A different Point of View

Nach den Ausführungen eines roten Parteibuchträgers, zu dessen Lieblingsfilme Odysee 2001 gehört, hier meine Erlebnisse in Peking.

Aber als erstes muss ich erwähnen, dass Oli am Ankunftstag vor 3 Monaten Geburtstag hatte. *hieh* Doch nun zu unserer Zeit in Peking. Unsere Jugendherberge liegt an der Nan Luo Gu Xiang, einer bei der chinesischen Jugend sehr beliebten Gasse, zwischen vielen Hutongs. Übersetzt heißt Hutong kleine Gasse. (Gasse in Gasse?) Damals wurden die einstöckigen Häuser um einen Brunnen gebaut und es gab nur einen Zugang zu diesem Block. In dieser Gasse ist das Alte nur noch Fassade, denn dahinter verbergen sich Läden wie Starbucks, Churros Joe, Beard Papa (Zuckerwatte) neben vielen Klamottenläden und Fressständen. Wir haben uns am Tag der Ankunft nur durch die Stadt treiben lassen und dabei einiges gesehen, gerochen und geschmeckt:
 
  • In Peking wird auf der Strasse gegessen. An jeder Ecke gibt es lauter Leckereien, denen man selten widerstehen kann. Eins vorweg, wir haben uns hier nicht zurückgehalten und alles bis jetzt (die Inkubationszeit der Vogelgrippe kann mehrere Tage dauern) gesund überstanden.
  • Das Lied mit den vielen Rädern in Peking muss neu geschrieben werden. Zwar stehen noch viele Fahrräder rum, aber die Räder, die nun genutzt werden haben einen Elektroantrieb. Flüsterleise pirschen sie sich an und geben ein Hupkonzert zum Besten.
There are nine million e-bikes in Beijing 
That’s a fact, 
It’s a thing we can’t deny 
Like the fact that I will love you till I die. 
  • Zum Thema Hupkonzert fällt mir noch ein, wenn auch zeitlich etwas später (aber das kann ja unser Geheimnis bleiben), dass im dicksten Gedränge in der o.g. Gasse ein Mann mit Fahrrad ohne Hupe sich durchkämpfte. Um das auszugleichen hat er die ganze Zeit laut gemiaut. 10 Minuten lief er sicher hinter uns her.
  • Beim ersten Besuch eines hiesigen Supermarktes zwecks Ausgleichs des Elektrolythaushalts gab es neben den normalen Fleischekeleien auch noch lebende Tiere im Angebot. In niedrigen Glasschüsseln schwammen Kugelfische, Goldfische, weiße Fische mit rotem Geschwür auf dem Kopf, Schildkröten, Krebse und Axolotl. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob diese Tiere der Zierde oder Nahrungsaufnahme galten. Kennt jemand ein gutes Rezept mit Axolotl?
  • Das Gerotze ist wirklich ekelhaft. Ständig hört man wie jemand, Mann oder Frau, alle schleimigen Reste seines tiefen Innersten nach oben holt und diese auf den Boden spuckt. Instinktiv musste ich immer den Nacken einziehen.
  • Aber es geht noch besser: Die Nase muss ja auch noch gereinigt werden. Dazu nimmt man entweder den Finger oder formt ein Taschentuch zu einer Rakete und rein damit. Darauf folgend müssen die Ergebnisse natürlich ausführlich begutachtet werden.
  • Alle 10 bis 50 Meter steht eine Mülltonne. Trotz dass ständig Männer mit umgebauten Fahrrädern diese leeren sind sie voll oder der Müll liegt daneben. Eigentlich müssten sich hier die Ratten und sonstiges Getier sauwohl fühlen.
  • Alle 100 Meter gibt es öffentliche Toiletten. Wir haben uns schon über die Dichte gewundert. Doch die Erklärung ist ganz einfach. In den Häusern der Hutongs gibt es keine Toiletten. Da die Toiletten aber etwas außerhalb liegen und von neuerer Zeit (<> Ming Dynastie) sind, gehe ich davon aus, dass diese erst mit den olympischen Spielen gebaut wurden. An den Ekel davor will ich garnicht denken.
Sonntag, 28. April – Sightseeing im tief versmogten Peking
 
Frühstück auf der Gasse:
Fleischspieße und Yoghurt Pekinger Art in altertümlichen Tongefäßen
 
JingShan Park: 
Park mit einem künstlichen Berg. Eigentlich wollten wir den Park nur als Durchgangsstation zur verbotenen Stadt nutzen, was wir natürlich auch gemacht haben, aber eben auch dort haben wir noch etwas Zeit verbracht. An jeder Ecke des Parks standen Leute und haben zu den Klängen aus einem Lautsprecher musiziert oder gesungen. An einer Ecke stand sogar eine Gruppe mit einem Dirigenten und einem übergroßen Notenblatt. Oben auf den Berg gab es eine tolle Aussicht auf das versmogte Peking. Da half auch das Polieren der Linse nichts, der Grauschleier blieb. Um das zu kompensieren hat Oli gleich mal das Stativ aufgebaut. Nach gefühlten 5 Bildern musste er feststellen, dass so ein Riesending nicht ganz so praxistauglich ist. Ist ja nicht so, dass wir 2 Tage zuvor sehr lange darüber diskutiert haben, ob wir wirklich ein Stativ brauchen. Nunja, er hatte an diesem Tag direkt an der Schulter und die nächsten im großen Rucksack ein exklusives Tragerecht.
 
Verbotene Stadt: 
Große Ansammlung an mehr oder minder renovierten Tempeln mit einer dicken Mauer und einem Wassergraben außen herum. Der Reiseführer schreibt, dass echte Fans hier Tage verbringen würden. Zu uns ist der Funke aber nicht übergesprungen. 
 
Tianamen Platz:
Eigentlich nur ein Platz mit vielen Leuten und viel Geschichte, der wohl besser bewacht ist als die Goldbarren der deutschen Bundesbank. Ein Teil der vielen Leute war auch ein Junge, vermutlich zwischen 2 und 3 Jahren, der wohl gerade in der Windel-Entwöhnungs-Phase war. Hierfür gibt es auch etwas echt chinesisches, nämlich die Kaidangku. Super, so eine Hose, die unten offen ist. Ich habe gleich mal ein dutzend für Justus mitgenommen. Wenn er oder ggf. seine Mutter nicht will, müssen diese halt die Berater tragen.
 
Wangfujing Snackstrasse:
Durch einen verzierten Torbogen geht’s in ein Karree, gesäumt von günstigen Imbissbuden, wo es immer lebhaft zugeht. Das schreibt der Reiseführer. Ich sage mal so, günstig trifft nicht immer zu. Beim ersten Stand, bei dem uns der Geruch und das Essen zusagte, wurden Maultaschen  verkauft. Bisher waren wir es gewohnt, dass alles 10 CNY kostet. Also eine Portion bestellt, die Ware wurde gereicht und wir mussten zahlen. Nämlich 30 CNY (ca. 4€). Für diese Miniportion? Während wir das Mahl genossen haben wir Chinesen beobachtet, die sich mit der Verkäuferin unterhalten haben und dann kopfschüttelnd weiter gelaufen sind. Also, wieder was gelernt. Erst nach dem Preis fragen. Stinke Tofu und das noch lebende Zeug haben wir übersprungen und sind bei den Nudeln gelandet. 1. Frage wie viel kostet das. Uns wurde auf Englisch 20 gesagt. Für eine Handvoll Nudeln okay. Die Nudeln wurden uns gegeben. Ich gebe einen 100er-Schein hin und musste auf das Wechselgeld warten. Ich bekam aber nur 50 zurück. Wie nun? 100 minus 20 sind doch 80, oder? Also gemosert. Der Verkäufer zeigt grinsend auf die Speisekarte (komplett mit chinesischen Schriftzeichen) und zeigt auf die Zahl 50. Vielen Dank auch. Wir waren bedient. Als nächstes gab es nur noch essen mit einer klaren Preisauszeichnung: Kochbananenknödel und Spieße mit Obst und Zuckerüberzug (die chin. Äpfel mit besonders vielen Kernen sind lecker). 
 
Donghuamen-Nachtmarkt:
Noch eine Fressgasse, allerdings mit korrekter Bezeichnung und Bepreisung der Waren. Hier gab es noch einen kleine Nachtisch für Oli: gegrillte Nieren und frittierte Krebse.
 
Hostel:
Da für den nächsten Tag die große Mauer gebucht war, gab es noch ein schnelles Feierabend Bier und dann ab ins Bett.   
 
Montag, 29. April – die wirklich große Mauer
Um 8:15 Uhr sollten wir abgeholt werden, also saßen wir schön brav 8:10 Uhr in der Lobby. 8.25 Uhr kam dann jemand und meinte wir sollen die Gasse runter laufen. Auf dem Weg fing uns eine Asiatin ab und meinte wir sollen bis zum gelben Bus laufen. Leider war es nicht unser Bus. Warten. Nach einem schnellen Spaziergang, wir haben es ja eilig, saßen wir auch schon um 9:15 im Bus. Die Straßen waren dicht und alles hat sich gestaut. Für die 110km haben wir nur 3 Stunden gebraucht. Die angepriesene Hiking Tour (hiking = wandern) hat sich tendenziell als Klettertour herausgestellt. Stellenweise mussten wir auf allen Vieren die bröselnden Treppen erklimmen. Aber wir wurden belohnt mit Sonnenschein, Bäumen in der Kirschblüte und einer grandiosen Aussicht auf und von der Mauer. An den Wachtürmen wurde dem Konsumfreudigen einiges geboten: Bier, Cola, Snickers, Nudelsuppen, T-Shirts und Mützen (Eine Mischung aus Super Mario in der Form und Che Guevara in Farbe und Stern). Ein Verkäufer hat angeboten für 20 CNY den Rucksack (ohne Stativ) oder Oli zu tragen. Wir haben es nicht ganz verstanden und dankend abgelehnt.  
Pünktlich um 19 Uhr, also eine Stunde zu spät, sind wir im Hostel angekommen. Zum Glück haben wir nicht, wie einige fluchende Mitreisende, einen Besuch zu der Kung Fu Show gebucht. Diese startete nämlich um 19 Uhr.
Nach einem Feierabend Bier auf der Dachterrasse des Hostels ging es auch schon wieder los. Essen! Vorspeise auf der Strasse: egg tart (bei uns: portugiesische Natas) und koreanische Nudeln (massive Rigatoni) in einer feurig scharfen Tomatensosse. Hauptgang in einem Chinarestaurant: chinesische Nudeln mit Ei und Speck, frittiertes Rindfleisch mit Möhren, Sellerie und viel Chili/Sechuan Pfeffer und dazu noch Rippchen süss/sauer.  Der Pfeffer war wirklich der Hammer. Unglaublich scharf, zitronig und die Zunge lähmend.
 
Dienstag, 30. April – was wir noch machen wollten
Der Tag ging doch noch schneller vorbei als wir dachten. Wir besuchten noch schnell einen Tempel, sind durch die Hutongs geeilt und haben es den konsumfreudigen Kids in unserer Gasse (fast) gleich getan. Das fast bezieht sich auf folgendes Erlebnis. In einem kleinen Laden (Wand, Regal, Flur, Regal, Flur, Regal, Wand auf einen Durchmesser von 2 Metern) habe ich mich durch die Reihe schieben lassen. Auf einmal Stau. Jemand bleibt stehen und alle müssen sich vorbeidrücken. Als ich dann dran war glaubte ich meinen Augen nicht. Die Stauverursacherin ist an diversen Nagelpflegesets stehen geblieben und hat sich die Nägel mit einem Nagelknippsy geschnitten. Der Gedanke an fliegende Fingernägel lässt mich immer noch erschaudern.   
 
Am Abend haben wir dann die beste Peking Ente bei DaDing gegessen. Eine ganze Ente nur für uns. *freu* Nach einer kurzen Einleitung der Kellnerin über die Architektur und Bau entsprechender Pekingenten-Röllschen und -kugeln, in einer uns nicht verständlichen Sprache, durften wir auch loslegen. Die Ente war wirklich lecker und gefühlt hätten wir auch eine weitere verspeisen können. Hat aber nachgesättigt.
 
Mittwoch, 1. Mai – Abflug hinter der Mauer und Ankuft vor der Mauer 
Wir wurden pünktlich um halb 6 abgeholt und zum Flughafen gefahren. Zum Glück haben wir etwas mehr Zeit eingeplant.
Die dortigen Beschäftigen nehmen ihre Arbeit ganz genau. Wir wurden beide ausgiebig mit diesem Piepsding untersucht. Wie bei der Einreise führte das etwas veraltete Foto in Olis Reisepass zu Komplikationen. Mütze abziehen, Brille runter oder ein seriöses Gesicht machen hat nichts gebracht. Erst durch Freigabe eines höher-rangigen Officers durfte auch Oli ausreisen. Der Flieger war fast leer und wir konnten beobachten wie ein Asiate eine Stange Toast (von der Stange runter), das Bordfrühstück und zwei Gurken (auch von der Stange runter) verspeiste.

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