Ausgetempelt

Das Programm gestern bestand im Wesentlichen aus … Steinen. Und zwar grauen, braunen und roten. Die meisten etwas bemoost, manche auch etwas stärker. Und während ein paar einfach so unmotiviert in der Landschaft rumlagen, waren die meisten irgendwann zu Prunk- oder Sakralbauten arrangiert worden. Manche dieser Bauten wurden zerstört oder einfach sich selbst überlassen, andere haben die Zeit ob ihrer religiösen Bedeutung ziemlich gut überstanden. Allen voran Angkor Wat, von dem wir mehr als einmal vernehmen durften, dass es das größte religiöse Gebäude der Welt sei. Beeindruckend ist dieses geistliche Epi-Zentrum der Khmer-Kultur zweifellos, da wir in unseren Berichten aber ja traditionell nix schreiben, was man besser und richtiger bei Wikipedia nachlesen kann, verzichten wir hier auf Details. Vielleicht doch noch soviel: wer bei dem Begriff „Gebäude“ an so was wie 4 Wände, Tür und Fenster denkt, liegt hier falsch. Wie die meisten Tempel besteht auch Angkor Wat aus offenen Fluren (die im Reiseführer beschönigend Hallen genannt werden) und Innenhöfen.
Unseren Besuch hatten wir perfekt getimet. Wir waren kurz nach Mittag dort und ich dachte erst, ich sei im falschen Tempel. Die erste Viertel Stunde sind wir mutterseelenallein durch die Flure, pardon Hallen, gestreift. Je näher der Sonnenuntergang rückte (den man an diesem Tag definitiv nicht sehen würde), desto mehr füllte sich die Anlage wieder mit Touris. Zu diesem Zeitpunkt war unser Tagesbedarf an Touris, insbesondere Japaner und Koreaner mit trendigen Selfie-Stöckchen, bereits gedeckt.
Der Tempelbezirk von Angkor ist gefühlt so groß wie Mecklenburg Vorpommern und weißt wahrscheinlich so viele Sehenswürdigkeiten auf, wie dieses Bundesland Arbeitslose hat. Da wir für all das nur einen einzigen Tag eingeplant hatten (was laut Reiseführer einer Götterlästerung gleichkommt) mussten/ durften wir unser Besuchsprogramm auf das absolute Best-Of konzentrieren. Dazu gehörte neben dem Wat auch der „Lara-Croft-Tempel“ Tak Phrom, den der Dschungel weitgehend zurückerobert hat. Seinen Beinamen verdankt er der Tatsache, dass dort einige Szenen für den Film Tomb Raider gedreht wurden. Und tatsächlich: obwohl das von der Oberweite respektive dem Bauchumfang nicht ganz hinhaut, kam Birgit sich wie Lara und ich mir wie Indiana Jones vor. Ok, zugegebenermaßen störten die Heerscharen der besagten Asiaten mit den Selfie-Stöckchen diesen Eindruck etwas.
Abends liessen wir unsere erste Etappe beim Khmer Barbeque, einem Brühfondue u.a. mit Hai und Krokodil, ausklingen.
Während ich das schreibe sitzen wir im Boot nach Battambang und fahren über Landstraßen, die während der Regenzeit (also jetzt) Wasserwege sind.

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