Hot Lips

Neues Land, neue Geschmäcker, neue Food Tour. Nach den Erfahrungen aus einer der letzten Touren sind wir gespannt, ob es diesmal auch etwas zu Essen gibt oder ob wir wieder Bilder auf dem Ipad anschauen dürfen. Nach der Gefühlslage vor der Tour sind wir tendenziell für die Bilder. Am Abend zuvor hatten wir einen riesigen Berg Schwein mit einem hohen Fettanteil. Da konnte auch der hiesige Schnaps, Soju, direkt zum Essen gereicht, mit seinen 20% nichts ausrichten. Um zumindest etwas Hunger zu entwickeln, sind wir zu unserem Treffpunkt gelaufen. Dabei konnten wir eine Weile am Cheonggyecheon Fluss, ein neuer, alter Fluss quer durch Seoul, der abseits des Verkehr als Naherholungsgebiet fungiert, spazieren.

Am ausgemachten Treffpunkt treffen wir Janet (zumindest sagte sie das, wahrscheinlich heißt sie in echt: Chaengyonenneut). Sie ist Koreanerin, hat eine Weile in den USA gelebt und wurde durch eine andere Food Tour in Florenz dazu inspiriert, das auch zu tun. In der Gegend des Treffpunkts ist sie zur Schule gegangen und kennt somit die Stände und die Marktfrauen ganz gut. Beim ersten Stopp kauft sie die koreanische Version eines Pausenbrotes – Gimbap. Es ist äußerlich vergleichbar mit Sushi. Allerdings wird hier der Reis nicht mit Essig, Salz und Zucker gesäuert sondern nur gesalzen und Sesam Öl beträufelt. Der Inhalt der Rolle variiert stark. Wenn man Glück hat, ist es sogar ohne Fisch.

Der nächste Halt ist mit Einkehr. Dort wird erst einmal Makgeolli ausgeschenkt. Ein alkoholisches Getränk mit 6-7% Alkohol auf Reisbasis. Wenn das schon die Schulkinder hier trinken, dann können wir das auch schon um halb 11 Uhr. Janet verkauft uns die milchige Flüssigkeit als Cider und wenn man die Augen zumacht, kann man ihn auch schwach herausschmecken. Dazu werden Bindae-tteok gereicht. Das sind dicke Pfannkuchen, deren Teig aus gemörserten Mungo Bohnen hergestellt wird, und in viel Fett ausgebacken werden. Tipp von unserem food guide. Die müssen in viel Fett schwimmen. Nunja, gut waren sie ja, aber unser Blutfettspiegel ist schon bedenklich hoch.

Wir schlendern weiter über den Markt und an der ein oder anderen Stelle bleiben wir stehen zum süssen Naschen (mäßig süsse Reiskugeln, Kekse), zum herzhaften Naschen (Kimchi, eingelegte Minikrebse, die sich ein Nest in Olis Hals bauten) und um mehr über die Gebräuche bei einer koreanischen Hochzeit zu erfahren. Auf dem Weg kommen wir bei koreanischen Blutwürsten – Sundae – vorbei. Achtung: Nicht zu verwechseln mit McSundae. Oli will diese unbedingt versuchen und da wir schon einen laufenden Übersetzer dabei haben, kann er uns diese auch gleich besorgen. Die Wurst besteht aus Innereien, Reisnudeln und Blut. Im Geschmack ist ziemlich langweilig und wir verzichten darauf, den Teller leer zu essen.

Beim nächsten Stopp sollte es dann gebratenen Fisch geben. Den gab es dort an diversen Grillständen auch. Allerdings gab es nur Makkarele und der Geruch hat uns den Magen gehoben. – Heute kein Fisch. Am Ende einer kleinen Gasse hat uns Janet dann noch 2 Hunde Restaurants gezeigt. Also nicht wie 4Carni in Köln. Soweit ich mich erinnere sollte in Köln die Hauptzutat auch nicht Hund sein. Wir dürften gerne dort hingehen und Fotos machen. Sie kommt aber nicht mit, weil sie die Hunde ja so süss findet.

Um unseren Blutfettspiegel konstant hoch zu halten, gab es dann noch einen weiteren Pfannkuchen – Pajeon. Diesmal auf Mehlbasis mit Tintenfisch und Chilis. Allerdings blieben uns die Hot Lips hier verwehrt, da unser mütterlicher food guide meinte, dass die Chilis zu scharf für uns seien und diese einzeln aus dem Pfannkuchen pulte. Was dem Japaner das Messer ist dem Koreaner die Schere. Hier wird alles mit Schere klein geschnitten. Dicker Pfannkuchen, dünner Pfannkuchen und sogar die Blutwurst. Wobei klein relativ ist. Scheinbar haben die Koreaner einen riesigen Mund. Das hatte ich am Abend zuvor bei allerlei Schweinerei bereits festgestellt. Während unsereins das in das Salatblatt gewickelte Fleisch mindestens zwei mal abbeißt, schieben die Koreaner sich die ganze Portion auf einmal rein. Tendenziell nicht sehr kommunikativ. Haben Koreaner deswegen dicke Backen?

Geschafft. Wir haben die Fettbatzen unten und schon geht es weiter. Scheinbar haben wir zu langsam gegessen und wir eilen schnell noch zu einer dumpling Bäckerei. Hier gab es einen riesigen Germknödel gefüllt mit Fleisch. Und da wir jetzt schon randvoll sind, rennt Janet schnell zum vorherigen Stand um das Wunderwerk der Schneidetechnik zu holen. Die Schere. Gekonnt schneidet sie den heißen, dampfenden Hefebatzen in 2 Teile. So können wir auch schneller essen. Auf dem Weg zum nächsten Stopp stopfen wir uns den Knödel rein. Dieser dient quasi als Stöpsel, falls sich der Körper weigert noch mehr Fett aufzunehmen. Zum Glück gab es zum Nachtisch nichts frittiertes sondern gebackener Fisch. Den kennen wir aus Japan auch. Die Bäckereinen vertreiben einen betörenden Duft. Aber wenn man genauer hinschaut und probiert stellt man fest, dass der Fisch, der aus Biscuit Teig besteht, mit Bohnenpaste gefüllt ist.

Geschafft. das war die letzte Mahlzeit. Wir schlendern noch über den Klamottenmarkt, der zw. 5pm und 10pm geschlossen hat und sie zeigt uns noch alte Tragegestelle zum transportieren der Lasten auf dem Markt. Später haben wir dann noch einen Lastenträger in Aktion gesehen. Für meinen Geschmack etwas zu viel Aktion. Denn sein Prügel kam dem Objektiv von Yodo verdammt nahe. Der wollte wohl nicht fotografiert werden. *grummel*

Zusammenfassend würde ich sagen, dass dies eine der besseren food touren mit viel Hintergrundinformationen war. Allerdings sollte man am Abend davor nur etwas Leichtes zu sich nehmen und am Morgen am Besten gleich mit Soju gurgeln.

Hong Kong Foodtour

Nach einem vollumfänglichen, englischen Frühstück habe ich einfach nicht mehr die Kraft, mich meines drängenden Mannes zu erwehren und beschreibe mal die Tour.

Essen ist ein Teil der Kultur eines Landes und bei einer Essenstour möchte man in diese Kultur eintauchen und mit allen Sinnen genießen. Alle Sinne? Bei der Tour in Hong Kong wurde die auditive und visuelle Wahrnehmung gefordert, die Gustatorische weniger. Nun von Vorne. Treffen uns mit der Guidin und 7 weiteren Personen auf Hong Kong Island. Hier bekommen wir einen Plan mit allen zu besuchenden Locations und der zu laufenden Wegstrecke. Der erste Stopp war ein ein Nudelsuppen Restaurant. Hier gab es, oh Wunder, Nudelsuppe mit drei Wontons (gefüllte Teigtaschen mit Garnelen/Fleisch). Die Besonderheiten dieses Lokals oder des Essens hat unser laufender Audioguide sicher hervorgehoben. Aber aufgrund der Gruppengrösse und der Lautstärke der Küche war dieser leider nicht verständlich.

Nächster Stopp: Dragon Restaurant mit allerlei gegrillten/geräuchertem im Schaufenster. Juhu. Fleisch. 1. Portion BBQ-Pork. Lecker. Dann hält unser Audioguide einen Vortag mit dem Ipad was es noch gibt und hebt die unterschiede zwischen einer Ente und einer Gans hervor. Meine Magensäfte sammeln sich in Annahme an, dass beides gleich gereicht wird. Leider hatte ich da etwas falsch verstanden und ich musste beim dritten Stopp meinen heißen Säften (O-Ton Audioguide) mit einem Zuckerrohrsaft einhalt gewähren, sonst gibt es eine unreine Haut.

Nachdem wir uns alle abgekühlt hatten ging es auf dem Markt. Hier konnten wir wieder die Vorzüge eines Ipads genießen und sehen, was man mit den Zutaten machen könnte, wenn diese auf einem Bankett angeboten werden würden. Auch ein Vortrag über Gentrifizierung, die bösen Leuten, die Sojasosse im Supermarkt kaufen, die bösen Leuten, die früher Sojasosse hergestellt haben und nun durch die Vermietung des Ladens steinreich sind, die bösen Leuten, die dann dort einen Coffeeshop errichten und Diesen, die Diesen trinken, hat unsere Tour bereichert.

Next stop: wong wing kee preserved fruit factory. Wie in einer Fabrik war hier schon eine Probierbox mit Allerlei konservierten Früchten und Nüssen vorbereitet. Natürlich auch gegen die innere Hitze. Shopping erlaubt und auch gewünscht.

Da wir nun innerlich schon in der Eiszeit angekommen sind, wird es mal Zeit für etwas dim sum im dim sum square. Es gab Shrimp-Dumpling, Schweine-Dumpling, frittierte Frühlingsrollen und BBQ-Bun. Für jeden nur jeweils ein Stückchen oder die Hälfte. Ausser für mich. Da sich meine Leidenschaft für Shrimps in Grenzen hält, habe ich 3 dim sum mit Gemüse und 3 mit Schweinefleisch mit Bohnen-Pelle bekommen. Kurz zusammengefasst, ich war satt während die Anderen auf weitere Gänge warteten, die nicht gekommen sind. Dafür gab es auf dem Ipad mal wieder Bilder.

Abschließend durften wir noch, in echt, in einer Bäckerei egg tart oder daan tart essen. Das ist die Hong Kong Style Variante der portugiesischen Nattas und sehr lecker.

Jetzt könnte man natürlich sagen, dass das von außen gesehen eine tolle Tour war, aber da dies nicht unsere erste Tour war, war diese auf jedem Fall die Teuerste mit dem wenigsten exotischen Essen. Immerhin wurde uns von Schlangensuppe, Abalone, getrockneten Fischblasen und Schildkrötenpanzergelee erzählt. Aber dafür hätte auch ein Youtube-Video gereicht.  Mit gemischten Gefühlen und in Gedanken an die Touren in Delhi und Kuala Lumpur gehen wir zurück in unsere Muffbude.

Vietnam Facts ’n Figures

Einreise: 02.11.2014 (Landweg)

Ausreise: 17.11.2014 (Luft)

Fortbewegung:
Flugzeug: Hue – Ha Noi
TukTuk: gibt es keine
Bus: Phnom Penh – Saigon 300 km / 7h, Daytrip Saigon – Cu Chi, Hoi An – Hue (Open Tour Bus), {Ha Noi – Hai Phong, Hai Phong – Hai Phong Hafen, Dinh Vu (Cat Ba) – Cat Ba City} und zurück
Zu Fuss: 126,56 km, 526 Etagen (Quelle fitbit one)
Boot: {Hai Phong Hafen – Dinh Vu (Cat Ba)} und zurück, Daytrip Lan Ha Bucht
Zug: Saigon – Danang (softsleeper mit ac)
Kleinbus: Ha Noi Flughafen – Ha Noi, Daytrip Lan Ha Bucht
Taxi: {Cat Ba City – Hotel} und zurück, Hue – Hue Flughafen, {Hotel Ha Noi – Busbahnhof} und zurück, Saigon Hotel – Bahnhof, Danang – Hoi An
Roller: Saigon (mitgefahren), Hoi An, Hue & Cat Ba (selbst)

Übernachtungen:
3 Nächte in Saigon bei Diep Anh im Touristenviertel in einer unscheinbaren Gasse. Nettes, altes Ehepaar, günstiges Bier, Schuhe am Eingang ausziehen, bei korrekter Bedienung der Amatur warmes Wasser. (25,5 $/N)

2 Nächte in Hoi An bei Hoa Binh nahe der Altstadt. Sauberes Zimmer mit bodentiefen Fenstern im 1. OG mit bestem Blick ins Zimmer (von der Strasse aus), Pool im Empfangs-/Frühstücksraum und frisch gebackenen Pancakes zum Frühstück. (22 $/N)

2 Nächte in Hue im Waterland Hotel beim Touristenviertel. Die Bilder im Internet waren eindeutig schöner. Hatte am 1. Tag den Schreibtisch reparieren müssen und zur Zeit der Instandsetzung des Bades war wohl Silikon günstiger wie Keramik. (18 $/N)

Eine Nacht in Ha Noi im Hanoi City Hostel aka Duc Thai Hotel. Mieses Hotel, zum Glück war die Nacht schnell vorbei und es kam zu keinem Großbrand. Inwiefern die Pestizid Belastung im Zimmer sich auf unsere Gesundheit ausgewirkt hat ergeben Langzeitstudien (18 $/N im deluxe doubleroom)

3 Nächte auf Cat Ba im Sunrise Resort am Strand Cat Co 3, grosses Zimmer mit Balkon und Blick sowie Hör auf das Meer und des angrenzenden Steinbruchs, riesiges Frühstücksbuffet mit allgegenwärtigen fetten Eiern und Sachertorte. (110 $/N)

3 Nächte in Ha Noi im Essence Hotel in der Altstadt. Schönes, neue eröffnetes Boutique(?)-Hotel mit einem exquisiten Frühstücksbuffet mit dem besten French Toast, den ich je gegessen habe und einem unwiderstehlichen Vanille Pudding. Einziges Manko war die schlechte Lüftung, die zu einem muffigen Geruch führte. (43$/N)

Touren:
Saigon: Foodtour auf dem Roller, Cu-Chi-Tunnel & Cao-Dai Tempel
Cat Ba: Kayaking, Tunnelführung
Hue: Tempel-/Gräber-/Zitadellentour on wheels

Mahlzeiten: viele, meistens am Straßenrand
Was? -siehe Post Essen.-
Was nicht? Kröte gegrillt

Mit was heruntergespült?
Bier: Bia Saigon, Biere Larue, 333, Tiger, Ha Noi, Bia Hoi, Huda
Softdrinks: Kaffee mit starkem Kakao- und Nuß-Aroma, Eistee, Coke, Schweppes Soda, Schweppes Tonic, diverse Smoothie, widerliches Orangensaft-Imitat in kleinen Gläsern zum Frühstück (siehe Cefrisch)