From Russia with Love

„17-jähriger landet mit Cessna auf Rotem Platz!“ An diese Schlagzeile kann ich mich noch gut erinnern. 

Der Rote Platz im Herzen des Reich des Bösen. Mit dem Kreml (das ist doch jener schöne Bau mit den vielen bunten Zwiebeldächern, oder?) und den alljährlichen Siegesparaden, bei denen alte Männer vorbeiziehenden Soldaten im Stechschritt, Panzern und Atomraketen zuwinken.

Das waren so meine ersten bewussten Eindrücke von Moskau. Und natürlich der Bond-Film mit den Liebesgrüßen. 

Später kam dann noch die laue Augustnacht hinzu, in der man den Wind der Veränderung deutlich spüren konnte, während man am Ufer der Moskwa in Richtung Gorki Park schlenderte. 

Und Gilbert Becauds Nathalie und Elton Johns Nikita. Letzteres war übrigens im Jahr 1986 meine erste selbstgekaufte Single. Und, ach ja, die von Ralf Siegel zusammengecastete Retortenband, die im Namen der Stadt zu Vandalismus aufforderte.

So, ich glaube, jetzt habe ich nach bestem Wissen und Gewissen alles zusammengetragen, was ich an Eindrücken und Wissen über die russische Hauptstadt zu haben glaubte, als ich vorgestern in den Flieger (leider keine Cessna) nach Domodedowo gestiegen bin.

Die Realität im Moskau des Jahres 2017 sieht definitiv anders aus: realistischer, aber auch langweiliger. Irgendwie tue ich mir schwer damit, mir 007, die blonde Führerin Nathalie oder Dschingis Khan in Mitten der omnipräsenten Dependancen der westlichen Konsum-Kultur vorzustellen. Einer von Birgits ersten Eindrücken beschreibt die Sache ganz gut: „wenn ich nicht wüsste, wo wir sind, könnte das auch Traunstein sein“. 

Das stimmt natürlich nur bedingt: weder gibt es in Traunstein einen Kreml (der übrigens nicht der schöne Bau mit den vielen bunten Zwiebeldächern ist), noch ist das beschauliche oberbayerische Oberzentrum eine einzige, dauer-presslufthämmernde Baustelle. Was aber ganz gut passt: Moskau stellt sich uns als durch und durch europäische, piek-saubere, freundliche und bisweilen preußisch-streng organisierte Stadt dar.