Guilin

Photographieren bedeutet ja sowas wie „mit Licht zeichnen“. Im Umkehrschluss bedeutet das, daß, wenn das Licht schlecht ist, es auch mit dem Zeichnen nicht allzuweit her ist. Entsprechend ist unsere Ausbeute aus Guilin und Umgebung auch eher gering.

Guilin

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Lijiang

… und noch ein paar im Schweiße meines Angesichts hochgeladene Bilder …

Lijiang

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Shangri-La

wenn ich mich zwischen die Klo- und Eingangstür auf den Boden setze ist der WLAN-Empfang garnicht so schlecht. Das will ich doch gleich mal nutzen um unseren Rückstand bezüglich Bildern etwas zu verringern …

Shangr-La

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Der längste Tag/ wer redet …

Endlich wieder unzensiertes Internet. Allerdings so langsam, daß wir uns gelegentlich wieder hinter die große Mauer zurückwünschen. Dafür haben wir hier Sonne, Sand und Meer satt. Und warm ist es auch. Aber der Reihe nach.

Shanghai war eindeutig der kulinarische Höhepunkt unseres China-Trips: Jakobsmuscheln, Austern, Hammel und Auberginen, all das mit mächtig Knoblauch und dazu etwas, das auch bei uns halbwegs als Brot durchginge. Hätte es auch noch Spaghetti gegeben, wäre ich wahrscheinlich direkt dortgeblieben. Daß wir neben der Nahrungsaufnahme auch noch viele andere tolle Aktivitäten unternommen haben, ist wohl so selbstverständlich, daß es hier keiner weiteren Erwähnung bedarf. Erwähnt werden soll hingegen das Abschlussessen: Ente und karamellisierten Süßkartoffeln. Kurzum: China zeigte sich zum Abschied von seiner angenehmeren Seite, ganz ohne Suppe und Reis.

Normalerweise erstaunt es uns immer, warum das Checkin just jener Passagiere, die in der Schlange vor uns stehen, so ewig lange dauert. Diesmal haben sich wahrscheinlich die Leute hinter uns das gleiche gefragt. Scheinbar gab es mit unseren bei Lufthansa gebuchten Tickets für den United-Flug irgendwelche Probleme, oder mit der Tatsache, daß Birgits Monstername nicht in das vorgesehene Feld passte, oder einfach mit unserem Anliegen, in eine Aussenstelle von „God’s own Country“ zu reisen. Auf jeden Fall rannte die Bedienstete mehrfach mit unseren Pässen davon und telefonierte hektisch. Leider reichten unsere Englisch-Kenntnisse nicht aus, um die Ursache der Komplikationen zu hinterfragen (schließlich verfüge ich ja nur über Sprachkenntnisse ICAO Level 5). 

Wir sahen uns schon in Shanghai festsitzen, was allerdings nicht der schlechteste Ort gewesen wäre (s.o.). Schlussendlich bekamen wir dann aber doch, nachdem Birgits Gepäck nochmal ausführlich gefilzt wurde, unseren Boarding-Pass ausgestellt (Ursache für die Kontrolle war übrigens, wie wir pantomimisch herausfanden, weder Birgits suspekt langer Name noch die geschmuggelte Hartwurst, sondern die 2 Wolf-Akkus).

Falls sich die Leute in der Schlange hinter uns tatsächlich über unsere Abfertigung gewundert haben sollten, dann nur für kurze Zeit: die 7-köpfige Familie hat es, wie Birgit mitbekommen zu haben glaubt, so erwischt, daß sie sich wohl direkt im Austern-, Lamm- und Auberginen-Laden einquartiert hat.

Immerhin verursachte uns die Verzögerung keinen zeitlichen Stress. Da unser Flug erst um kurz vor 12 (nachts!) ging, hatten wir trotzdem noch genügend Zeit, uns in der Lounge zu erquicken. Auf den Schreck hin gönnte ich mir erstmal eine Gemüselasagne (mit echtem Käse!) und ein Weizenglas voll Baileys. 

Der Flug war kurz (4 Stunden) und auch die Einreise in’s gelobte Land dauerte nicht die übliche, diesmal durchaus nicht unerwünschte, Ewigkeit. Also standen wir um kurz nach 6 Uhr Ortszeit bei 30 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit vor dem Terminal. Gerade mal noch 9 Stunden bis wir unser Zimmer beziehen dürfen … juhu!

In China fühlten wir uns abgezockt, wenn der Taxifahrer für die knapp viertelstündige Fahrt zum Flughafen tatsächlich 40 Yuan (etwas über 5 EUR) von uns haben wollte. Die hier auf der Uhr stehenden 22 USD (+ 1 USD je Gepäckstück) für die knapp 2 Kilometer zahlten wir (fast) ohne Murren. Das ist halt der Insel-Zuschlag.

Beim Buchen haben wir bei der Bewertung zu mehr oder weniger jedem in Frage kommenden Hotel die Attribute „renovierungsbedürftig“, „abgerockt“ oder gar „runtergekommen“ gelesen. Diese Eigenschaften scheinen auf Guam selbst zuzutreffen. Wobei, vielleicht ist das etwas zu hart, wahrscheinlich sollte man es eher „mit dem morbiden Charme vergangener Zeiten“ nennen. Eventuell spekuliert ja der eine oder andere Hotelbetreiber hier darauf, daß Kim seine Anlage hier warm saniert.

Unsere Wahl fiel auf das, wenn schon nicht erste, dann doch zumindest größte, Haus am Platz. Ein klassischer Bettenbunker, wunderbar gelegen an einer smaragdgrünen Bucht mit feinem Sandstrand und einem Korallenriff direkt vor der Nase. Als Sahnehäubchen befindet es sich auch noch direkt im Gegenanflug der Platzrunde des hiesigen Flughafens. Was kann man mehr wollen!?

Wir wurden dort auch herzlich willkommen geheißen, allerdings erst um 14 Uhr (immerhin eine Stunde früher als vorgesehen). Vorher vertrieb man uns von den am Pool aufgestellten Liegen, da man Angst hatte, wir könnten, ungewaschen und übernächtigt wie wir aussahen, die überwiegend asiatischen Gäste erschrecken. Das wäre ja nicht auszumalen, falls ein, mit Stingersuit, Rettungs- und darübergezogener Warn-Weste ausgestatteter Badender bei unserem Anblick aus Versehen Wasser aus dem 1,20 Meter tiefen Becken verschluckt!

Wie dem auch sei: nach nur einmaliger Beschwerde und Zimmerwechsel (das erste lag direkt über der zentralen Klimaanlage und war damit so laut, daß man seinen eigen …#~(* !?(&§“ …) genießen wir jetzt von unserem Balkönchen aus den Meerblick, das Meeresrauschen und den Platzrundenverkehr und denken, auf unser Abschiedsessen zurückblickend: Ente gut alles gut.

 

Reisetage/ Abschied

Der letzte Beitrag ist wohl schon eine ganze Weile her. Wie lange kann ich gerade nicht nachschauen, da der Internetzugang hier in unserem Serviced Appartement nicht funktioniert. Wenn ich mich aber recht erinnere, schrieb ich ihn beim Warten auf den Checkin und das Frühstück in der Lounge in Lijiang. Also will ich mal dort anknüpfen.

Oder ich mache es mir einfacher: der Inhalt der letzten Tage bestand aus früh aufstehen (<= 6 Uhr),  Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten, die allesamt mit mindestens einem Superlativ beschrieben werden können, Entrichten des ähnlich superlativ-verdächtigen Eintrittspreises und Frieren. 

Zu letzterem: obwohl wir wussten, daß unsere Reiseroute südlich des chinesischen Heizungsäquator verläuft, war uns nicht klar, daß das auch für Autos, Busse und Firstclass-Lounges gilt. 

Ausnahmen bildeten die Reisetage. Die bestanden aus früh aufstehen (<= 6 Uhr), Koffer packen, Auschecken, uns zum Bus-Terminal, Bahnhof oder Flughafen fahren lassen und einer anschließenden sehr langen, beengten Busfahrt, einer langen (zugegebenermaßen aber auch ziemlich komfortablen) Bahnfahrt oder einem mehrstündigen Flug in der Holzklasse. 

Gefroren haben wir auch an den Reisetagen eigentlich immer, einzig die Reibungswärme beim vom Fahrer über den Tisch gezogen werden, verschaffte uns etwas Linderung. 

Das mit den Reisetagen mag sich hier schlimmer anhören als es war. China ist nunmal ein riesiges Land und auch in Hawaii, wo wir das Gefühlt hatten, wir könnten zur nächsten Insel hinüberspucken, galt: ein Reisetag ist ein Reisetag! 

Die wirklich positive Überraschung beim Reisen hier ist: es funktioniert. Zum Beispiel die Strecke Guilin — Zhangjiajie. Hätten wir den gängigen Reiseplanungsplattformen geglaubt, wäre die einzige Möglichkeit, zwischen diesen beiden Städten zu reisen, ein  über 6.000$ teurer, 18-stündiger Flug mit 3-maligem Umstieg (ich glaube, einmal davon in Frankfurt am Main) gewesen. Eine fachkundige Beratung im Reisebureau scheiterte an der Sprachbarriere. Dann hat jedoch die deutschsprachige Reiseleitung vor Ort irgendwie herausgefunden, daß es eine Alternative Kombination aus Zug und Bus gibt, die uns in weniger als 14 Stunden und für ein paar Handvoll Euro an’s gewünschte Ziel bringt. Nachdem diese Hürde der Erkenntnis überwunden war (und Birgit die Zeichen für Zhangjiajie in ihr Notizheft abgepinnt hat), verlief der Rest einfacher als eine OEG-Fahrt von Großsachsen-Heddesheim nach Bobenheim-Roxheim (ich bin der festen Überzeugung, ein Chinese, Amerikaner, Italiener oder Norddeutscher könnte 100 Jahre in der Kurpfalz leben und würde das System von Groß-und Übergangswaben im Tarifgebiet des VRN nicht kapieren; ganz zu schweigen davon, daß er weder die 17,80 EUR in Münzen noch eine Geldkarte(TM) hätte, um das Ticket zu lösen).

Einfacher heißt allerdings nicht komfortabler: der Durchschnittschinese baut an Hüften und Schultern wesentlich schmaler als sein mitteleuropäisches Pendant, von meiner Person ganz zu schweigen. Wenn dann gegenüber noch eine opulente chinesische Mutti sitzt kann es durchaus vorkommen, daß es, über den Mittelgang hinweg, zur Backenberührung kommt.

Über die weiteren Details der Etappen, Attraktionen und Reiserouten der letzten Tage hat sich mein überaus emsiger Sidekick ja schon ebenso ausführlich wie brillant ausgelassen, so daß ich mir das ersparen kann, wofür ich gerade jetzt, da ich beim Warten auf die Waschmaschine den ersten Beijou (der hiesige Nationalschnaps, eine Mischung aus Dornkaat, Haarwuchsmittel und WD40 für umgerechnet 60 €-Cent / 100 ml) des Tages geleerte habe, nicht undankbar bin. (Memo an mich und Yodobasha: daß der Yodo-Blog  halbwegs für die Ewigkeit taugt, hat er in seinem mittlerweile 6. Jahr und der 3. Reloktaion bewiesen; bei den app-basierten Plattformen bin ich mir da nicht so sicher; wäre ernsthaft schade um die Beiträge!).

Jetzt befinden wir uns also im „langen Endteil“. Anfangs waren wir doch etwas enttäuscht, daß die Chinesen unser Visum auf 30 Tage beschränkten. Mittlerweile sind wir aber der festen Überzeugung, daß das keine behördliche Schikane ist, sondern einzig und allein dem Schutz der Reisenden dient. China ist sicher landschaftlich, kulturell und kulinarisch ein tolles Land, aber etwas mehr als 3 Wochen sind definitiv genug!

Angefangen haben wir unseren Abschied gestern mit der Etappe in Nanking, wo wir meinen Fliegerkameraden Daniel und seine Frau Claudia trafen, die es beruflich ins Land des Lächeln verschlagen hat. Ich denke, zur Tatsache, daß sie uns statt zum traditionellen Hotpot, in einen Burgerladen eingeladen haben, ist nichts weiter hinzuzufügen. Außer vielleicht noch ein Zitat von Daniel, das wir mehr als einmal zu hören bekamen (und auch einigermaßen nachvollziehen können): „Supermacht?!? — seh ich nicht!“. Oder noch einer Kleinigkeit: Claudia musste im Rahmen des Fach- und Führungskräfteaustauschs des internationalen Konzerns, für den die beiden arbeiten, ein Thema zur interkulturellen Verständigung ausarbeiten. Sie wählte „Rotzen und Rülpsen am Arbeitsplatz mögen Westler nicht so“.

Jetzt sitze ich in unserem Serviced Appartement in Shanghai, die Wäsche ist mittlerweile fertig und der zweite Beijou offen, das Internet tut immer noch nicht …

PS: in der Lounge in Lijiang gab es schließlich statt warmer Speisen, Bier und internationaler Spirituosen nur strohigen Grüntee, fermentierte Sojabohnen und sodbrandauslösende Kekse. Außerdem war es schwanzkalt, eine Heizung war zwar vorhanden, aber leider gerade kaputt. Dafür lieg ohrenbetäubend laut die chinesische Version von GZSZ. Well, that’s China!

  

The English is not the yellow from the egg

Manche lernen’s einfach nicht: wiedermal sitzen wir, in freudiger Erwartung eines Lounge-Frühstücks, viel zu früh mit knurrendem Magen an einem Flughafen und warten, daß unser Checkin-Schalter in 2 Stunden aufmacht.

Also machen wir aus der Not eine Tugend und nutzen die Zeit, um auf die vergangenen Tage hier in Lijiang zurückzublicken.

Lijiang wird im Reiseführer als wunderschöne Stadt beschrieben. Und tatsächlich hat die von Wasserläufen und Boxerbrücken durchzogene Altstadt durchaus ihre Reize. Aber: in den schmuck hergerichteten historischen Häusern reihen sich Schmuck- an Teeläden und diese wiederum an Reisebureaus und Shops, in denen Trommeln verkauft werden. Dazwischen findet sich ab und zu mal ein Futterstand, an dem präferiert mit Blüten gefüllte süße Teiglinge verkauft werden.

Das ganze erinnert stark an die dörfliche Idylle des Outlets in Roermond, allerdings muss man hier, im Gegensatz zu dort, 80 Rimbimbes Eintritt zur Erhaltung des Weltkulturerbes zahlen (um die wir uns 3 Tage lang erfolgreich gedrückt haben).

Das hält die Touristen aber nicht davon ab, sich in Massen durch die Gassen zu quetschen. Einzig in die Trommel-Läden, von denen es viele Dutzende gibt, verirrt sich selten einer. Dieses Bild hat sich uns ins Gedächtnis gebrannt: eine gelangweilte Verkäuferin schlägt mit einer Hand die Trommel zur immer gleichen Hintergrundmusik, während sie mit der anderen auf dem Handy spielt.

Apropos Handy: die Chinesen, besonders die Chinesinnen, scheinen 2 Dinge über alles zu lieben: ihr Handy und ihr eigenes Abbild. Der Selfiestick, der es bei uns allenfalls als „Deppenzepter“ zu einigem zweifelhaften Ruhm gebracht hat, ist hier allgegenwärtig. Neu für uns war, daß man damit auch telefonieren kann. Man muss nur laut genug schreien. Und wenn gerade nicht gebrüllt wird, wird fleißig der Selbstfotographie gefrönt.

Ich will versuchen, eine Schlüsselszene zu beschreiben: am Blauen Mondsee hockt eine junge Chinesin in historischem Gewand (das man überall für wenig Geld mieten kann) auf einem kippligen Stein im Wasser, bemüht sich, das Kleid so zu raffen, daß es nicht total durchnässt, balanciert den Selfiestick und versucht mit der freien Hand, ein paar Wassertropfen zwischen Linse und Duckface zu arrangieren. Man kann davon halten, was man will, aber das erfordert auf jeden Fall einiges an Körperbeherrschung.

Und wenn ausnahmsweise mal nicht telefoniert oder geselfiet wird, dann wird getippt. Gestern saß beim Abendessen eine junge Frau neben uns, die mit einem Handy an’s Ohr geklemmt (immerhin nicht am fernen Ende eines Selfiesticks) telefonierte, auf einem anderen tippte und sich von alledem nicht vom Essen abhalten ließ. Ich mutmaße mal, sie chattete mit ihrer Freundin gegenüber am Tisch, denn auch die war in’s Tippen vertieft.

Zurück zu Lijiang: die Stadt ist also durch und durch touristisch geprägt. Allerdings scheinen die Touristen zu 99,999+ % Inländer zu sein. Die Läden sind zwar alle in, mehr oder weniger fehlerfreiem, Englisch beschriftet, aber das ist eigentlich unnötig: der erfahrene Traveller erkennt einen Schmuck- oder Trommelladen nach einiger Zeit auch anhand der chinesischen Schriftzeichen. Oder noch einfacher daran, daß es dort Schmuck oder Trommeln (inkl. gelangweilter Verkäuferin mit Handy) gibt. Ansonsten entspricht die allgemeine Kenntnis der englischen Sprache dem Bedarf: ziemlich genau Null.

Normalerweise sind wir westlichen Reisenden es gewohnt, daß wir, zumindest in den Touristen-Hochburgen, den Nabel der Welt darstellen. Mittlerweile haben wir zwar schon durchaus mal die Erfahrung gemacht, daß wir nichtmal im Ansatz verstanden werden, aber das war dann weit abseits der „ausgetretenen Pfade“ (z.B. bei den Bauern im vietnamesischen Hochland).

Hier hingegen wird, ohne weiteres Nachdenken, unterstellt, daß man Chinesisch könne. Wenn wir etwas nicht verstehen, wird es einmal etwas lauter und nachdrücklicher wiederholt. Wenn wir es dann immer noch nicht kapieren, ist das ausschließlich unser Problem, nicht das des Gegenübers. Schließlich braucht der Taxler nur eine Minute auf den nächsten Fahrgast, der seine Sprache spricht, zu warten und das Restaurant wird den Tisch schnell mit jemandem besetzen, der die Speisekarte lesen kann.

Diese Verhalten war für uns neu und auch ziemlich befremdlich, als ich mir dann aber überlegt habe, wie ein Chinese (oder auch ein Amerikaner, Italiener oder Norddeutscher) sich beim Bestellen im Kupferkessel in Waging am See fühlen muss, kam mir der Gedanke, daß wir uns erstmal an die eigene (lange) Nase fassen sollten.

Soroche – Pt. 2/ Tibet Light

Wieder hatte Birgit beim Korrekturlesen des letzten Eintrags einen Einwand: neben den beiden genannten Grenzlinien in Deutschland gibt es noch eine weitere, nämlich die mit Dings … äh … Dings … mmmh … verdammt … die mit der schwarzen Süßigkeit.

Der letzte Eintrag mit diesem Titel ist ziemlich genau 5 Jahre alt. Damals setzte uns die Höhe von 5.300 Metern einigermaßen zu. So hoch sind wir diesmal nicht annähernd, gerade mal 3.200 Meter. Trotzdem macht uns die Höhe diesmal mehr zu schaffen als in den Anden. Bei mir wundert mich das wenig, schließlich stand ich damals am Höhepunkt meiner körperlichen Fitness und am Tiefpunkt meines Körpergewichts. Von beidem bin ich aktuell ein gutes Stück entfernt. Das lässt Luft für gute Vorsätze für nach der Reise.

Aber nicht nur ich bin kurzatmig und habe das Gefühl, ich könne meine Lungenflügel nicht ausreichend mit Luft füllen. Auch meine deutschsprachige Reiseleitung vor Ort und kongeniale Co-Bloggerin ist ziemlich gebremst. Außerdem hat sie manchmal Dings … äh … mmmh … äh … Wortfindungsschwierigkeiten.

Nun sind wir also am (geographischen) Höhepunkt unserer Reise angekommen, in Shangri-La. Das ist jener mystische Ort im Himalaya, in dem die Leute angeblich 150 Jahre alt werden. Und von dem chinesische Forscher erst 1997 herausgefunden haben, daß er genau hier liegt (liegen soll?). Das führte dann, neben der Umbenennung des Ortes von Zhongdian in eben Shangri-La, zu einer beispiellosen touristischen Expansion. Diese gipfelte in der fast vollständigen Zerstörung des Ortes bei einem Feuer im Jahr 2014. Entsprechend fühlen wir uns hier wie in einer Mischung aus Lost Place (zumal gerade keine Saison ist), Baustelle, Märchenwelt und Ski-Ort.

Außerdem liegt der Ort zwar politisch in der Provinz Yunnan, geographisch aber im tibetischen Hochland. Die allgegenwärtigen Yaks und deren Produkte (siehe Yakbutter-Tee) können das bezeugen. Damit können wir mit Fug und Recht behaupten, wir wären in Tibet gewesen. Und das ohne die Formalitäten und Kosten für den Permit und den obligatorischen ständigen Begleiter. Nennen wir es „Tibet Light“: die ganz hohen Gipfel und der Yeti bleiben uns verwehrt.