehr). Ok, einen kleinen Unterschied gibt es: während der mehrphasigen Einstiegs-Prozedur (Bahnhofs-Vorplatz, Halle, Wartesaal, Gleis, Zug) werden Ticket, Ausweis und Gepäck mehrfach kontrolliert und durchleuchtet.

Nachtrag: Birgit meinte, ich könne den Titel dieses Beitrags nicht einfach so stehen lassen. Also hier noch eine kurze Erklärung: sobald das Thermometer die 25° überschreitet, meint der durchschnittliche männliche Chinese, der bezüglich Alter und Gewicht in etwa mit dem Autor übereinstimmt, bezüglich Größe aber etwa einen Kopf weniger misst, er müsse seinem Vestibulum durch Hochklappen des Shirts bis kurz unter die Brustwarzen frische Luft zuführen. Dieser sehr ästhetische Anblick (wenn man darauf steht), wird gemeinhin mit dem Begriff „Beijing Bikini“ bezeichnet. Leider hatten wir noch nicht die Chruzpe, ein Exemplar live und in Farbe abzulichten. Wer sich ein eigenes Bild von diesem Sachverhalt machen möchte, wird sicher bei der Google Bilder-Suche fündig.

Nachtrag 2 von Birgit für Kim: das Wetter und die Sicht waren auch nicht besser als im Westerwald.

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