Goodbye, Farewell and Amen

Und wieder mal: Tempus fugit, Kinners wie die Zeit vergeht! Demnächst heißt es Köfferchen packen und Abschied nehmen. Was bleibt von den letzten Tagen hier in Seoul noch zu berichten? So eins, zwei Dinge fielen mir dann doch noch ein:

Gestern ging’s dann noch mal auf eine Tour über die verschiedenen Märkte und Basare. Zum Thema Basar: wenn ich in Deutschland z.B. ein Optiker-Geschäft aufmachen will, dann prüfe ich zunächst die lokale und regionale Konkurrenz-Situation, den Bedarf, die sozio-ökonomische Kapazität des Viertels, die Prognose der demographischen Entwicklung und deren potenzielle Implikation auf meinen Geschäftserfolg usw. In anderen, insbesondere südlichen, Ländern, läuft das scheinbar etwas anders ab: wenn es in einer Strasse bereits 6 Optiker gibt, dann muss das wohl eine gute Strasse für  Optiker sein!

Genau so gliedern sich hier die Basare. Allerdings mit einer unglaublich geringen Sortiments-Breite und einer entsprechend großen Tiefe. Da gibt es 4 (nicht gerade kleine) Läden, die nichts anderes als Druckminderer verkaufen. Einen Block weiter reihen sich 7 Läden aneinander, die alle möglichen Arten Riemen (Keil-, Zahn-, Rippen- und was es sonst noch für Riemen geben mag) anbieten. Weiter geht’s dann mit kleinen Rädern (z.B. für Schub- oder Sackkarren) etc. Im nächsten Block ist dann der Textil-Basar, dort gibt’s Läden, die sich auf Bordüren, Kordeln oder Reissverschlüsse spezialisiert haben. Und so geht das kilometerlang weiter.

Zur Stärkung gab’s (natürlich in der Innereien-Gasse) eine Kombination verschiedener Schweinereien, u.a. gebratene Gebärmutter. Hört sich schlimmer an als es ist, kann man essen (zugegebenermaßen: muss man aber nicht!).

Damit sind wir beim Thema Essen angekommen. Zum traditionellen Abschieds-Essen ging’s zum koreanischen Barbecue. Ich will hier nicht das Essen selbst beschreiben (nur so viel: es war lecker), sondern etwas anderes, mit dem wir konfrontiert wurden. Wir haben es „positiven Rassismus“ getauft. Dazu muss ich dann aber doch etwas ausholen. Beim koreanischen Barbecue wird, ähnlich wie beim heißen Stein, das Fleisch direkt am Tisch gebraten. Allerdings nicht auf Stein, sondern auf einem echten Holzkohle-Grill. Los ging’s bei der Bestellung: ich habe mir u.a. Rinderzunge bestellt. Da überkam die Kellnerin wohl Zweifel, ob ich Langnase überhaupt weiß, auf was ich mich da einlasse. Da es um ihr Englisch wohl genauso gut bestellt war wie um mein koreanisch, versuchte sie mich pantomimisch, indem sie mir ihren Lappen entgegenstreckte und wild darauf deutete, vor meiner Entscheidung zu warnen. Nachdem ich sie, genauso pantomimisch, überzeugt hatte, dass ich (zumindest in diesem Fall) weiß was ich tue, wurde dann das georderte Fleisch geliefert. Und weiter ging’s mit der Fürsorge: sie konnte ja nicht wissen, ob es bei uns im Westen auch Grills gibt. Also blieb sie, sicherheitshalber, bei uns am Tisch stehen und wendete regelmäßig unser Grillgut. Birgits sehr energisches „THANK YOU!“ verstand sie wohl als Bestätigung, uns damit tatsächlich einen Gefallen zu tun. Erst als Birgit ihr die Grillzange aus der Hand riss, verstand sie, dass wir die Technik des Fleischwendens wohl mittlerweile hinreichend verinnerlicht hatten. Birgits Stimmung war danach doch etwas getrübt. Manchmal ist gut gemeint eben das Gegenteil von gut.

So, mittlerweile wuselt Birgit um mich rum und die Koffer sind auch schon weitgehend gepackt. Jetzt wird’s ernst mit dem Abschied, also: Goodbye, Farewell and Amen.