an Tagen wie diesem

Es regnet und wir sind müde, müssen uns aber noch über 9 Stunden um die Ohren schlagen: der Bus, der uns nach Newcastle bringen soll, geht erst um 5 vor 12. Nachts! Sehen wir es positiv: so sparen wir uns eine Übernachtung.  Außerdem: die Sitze hier in der Lobby unseres Hostels sind zwar unbequem und es ist laut und muffig, aber immerhin ist es trocken.

Aktuell sind wir (noch) in Byron Bay. Bekannt ist dieses Städtchen als östlichster Punkt des australischen Festlands und als Eldorado für Surfer und Aussteiger. Das, in Kombination mit den Weihnachts- und Sommerferien führt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage dazu, dass die Unterkünfte hier phantastische Preise aufrufen. Wir hatten noch einigermaßen Glück, dass wir ein privates Doppelzimmer mit eigenem Klo für vergleichsweise moderate 100 Eu je Nacht ergattern konnten.  Allerdings lässt uns diese Herberge auch deutlich spüren, dass wir alt werden: die allgegenwärtige Musik ist, wie schon angedeutet, für meinen Geschmack zu bass-lastig und zu laut, der aus den Schlafsälen dringende Geruch, der sich am ehesten mit „durchgelegene, mit allen möglichen Körperflüssigkeiten durchdrängte Matratze“ beschreiben lässt, hebt mir den Magen und wenn ich mitten in die Küche einen Haufen gesetzt hätte, wäre das wohl auch nicht weiter aufgefallen. Wahrscheinlich hält sich die typische Klientel nicht mit so Nebensächlichkeiten wie Schlafen oder Essen auf, schließlich ist hier „Spaß“ haben oberste Direktive.

Ähnlich wie mit den Unterkünften sieht es auch bei den Busverbindungen aus. So eine Fahrt mit dem Nachtbus ist zwar nicht das Gelbe vom Brot, aber allemal besser als hier zu stranden: mittlerweile sind sämtliche Busverbindungen in Richtung Süden bis in’s neue Jahr hinein ausgebucht, und über einen Mietwagen bräuchten wir selbst dann nicht nachzudenken, wenn unser Motto „koste es, was es wolle“ wäre (was es definitiv nicht ist).

Einschub: Birgit hat gerade ihre Kopfwehtablette mit einem guten Schluck aus der Weinflasche runtergespült. Das war, wie ich ihrem Gesichtsausdruck nach vermute, so nicht beabsichtigt. Zugegeben, die Weinflasche ist auch nicht wirklich eine Weinflasche, sondern vielmehr eine Wasserflasche, in die ich, zwecks besserer Transportierbarkeit, den Rest unseres Bag-in-Box Weins umgefüllt habe. Und da wir gerade beim Thema sind: Australien hat eine sehr restriktive Alkohol-Politik. Zu kaufen gibt es den ausschließlich in expliziten Bottle-Shops, und der Konsum außerhalb der eigenen vier Wände ist streng geregelt. Viele Restaurants sind nicht lizenziert, dort gibt es ausschließlich Softdrinks (positiv: Wasser gibt es immer umsonst). Andere haben eine BYO-Lizenz, das steht für „Bring-Your-Own“. Praktischerweise arbeiten diese oft mit Bottleshops zusammen, so dass man das mitzubringende Tröpfchen direkt nebenan erwerben kann. Und schließlich gibt es noch Fully-Licensed Restaurants, also solche mit Ausschank-Konzession. Die lizenzierten Bereiche der Lokale sind deutlich abgegrenzt („no alcohol beyond this point“), ansonsten ist jeglicher Konsum in öffentlichen Raum verboten.

Die Bottle-Shops hier haben nicht mit den, bisweilen etwas düster-anrüchigen Liquor-Stores, wie ich sie aus Amerika kenne, gemein. Meistens handelt es sich um helle, gut klimatisierte Läden riesigen Ausmaßes (etwa so groß wie eine typische deutsche Aldi-Filiale), in denen das ganze Spektrum geistreicher Getränke angeboten wird. Bei harten Spirituosen ist der Preis in etwa mit dem in Deutschland vergleichbar, allerdings nur, wenn man gleich 2 Flaschen kauft. Das ist hier generell oft so, dass das zweite Irgendwas nur ein Bruchteil des Ersten kostet. Bier hingegen ist heftig teuer, und die heimischen Marken sind dünn (oft nur 3,5 %) und schmecken nicht sonderlich. Die importierten Marken, also Heineken, Becks und Konsorten, die ich auch nicht sonderlich lecker finde, sind natürlich gleich nochmal einiges teurer. 5 EUR für die 0,5er Flasche ist eher die Untergrenze. Was bleibt ist Wein. Hier macht es sich bezahlt, dass Australien einer der größten Produzenten der Welt ist. Für unter 5 EUR bekommt man eine ordentliche Flasche Pinot Grigio, und wenn man auf die Flasche verzichtet, gibt’s für etwas über 10 EUR einen 5 Liter-Schlauch mit einem ebenfalls ganz gut trinkbaren Cabernet.

Vom Wein zurück zur Weihnacht: Heiligabend haben wir in Brisbane verbracht. Unsere Unterkunft dort war vom Feinsten. Wir hatten uns ein „Serviced-Appartment“ gegönnt, also eine komplett eingerichtete Wohnung mit Küche, Waschmaschine, Trockner etc, in der man weder saugen noch putzen muss. Der Ausblick aus der 17. Etage war beeindruckend und der Wellness-Bereich mit Schwimmbad, Whirlpool und Sauna auch nicht zu verachten. Insgesamt haben wir dort für 3 Nächte weniger gezahlt als hier für 2, wobei ich zugeben muss, dass die Surf-und „Spaß-“ Möglichkeiten doch ziemlich eingeschränkt waren. Abends haben wir ein Käsefondue mit 4 Sorten Chedda improvisiert (das scheint der einzige Käse zu sein, den die Australier können), dazu gab’s Wein aus dem Schlauch (s.o.) und die Top-10 der australischen Weihnachtslieder in einer Endlosschleife (Zitat Birgit: „zu Hause hatten wir auch nur eine Weihnachts-CD“; Anmerkung von mir: und die war von Hanne Haller!).

Am eigentlichen Weihnachtstag waren die Geschäfte (inkl. Bottle-Shops) geschlossen und die Straßen voll zombihafter Traveller, denn ohne Essen (und Alkohol) hört auch für die hartgesottensten Surfer und Aussteiger der „Spaß“ irgendwann auf. Wir hatten uns vorausschauend mit Lebensmitteln zur Selbstversorgung eingedeckt, aber als wir die Küche in unserer neuen Unterkunft erblickten (s.o.), verging uns schlagartig jeglicher Appetit. Immerhin hatten wir noch Wein in Wasserflaschen.

So, jetzt müssen wir nur noch 7 1/2 Stunden totschlagen, und es regnet immer noch …

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