RIP Klara: Tauchen im Great Barrier Reef

Auch die längste Nacht (-Busfahrt) hat irgendwann ein Ende. Mittlerweile sind wir, ziemlich erschlagen, in Newcastle angekommen. Auch das Wetter ist nicht so richtig viel besser geworden, aktuell regnet es zwar gerade nicht, so wie es aussieht, wird das aber schon bald wieder der Fall sein. Unser Motel-Zimmer ist zwar wirklich schön, jedoch etwas weit weg vom Schuss (20 Minuten Busfahrt vom Stadtzentrum). Immerhin: das Internet hier ist kostenlos, stabil und leidlich schnell.

Das mit der geplanten Weintour in’s Hunter-Valley wird wohl auch nix, die Anbieter haben entweder zwischen den Jahren zu oder sind ausgebucht.

Auch wenn das nicht gerade die besten Aussichten sind, wollen wir doch bei unserem Vorsatz bleiben, nicht mit dem, was uns auf unseren Reisen so widerfährt, zu hadern. Stattdessen nutzen wir die Gelegenheit, unseren Rückstand bei den Bildern weiter zu verringern.

Hier also die Bilder aus dem Great Barrier Reef vom 16.12.2014., deren Erstellung unser Tough Girl Klara leider nicht überlebte.

Bilder Auckland 12. bis 14.12.2014

Ok, zugegeben, mit den Bildern sind wir etwas im Rückstand. Es ist aber auch ein Krampf hier mit dem Internet. Mit nicht umsonst könnten wir ja noch leben, aber kostenpflichtig und krotten-langsam ist eine ganz unglückliche Kombination. Da wir nun mal jetzt aber (fast) alle Zeit der Welt haben, bis unser Nachtbus geht, will ich die Gelegenheit nutzen und die letzten ausstehenden Bilder aus Auckland (Neuseeland) hochladen.

PS: der Regen hat an Intensität zugelegt

 

an Tagen wie diesem

Es regnet und wir sind müde, müssen uns aber noch über 9 Stunden um die Ohren schlagen: der Bus, der uns nach Newcastle bringen soll, geht erst um 5 vor 12. Nachts! Sehen wir es positiv: so sparen wir uns eine Übernachtung.  Außerdem: die Sitze hier in der Lobby unseres Hostels sind zwar unbequem und es ist laut und muffig, aber immerhin ist es trocken.

Aktuell sind wir (noch) in Byron Bay. Bekannt ist dieses Städtchen als östlichster Punkt des australischen Festlands und als Eldorado für Surfer und Aussteiger. Das, in Kombination mit den Weihnachts- und Sommerferien führt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage dazu, dass die Unterkünfte hier phantastische Preise aufrufen. Wir hatten noch einigermaßen Glück, dass wir ein privates Doppelzimmer mit eigenem Klo für vergleichsweise moderate 100 Eu je Nacht ergattern konnten.  Allerdings lässt uns diese Herberge auch deutlich spüren, dass wir alt werden: die allgegenwärtige Musik ist, wie schon angedeutet, für meinen Geschmack zu bass-lastig und zu laut, der aus den Schlafsälen dringende Geruch, der sich am ehesten mit „durchgelegene, mit allen möglichen Körperflüssigkeiten durchdrängte Matratze“ beschreiben lässt, hebt mir den Magen und wenn ich mitten in die Küche einen Haufen gesetzt hätte, wäre das wohl auch nicht weiter aufgefallen. Wahrscheinlich hält sich die typische Klientel nicht mit so Nebensächlichkeiten wie Schlafen oder Essen auf, schließlich ist hier „Spaß“ haben oberste Direktive.

Ähnlich wie mit den Unterkünften sieht es auch bei den Busverbindungen aus. So eine Fahrt mit dem Nachtbus ist zwar nicht das Gelbe vom Brot, aber allemal besser als hier zu stranden: mittlerweile sind sämtliche Busverbindungen in Richtung Süden bis in’s neue Jahr hinein ausgebucht, und über einen Mietwagen bräuchten wir selbst dann nicht nachzudenken, wenn unser Motto „koste es, was es wolle“ wäre (was es definitiv nicht ist).

Einschub: Birgit hat gerade ihre Kopfwehtablette mit einem guten Schluck aus der Weinflasche runtergespült. Das war, wie ich ihrem Gesichtsausdruck nach vermute, so nicht beabsichtigt. Zugegeben, die Weinflasche ist auch nicht wirklich eine Weinflasche, sondern vielmehr eine Wasserflasche, in die ich, zwecks besserer Transportierbarkeit, den Rest unseres Bag-in-Box Weins umgefüllt habe. Und da wir gerade beim Thema sind: Australien hat eine sehr restriktive Alkohol-Politik. Zu kaufen gibt es den ausschließlich in expliziten Bottle-Shops, und der Konsum außerhalb der eigenen vier Wände ist streng geregelt. Viele Restaurants sind nicht lizenziert, dort gibt es ausschließlich Softdrinks (positiv: Wasser gibt es immer umsonst). Andere haben eine BYO-Lizenz, das steht für „Bring-Your-Own“. Praktischerweise arbeiten diese oft mit Bottleshops zusammen, so dass man das mitzubringende Tröpfchen direkt nebenan erwerben kann. Und schließlich gibt es noch Fully-Licensed Restaurants, also solche mit Ausschank-Konzession. Die lizenzierten Bereiche der Lokale sind deutlich abgegrenzt („no alcohol beyond this point“), ansonsten ist jeglicher Konsum in öffentlichen Raum verboten.

Die Bottle-Shops hier haben nicht mit den, bisweilen etwas düster-anrüchigen Liquor-Stores, wie ich sie aus Amerika kenne, gemein. Meistens handelt es sich um helle, gut klimatisierte Läden riesigen Ausmaßes (etwa so groß wie eine typische deutsche Aldi-Filiale), in denen das ganze Spektrum geistreicher Getränke angeboten wird. Bei harten Spirituosen ist der Preis in etwa mit dem in Deutschland vergleichbar, allerdings nur, wenn man gleich 2 Flaschen kauft. Das ist hier generell oft so, dass das zweite Irgendwas nur ein Bruchteil des Ersten kostet. Bier hingegen ist heftig teuer, und die heimischen Marken sind dünn (oft nur 3,5 %) und schmecken nicht sonderlich. Die importierten Marken, also Heineken, Becks und Konsorten, die ich auch nicht sonderlich lecker finde, sind natürlich gleich nochmal einiges teurer. 5 EUR für die 0,5er Flasche ist eher die Untergrenze. Was bleibt ist Wein. Hier macht es sich bezahlt, dass Australien einer der größten Produzenten der Welt ist. Für unter 5 EUR bekommt man eine ordentliche Flasche Pinot Grigio, und wenn man auf die Flasche verzichtet, gibt’s für etwas über 10 EUR einen 5 Liter-Schlauch mit einem ebenfalls ganz gut trinkbaren Cabernet.

Vom Wein zurück zur Weihnacht: Heiligabend haben wir in Brisbane verbracht. Unsere Unterkunft dort war vom Feinsten. Wir hatten uns ein „Serviced-Appartment“ gegönnt, also eine komplett eingerichtete Wohnung mit Küche, Waschmaschine, Trockner etc, in der man weder saugen noch putzen muss. Der Ausblick aus der 17. Etage war beeindruckend und der Wellness-Bereich mit Schwimmbad, Whirlpool und Sauna auch nicht zu verachten. Insgesamt haben wir dort für 3 Nächte weniger gezahlt als hier für 2, wobei ich zugeben muss, dass die Surf-und „Spaß-“ Möglichkeiten doch ziemlich eingeschränkt waren. Abends haben wir ein Käsefondue mit 4 Sorten Chedda improvisiert (das scheint der einzige Käse zu sein, den die Australier können), dazu gab’s Wein aus dem Schlauch (s.o.) und die Top-10 der australischen Weihnachtslieder in einer Endlosschleife (Zitat Birgit: „zu Hause hatten wir auch nur eine Weihnachts-CD“; Anmerkung von mir: und die war von Hanne Haller!).

Am eigentlichen Weihnachtstag waren die Geschäfte (inkl. Bottle-Shops) geschlossen und die Straßen voll zombihafter Traveller, denn ohne Essen (und Alkohol) hört auch für die hartgesottensten Surfer und Aussteiger der „Spaß“ irgendwann auf. Wir hatten uns vorausschauend mit Lebensmitteln zur Selbstversorgung eingedeckt, aber als wir die Küche in unserer neuen Unterkunft erblickten (s.o.), verging uns schlagartig jeglicher Appetit. Immerhin hatten wir noch Wein in Wasserflaschen.

So, jetzt müssen wir nur noch 7 1/2 Stunden totschlagen, und es regnet immer noch …

Wet Landing

11 hinter uns, noch 3 vor der Brust: mit 14 Stunden Brutto- und nicht viel weniger Netto-Fahrzeit ist unsere Etappe von Airley nach Hervey unsere längste Busfahrt bisher, zumindest netto. Zwischen Bolivien und Chile waren wir zwar 19 Stunden unterwegs, standen davon aber fast 7 mitten in der Atacama-Wüste rum.

Wie schon geschrieben war das Busfahren nicht unsere erste, und wenn wir ehrlich sind nicht mal unsere zweite Wahl. Der Gedanke an die Flexibilität eines Campers und das kühle Landungsbier in dessen Kühlschrank erscheint mir just in diesem Moment wieder sehr verlockend. Stattdessen sitzen wir im Greyhound Bus, der Fahrer fährt wie ein Henker, ich hatte seit 29 Stunden keinen nennenswerten Schlaf und ich bin mir nicht ganz sicher, was schlimmer riecht: die Hartwurst aus unserer Provianttüte, die Ausdünstungen unserer Mitreisenden oder unsere eigenen.

Außerdem schmerzen meine Beine. Ich weiß gerade nicht, ob ich das schon erwähnt habe, aber beim Schnorcheln im Great Barrier Riff habe ich es, mal wieder, versäumt, die paar nicht vom Neopren-Anzug bedeckten Quadratzentimeter meines Körpers einzucremen. Jetzt zieht sich die verbrannte Haut an den Unterschenkeln großflächig zusammen und verursacht bei den meisten Bewegungen ein heftiges Ziehen. Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, hat die Sonne in der Nähe des Zenits meiner Schädelkalotte eine ganz frische, sozusagen jungfräuliche Stelle zum Verbrennen gefunden.

Genug der Klage, nachdem wir, unter Aufbringung von Blut, Schweiß und Tränen, unsere Tour bis nach Sydney durchgebucht haben, haben wir uns feierlich geschworen, mit nichts von dem, was uns hier erwarten mag, zu hadern.

Dazu gehört auch, dass wir uns nicht über die Tiere ärgern, die wir nicht zu Gesicht bekommen: zu den Pinguinen und Walen in Neuseeland gesellen sich hier noch Krokodile, zumindest die Größeren. Erzählt bekommen wir was von Giganten mit über 4,50 Meter Länge, gezeigt werden uns Exemplare von maximal 45 Zentimetern. Die Erklärung für diese Diskrepanz hatte der Ranger-Guide natürlich schnell parat: es ist einfach zu heiß, da bleiben die ausgewachsenen Viecher zur Regulierung der Körpertemperatur die meiste Zeit unter Wasser. Schön und gut, oder wie unser Walpilot sagte: that’s nature. Aber: warum sagt das einem keiner, bevor man die Tour bucht?

Eine andere Tour führte uns zum Whitehaven Beach, dem Strand mit dem feinsten Sand des Planeten. Auch wenn ich solche Superlative etwas weit hergeholt finde, muss ich doch zugeben, dass der fast mehlige, strahlend weiße Sand in Kombination mit dem türkis-blauen Wasser schon sehr reizvoll war. Reizend sind wohl auch die in eben diesem türkis-blauen, badewannenwarmen Wasser beheimateten Quallen, so dass uns nahegelegt wurde, dieses nur mit einer Art Bade-Burka zu betreten.

Am Ziel unserer heutigen Etappe wartet dann der nächste Superlativ auf uns, die größte Sandinsel der Welt. Danach soll’s dann erstmal genug Sun ’n Fun sein, zumal ich der Sonne gegenüber etwas reserviert bin (s.o.) und für Fun das australische Bier zu teuer ist und eher bescheiden schmeckt. Über Weihnachten haben wir in Brisbane ein Appartement (mit Küche!) gemietet, und wir freuen uns schon auf unser Käsefondue bei über 30 Grad.

Nemo nochmal gefunden

Nachdem unsere Zeit in Neuseeland fast wie Urlaub war, geht’s hier in Downunder mit  dem Travelling weiter. Das fing erstmal damit an, dass das Verhältnis Brutto- zu Netto-Flugzeit bei der Anreise mit 14:5 echt mies war. Bei der Ankunft hier in Cairns mussten wir dann feststellen, dass weder diese Stadt der Nabel der Welt noch das gebuchte „Ibis Styles“ ein echtes Boutique Hotel ist. Das übliche Landungsbier fiel wegen horrender Preise aus und wurde durch einen bezahlbares, durchaus nicht unleckeres Landungsweinchen ersetzt. Das Abendessen fiel auch aus und wir totmüde ins Bett: Willkommen auf dem 7. Kontinent!

Gestern stand dann erstmal etwas auf dem Programm, das wir mit unserem Camper in NZL beinahe verlernt haben: Reiseplanung. Dabei fiel uns auf, dass Australien doch insgesamt etwas größer ist, was sich u.a. deutlich in den Reisezeiten niederschlägt. Von hier sind es z.B. zur nächsten echten Stadt schlappe 700 km. Erschwerend kommt hinzu, dass hier in Kürze Weihnachten und Sommerferien zusammenfallen, was das Angebot an kurzfristig verfügbaren Transportmitteln (Camper, Mietwagen) auf exakt Null reduziert.

Einschub: in dem heutigen Tag ist irgendwie der Wurm drin. Zum unten beschriebenen Trauerfall mussten wir auch gerade feststellen, dass Birgit ihre Hose mitsamt unserer kompletten Barschaft und den Kreditkarten verloren hat. Zum Glück ist das Fundbüro nur einen Block weiter, und tatsächlich wurde alles dort unangetastet abgegeben. Das ist ja nochmal gutgegangen!

Nach dieser kurzen Unterbrechung nun weiter im Text. Wie schon gesagt, uns wurde unmissverständlich klargemacht, dass wir uns den Luxus eines Campers oder eines Mietwagens direkt abschminken können. Immerhin, die Fernbusse fahren wie gewohnt und es sind großteils sogar noch Plätze verfügbar. Demnach werden wir die nächsten 2 Wochen mit unserem Greyhound Hop On/ Hop Off Ticket für AUD 419 je Nase unsere Reise gen Sydney fortsetzen.

Heute waren wir am Great Barrier Reef schnorcheln. Die Fisch- und Korallen- Vielfalt und -Buntheit kann nicht ganz mit den Galapagos mithalten. Zitat Birgit: „so ist das halt, wenn man mit den Top-of-the-Pops anfängt“. Trotzdem war die Tour ebenso beeindruckend wie professionell durchorganisiert: schon beim Einchecken wurde uns klargemacht, dass wir ab sofort zu unserer eigenen Sicherheit auf die Nummern 60 und 61 zu hören hätten. Mittels dieser Nummern wurde nach jedem Schnorchelgang sichergestellt, dass niemand im Wasser vergessen wurde. Neben der Schnorchelei stand auch ein kurzer Schnupper-Tauchgang auf dem Programm. Leider kam Birgit mit dem Atmen aus der Pressluftflasche nicht so gut zurecht und hat entschieden, die Aktion abzubrechen, noch bevor sie richtig begonnen hat. Bei meinem Tauchgang gab es leider auch ein Opfer zu beklagen: Klara, unser Mädchen für’s grobe und feuchte, ließ sich  hoffnungslos volllaufen. Zwar konnten wir per Chip-Transplantation die Bilder des heutigen Tags retten, ansonsten liegt sie aber im Koma und ich befürchte, sie wird auch nicht mehr zu sich kommen. Und zu allem Unglück hat dann auch noch Birgit ihre Hose auf dem Boot vergessen, aber das hatten wir ja schon.

Ein letztes Wort zu den Australiern: uns ist völlig klar, dass es die primäre Aufgabe von Touri-Guides ist, gute Stimmung zu verbreiten. Schließlich haben wir die letzten Jahre schon den einen oder anderen Guide erleben dürfen. Die Jungs und Mädels hier sind aber die ersten, bei denen man zumindest annehmen kann, dass die ausgestrahlte Gelassenheit und Lebensfreude nicht nur professionelle Maske, sondern echte, innere Einstellung ist. Und das, wohlgemerkt, am Tag nach dem Tag, der wahrscheinlich als das australische Pendant zu 9/11 in die Geschichtsbücher eingehen wird.