Praeludium – Anreise & KL

Tempus Fugit – Kinners, wie die Zeit vergeht! Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als wir nach dem einen (und anderen) Abschieds-Kölsch in den Zug eingestiegen sind. Die gleiche Szene wie vor exakt 51 Wochen: die selbe Kneipe, die selbe Zugverbindung, die selbe Verspätung. Wieder geht’s via Weinheim zum Flughafen, wieder liegt das Ziel in Südost-Asien.

Ok, 2 Unterschiede gibt es: Birgit trägt ihre Last mittlerweile (normalerweise) nicht mehr auf dem Buckel, sondern rollt sie elegant neben sich her, und, während wir vor Fast-Jahresfrist zu großer Fahrt aufgebrochen sind, bleibt uns diesmal kaum Zeit, den Jetlag zu überwinden.

Einschub: warum eigentlich immer Oktober/ November? Ich bin mir sicher, dass das Schlagwort „Monsun“ in unserem Blog nach „Bier“, „aufdringliche Eingeborene“ und „my friend“ einen der vorderen Plätze des Rankings belegen wird. Wir finden diese Reisezeit auch nicht optimal, aber solange die BNetzA nicht meinen Vorschlag, die jährliche Formatumstellung fix auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben, reagiert, müssen wir uns wohl damit abfinden.

Wie dem auch sei, bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung (wer diesen Spruch erfunden hat, arbeitet bestimmt bei der BNetzA). Nach der ersten kräftigen Monsun-Dusche sitzen wir nun also wieder in unserem stramm klimatisierten Zimmer, genießen das erste Tiger-Bier und wollen die Anreise und unseren ersten Tag in KL Revue passieren lassen.

Über unseren ersten Flug seit Äonen mit der Kranich-Airline kann ich nichts Schlechtes berichten: der Flieger (A340-400) war brandneu, es gab die aktuellen Ausgaben von Spiegel und Stern, die Stewardessen waren leidlich ansehnlich, das Essen genießbar, Bier und Wein wurden ohne Murren nachgeschenkt und die Landung war smooth. Außerdem gab es die aktuellen Hollywood-Streifen auf deutsch statt auf mongolisch mit aserbaidschanischen Untertiteln.

Ebenso wie Flug und Landung waren auch Einreise und Transfer in die Stadt unspektakulär. Mmmmh, ich werde hier zwar nicht nach Worten bezahlt, ein allzu kurzer Beitrag würde mich dann aber doch in meiner Hobby-Freizeit-Autoren-Ehre kränken. Also doch noch ein paar Zeilen zum Transfer: der Bus erinnerte mit seiner Samt-, Brokat- und Nussbaumholzimitat-Ausstattung stark an einen fliegenden Teppich. Dieser Eindruck wurde durch die lautstarke Tausendundeinenachtmusik aus den offensichtlich (besser: offenhörbar) stark überstrapazierten Lautsprechern noch verstärkt.

<Einschub Birgit> Untermalt wurde das ganze durch einen Sängerknaben hinter uns im Bus.

Aus meiner Sicht gab es aber noch zwei andere, gegensätzliche Eindrücke. Bei der Einreise stand eine Dame mit Vollverschleierung vor uns. Und sie stand so lange da, bis der weibliche Immigration Officer frei war. Der männliche Kollege bearbeitete in der Zeit drei Touristen. Beim nächsten Schalter,  in einer schmuddligen Ecke zum Buskarten kaufen, gesellte sich der Busfahrer ins Telefon brüllend zu mir, so nah dass ich seine Körperwärme *bäh* fühlen konnte. Als wäre es nicht schon heiß genug.

Noch eine kleine Anekdote am Rande. Seit Japan bin ich dazu übergegangen die gewünschte Destination in ein Notizbuch zu schreiben. Dann ist es nicht so schlimm, wenn es durch mehrere Fahrer weiter gereicht wird. Zur besseren Lesbarkeit jetzt auch in groß. Was an GEO HOTEL kann man denn bitte nicht lesen?</Einschub Birgit>

Mehr gibt es aber wirklich nicht zu berichten. Weitgehend unbeschadet, allenfalls mit einem minimalen Rauschen im Ohr, konnten wir unser Zimmer im Herzen der Stadt beziehen. Dieses befindet sich am Pasar Seni, dem Zentralmarkt, unweit der berühmten Petaling Street, wo allerhand 100% echte Handelsware prominenter Provinienz feilgeboten wird. Die interessierte uns allerdings weniger als die diversen Futterstände, die die Straßen flankieren. Gestärkt mit mariniertem Fleisch (Birgit: bäh, eingeweichtes Frolic), Nasi Lemak (Birgit: bäh, is‘ da was mit Fisch drin) und einem Gericht mit einer Art Nudeln, die an meine geliebten Udon erinnern (Birgit & Oliver: boah, ist das scharf), ließen wir uns nach einem 30-stündigen Tag ziemlich erschöpft in unser King Size Bett fallen.

Der Schlaf trat zwar unmittelbar ein, war aber sehr unruhig. Jetlag, Klimaanlage (digital: aus oder eiskalt) und eine erschreckende Erkenntnis, die uns noch verdammt teuer zu stehen kommen könnte, haben dazu zu jeweils gleichen Teilen beigetragen.

(Mittlerweile hat es sich draußen eingeregnet, Birgit hat sich zum Schutz vor der Klimaanlage unter der Decke verkrochen und das zweite Tiger Bier geht zur Neige)  Unser Tag heute in KL war heiß (>30°), schwül und bisweilen naß (siehe auch: Monsun). Und obwohl wir heute den größten Kaugummi-Automaten und die größte Indoor-Achterbahn der Welt sehen durften, glaube ich nicht, dass wir dieser Stadt einen dritten Besuch abstatten müssen. Wahrscheinlich hätten wir auch schon auf den zweiten verzichten können, aber der war ja eh nur als Ausgangspunkt zum Erkunden des Hinterlands gedacht. In den Cameron Highlands, die eigentlich unsere nächste Etappe hätten sein sollen, ist es weniger heiß (gut), aber nicht minder naß (schlecht). Also haben wir kurzfristig umdisponiert, unser nächstes Ziel ist jetzt die Insel Penang, wo es zwar auch schwül, dafür aber immerhin warm (> 30°) ist.