alte Eier

Im Beipackzettel unseres Durchfall-Mittels steht, dass man schlacke-haltige und stark gewürzte Speisen meiden soll. Das habe ich dann gestern Abend auch in der Garküche unserer Wahl bei meiner ersten festen Mahlzeit seit 48 Stunden nach bestem Wissen und Gewissen getan. Zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass „hot and spicy“ nicht schlacke-haltig heißt (Memo an mich: googeln, was schlacke-haltig in Zusammenhang mit Lebensmittel bedeutet).

Und so habe ich wieder eine Nacht zwischen Bett und Waschraum verbracht. Birgit hat zwischenzeitig schon geunkt, ob ich nicht ein Buch über die „Alte-Eier-Diät“ veröffentlichen will.

A propos alte Eier: die Nacht war nicht nur von einem Zwicken in der Magengegend geprägt (warum spricht man eigentlich immer von Magen wenn man Dünnschiss meint?), sondern auch ziemlich kurz. Denn um 7 Uhr sollten wir zum absoluten Muss für jeden Thailand- (Pauschal-) Touristen abgeholt werden, dem Besuch der schwimmenden Märkte. Diese Märkte sind eine reine Inszenierung für Touris und sollen an eine Zeit erinnern, als das Leben hier hauptsächlich am und auf dem Wasser stattfand. Und so wird man dann durch Kanäle, oder Klongs, wie die hier heißen, gepaddelt und kann dort allerhand Waren, von der baumfrischen Banane bis zur garantiert unechten Lois-Vuitton-Handtasche wohlfeil (oder wie das hier wohl heißt: chiiip-chiiip) erwerben. Leider hatte der Bus eine ¾ Stunde Verspätung, wohl weil er uns in einem anderen Ibis-Hotel gesucht hat. Um nochmal das Thema alte Eier aufzugreifen: im Bus saß bereits ein älterer Amerikaner (Engländer? – eher unwahrscheinlich) mit 4 offensichtlich gemieteten Thai-Boys. Auf dem Rückweg setzten wir diese Gesellschaft im Hilton Hotel ab, ich frage mich, bei welchem Veranstalter man eine solche Pauschalreise buchen kann?

Der Vollständigkeit halber will ich hier die letzten beiden Tage nicht unterschlagen: vorgestern haben wir es dann im dritten Anlauf tatsächlich geschafft, den Königspalast zu besuchen. Der König, der im Straßenbild allgegenwärtig ist und wohl auch anderweitig hoch verehrt wird, residiert dort zwar nichtmehr, trotzdem stellt die Anlage sowas wie das religiös-politische Zentrum des Landes dar. Der ganze Komplex ist schwer goldschimmernd und ziemlich beeindruckend, und, das Beste: es gibt dort Toiletten! Wer mehr darüber wissen möchte: Lonely Planet Reiseführer und Wikipedia halten ausführliche Informationen parat, die wir gerne, bei Bedarf, mit über 1.000 Bildern von Tempeln, Kapellen, Buddhas, Drachen und ähnlichem anreichern können. Eine ausführliche Beschreibung der sanitären Anlagen übernehme ich gerne persönlich.

Gestern waren wir dann im Bezirk Banglampu. Dieser Stadtteil ist bekannt als der Schmelztiegel für das Gegenteil von Pauschaltouristen, also Backpacker und Flashpacker. Hier fokussiert sich ganz Bangkok/ ganz Thailand/ ganz Süd-Ost-Asien in einer Straße. Hier können Visa für den Sprung nach Downunder ebenso wie gefälschte Bundesrepublikanische Führerscheine erworben werden, Viagra vom fliegenden Händler hilft einem, seinen Mann auch in der härtesten Situation zu stehen, es werden Cocktails mit dem Prädikat „very strong“ serviert und man fühlt sich sofort wie bei Freunden („where are you from my friend? wanna buy …? Chiiip-chiiip!“).

Auf meinen geplanten persönlichen Höhepunkt dieses Tages musste ich leider verzichten: in einem etwas abseits (wo auch sonst?) gelegenen Lokal soll es laut Reiseführer die besten „Trinker-Nudel“ der Stadt/ des Landes/ des Kontinents geben. Dieses würzige, scharfe und wahrscheinlich auch schlacke-haltige Gericht konnte ich meinem Verdauungstrakt aber nicht zumuten. Schon beim Geruch hat es mir den Magen umgedreht (und diesmal meine ich wirklich den Magen).

Und wer wissen will was Flashpacker sind: laut Reiseführer sind das Backpacker, die es zu etwas gebracht haben und sich daher nichtmehr mit Stockbetten zufrieden geben.

 

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