Antipoden/ Road Movie

Den weitesten Punkt unserer Reise haben wir am 45. Breitengrad Süd hinter uns gelassen, damit befinden wir uns jetzt quasi auf dem Rückweg. Auf jeden Fall aber befinden wir uns auf dem Weg. Die letzten Tage verbrachten wir hauptsächlich auf Achse, unterbrochen von Touren, kleinen Spaziergängen oder anderen Aktivitäten. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass es keine andere sinnvolle Art gibt, dieses Land zu bereisen, als mit einem eigenen fahrbaren Untersatz. Zu groß ist das Land, zu klein die Bevölkerungsdichte, die Sehenswürdigkeiten liegen zu weit verstreut und der Aufenthalt dort lohnt dann auch meist nur wenige Stunden (wenn überhaupt).

Genau genommen ist NZL gar kein großes Land, eher im Gegenteil. Die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung (beider Inseln zusammen) ist kleiner als die von Italien, die Ost-West-Breite in etwa vergleichbar. Es handelt sich also mehr um eine „gefühlte Größe“. Überhaupt scheint hier das Große etwas kleiner zu sein. Z.B. liegt in den hiesigen Alpen die Baumgrenze bei etwa 400 Metern und die nackten, schneebedeckten Gipfel ragen zwischen 1500 und 2000 Meter in die Höhe. Oder: wenn man nach einem Fahrtag 200, 250 oder 300 km (inkl. einiger Passstraßen) mehr auf der Uhr hat, hört sich das nach einer großen Strecke an (die man in unseren „großen“ Alpen so niemals schaffen würde). Da es hier aber viele „Enden der Welt“ gibt und das Land kreuz über quer erfahren werden will, ist man dabei kaum vorangekommen (Definition „Vorankommen“: Luftlinien-Distanz zwischen 2 Schlafplätzen).

Mir ist in den letzten Tagen oft folgender Gedanke gekommen: NZL ist so ähnlich wie das Allgäu, nur etwa 15% schöner. In diesen Momenten frage ich mich dann, ob sich die weite (und teure) Reise wirklich gelohnt hat. Da wir nun aber mal hier sind, wollen wir jeden Tag genießen.

Was man hier nicht immer so richtig genießen kann, ist das Wetter. Obwohl wir uns am Übergang zwischen Frühling und Sommer befinden, ist es meistens biebrig kalt. Das hat wohl mit den eisigen Winden aus der Antarktis zu tun. Und diese Winde sind nicht nur eisig, sondern blasen auch heftig. Und unser Camper ist sehr seitenwindanfällig. Zeitweise war das so arg, dass ich nur in der Mitte der Straße fahren konnte, Muskelkater vom Gegenlenken bekam und das ESP sich wegen des ständigen Schiebe-Winkels abschaltete. Auch hatten wir bisher keinen Tag ganz ohne Regen, und einen mit ergiebigem Dauerregen (zugegebenermaßen in einem der niederschlagsreichsten Gebiete der Welt, mehr dazu später).

Wenn ich jetzt meinen dampfenden Kaffe auf dem Fahrersitz unseres (über Nacht auf 12° abgekühlten) Campers trinke, sehe ich satt grüne Wälder und Weiden, einen smaragdgrünen Fluss, und schroffe, schneebedeckte Berge, die ihre Gipfel in gleissend weiße Wolken hüllen, ansonsten strahlend blauer Himmel. Schön ist das auf jeden Fall, vielleicht sogar 18% schöner als im Allgäu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.