Bilder Hanoi

Mittlerweile neigen sich unsere Tage hier in Hong Kong auch schon wieder ihrem Ende entgegen. Morgen Abend geht’s weiter nach Neuseeland. Will sagen: es wird langsam Zeit, das Kapitel Vietnam abzuschließen, es fehlen ja noch die letzten Bilder aus Hanoi …

Vietnam Facts ’n Figures

Einreise: 02.11.2014 (Landweg)

Ausreise: 17.11.2014 (Luft)

Fortbewegung:
Flugzeug: Hue – Ha Noi
TukTuk: gibt es keine
Bus: Phnom Penh – Saigon 300 km / 7h, Daytrip Saigon – Cu Chi, Hoi An – Hue (Open Tour Bus), {Ha Noi – Hai Phong, Hai Phong – Hai Phong Hafen, Dinh Vu (Cat Ba) – Cat Ba City} und zurück
Zu Fuss: 126,56 km, 526 Etagen (Quelle fitbit one)
Boot: {Hai Phong Hafen – Dinh Vu (Cat Ba)} und zurück, Daytrip Lan Ha Bucht
Zug: Saigon – Danang (softsleeper mit ac)
Kleinbus: Ha Noi Flughafen – Ha Noi, Daytrip Lan Ha Bucht
Taxi: {Cat Ba City – Hotel} und zurück, Hue – Hue Flughafen, {Hotel Ha Noi – Busbahnhof} und zurück, Saigon Hotel – Bahnhof, Danang – Hoi An
Roller: Saigon (mitgefahren), Hoi An, Hue & Cat Ba (selbst)

Übernachtungen:
3 Nächte in Saigon bei Diep Anh im Touristenviertel in einer unscheinbaren Gasse. Nettes, altes Ehepaar, günstiges Bier, Schuhe am Eingang ausziehen, bei korrekter Bedienung der Amatur warmes Wasser. (25,5 $/N)

2 Nächte in Hoi An bei Hoa Binh nahe der Altstadt. Sauberes Zimmer mit bodentiefen Fenstern im 1. OG mit bestem Blick ins Zimmer (von der Strasse aus), Pool im Empfangs-/Frühstücksraum und frisch gebackenen Pancakes zum Frühstück. (22 $/N)

2 Nächte in Hue im Waterland Hotel beim Touristenviertel. Die Bilder im Internet waren eindeutig schöner. Hatte am 1. Tag den Schreibtisch reparieren müssen und zur Zeit der Instandsetzung des Bades war wohl Silikon günstiger wie Keramik. (18 $/N)

Eine Nacht in Ha Noi im Hanoi City Hostel aka Duc Thai Hotel. Mieses Hotel, zum Glück war die Nacht schnell vorbei und es kam zu keinem Großbrand. Inwiefern die Pestizid Belastung im Zimmer sich auf unsere Gesundheit ausgewirkt hat ergeben Langzeitstudien (18 $/N im deluxe doubleroom)

3 Nächte auf Cat Ba im Sunrise Resort am Strand Cat Co 3, grosses Zimmer mit Balkon und Blick sowie Hör auf das Meer und des angrenzenden Steinbruchs, riesiges Frühstücksbuffet mit allgegenwärtigen fetten Eiern und Sachertorte. (110 $/N)

3 Nächte in Ha Noi im Essence Hotel in der Altstadt. Schönes, neue eröffnetes Boutique(?)-Hotel mit einem exquisiten Frühstücksbuffet mit dem besten French Toast, den ich je gegessen habe und einem unwiderstehlichen Vanille Pudding. Einziges Manko war die schlechte Lüftung, die zu einem muffigen Geruch führte. (43$/N)

Touren:
Saigon: Foodtour auf dem Roller, Cu-Chi-Tunnel & Cao-Dai Tempel
Cat Ba: Kayaking, Tunnelführung
Hue: Tempel-/Gräber-/Zitadellentour on wheels

Mahlzeiten: viele, meistens am Straßenrand
Was? -siehe Post Essen.-
Was nicht? Kröte gegrillt

Mit was heruntergespült?
Bier: Bia Saigon, Biere Larue, 333, Tiger, Ha Noi, Bia Hoi, Huda
Softdrinks: Kaffee mit starkem Kakao- und Nuß-Aroma, Eistee, Coke, Schweppes Soda, Schweppes Tonic, diverse Smoothie, widerliches Orangensaft-Imitat in kleinen Gläsern zum Frühstück (siehe Cefrisch)

bởi vì bạn đã thua trong cuộc chiến

Als ich gerade anfangen wollte, unsere letzten beiden Tage hier in Hanoi zu beschreiben, musste ich ein folgenschweres Missgeschick bemerken: irgendwie musste ich wohl versehentlich die Kombination des Schlosses unserer Tresortasche geändert haben. Mein erster Gedanke war: Aussitzen! Birgit überzeugte mich aber relativ schnell, dass Aussitzen ohne Geld, Kreditkarten, Pässe und USB-Ladegerät keine so gute Alternative sei. Nachdem die, sehr hilfsbereiten, Leute hier im Hotel den gesamten Inhalt ihres Werkzeugkoffers an dem gehärteten Chinesenstahl ruiniert haben, haben sie uns in die Schuh- und Schlüsselmacher-Gasse verwiesen. Dort hat ein alter Meister seiner Zunft, sehr zu unserer Erleichterung, den Bügel kurz und schmerzlos aufgesägt (evtl. war der Stahl doch nicht so gehärtet). Jetzt müssen wir zwar wieder Mal ein Schloss kaufen (ist dann das 3. auf der noch jungen Reise), aber immerhin haben wir jetzt auch wieder Geld dafür.

Nach dieser Anekdote wieder zurück nach Hanoi. Im zweiten Anlauf begrüßte uns diese Stadt wesentlich freundlicher, nämlich mit angenehmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel (das sollte allerdings leider ein einmaliges Ereignis bleiben). Auch mit unserer Absteige hier haben wir eine sehr gute Wahl getroffen. Das Zimmer ist geschmackvoll eingerichtet, das Badezimmer würde bei uns als „Wellness-Oase“ durchgehen, das Personal ist freundlich (s.o.) und das Frühstücks-Buffet reichhaltig und lecker.

Derart gestärkt ging’s dann auch los mit der Erkundung der Stadt. Auch hier hat uns der Krieg ziemlich schnell wieder eingeholt. Im „Hanoi Hilton“, einem ursprünglich von der französischen Kolonialmacht erbauten Gefängnis, wurden wir belehrt, wie brutal und unmenschlich die Besatzer mit den heldenhaften Patrioten der Befreiungsarmee umgesprungen sind. Nach 1965 wurden hier dann abgeschossene amerikanische Piloten in völligem Einklang mit den Menschenrechten und den Genfer Konventionen interniert. Die Bilder und Texte der Ausstellung, die sich mit dieser Ära befassen, vermitteln den Eindruck, es habe sich weit weniger um ein Gefängnis als um ein Ferienlager gehandelt. Prominentester Insasse, auf den hier gerne verwiesen wird, war John McCain, der spätere Senator und Präsidentschaftskandidat. Wenn man in dessen Lebenslauf aus Wikipedia den Abschnitt Vietnamkrieg liest, klingt das freilich nicht so ganz nach Ferien. Geschichte wird nun mal von den Siegern geschrieben.

Nur ein paar Strassenblocks weiter wurde uns dann vor Augen geführt, wer den Krieg wirklich gewonnen hat. Scheinbar ging hier gerade das Schuljahr zu Ende und die Abiturienten bevölkerten zu tausenden den „Literaturtempel“, um sich dort in Talar und mit affigem Doktorhut ablichten zu lassen. Natürlich musste dieser auch stilecht in die Luft geworfen werden. High School Musical lässt grüßen. Und statt „Ho-Ho-Ho-Chi-Minh“ leuchtet „Ho, ho, ho, merry Christmas“ in den Schaufenstern …

Erfreulicherweise hat Birgit ihren Streetfood-Blues überwunden, so dass wir den Abend bei Kutteln, Schweineohren, Frühlingsrollen und jeder Menge Bia Hoi ausklingen lassen konnten.

Der heutige Tag verlief auf ähnliche Weise: zuerst haben wir uns im Kriegsmuseum überzeugen lassen, dass die Amerikaner vernichtend geschlagen wurden und dabei scheinbar nicht ein Einziger Vietnamese auch nur einen Kratzer davongetragen hat, danach kauften wie bei Starbucks die obligatorischen Souvenir-Tassen.

no problem!

Pünktlich zu unserer Abreise von der Cat Ba Insel zeigt sich heute Morgen erstmals seit unserer Ankunft die Sonne am Himmel. Beschweren wollen wir uns aber nicht, immerhin blieben wir die letzten 3 Tage vom vorhergesagten Regen verschont. Außerdem gönne ich der ordentlich gearmbändeten deutschen Reisegruppe, die beim Frühstück erfolgreich die Ruhe rausgetragen hat, das schöne Wetter neidlos (arrrggh!).

Eigentlich hätten das hier ein paar entspannte Tage werden können. Das luxuriöse Resort mit Pool und Strand vor der Tür, dem herrlichen Meerblick, der Baustelle mit dem Presslufthammer ab 7 Uhr und den gelegentlichen Explosionen (wahrscheinlich vom Dynamitfischen). Aber nicht mit uns (genauer: mit mir). Schließlich hätte ich dann ja auch nix zu schreiben. Also: kaum dass wir uns am Frühstücksbuffet gestärkt hatten, saßen wir schon auf dem gemieteten Roller (muss ich erwähnen, dass die Bremsen eher lauwarm waren) um unser Eiland zu erkunden.

Erster Stop war eine der ortsüblichen „Tankstellen“, in denen der Sprit in Wasser- oder Wodkaflaschen ausgeschenkt wird. Ich bin mir sicher, dass die Rollervermieter Abends den von den Touris übriggelassenen Treibstoff abpumpen um diesen dann anderntags zu überhöhten Preisen an den nächsten Kunden zu verkaufen. Denn auch im 3. gemieteten Gefährt war gerade noch genug Benzin, um zur empfohlenen Tanke zu kommen. An der offiziellen Tankstelle hätte der Liter weniger als die Hälfte gekostet, aber bis dahin wären wir nicht gekommen.

Frisch aufgefüllt und einige Dong ärmer ging’s zu einer Höhle mit Bunkeranlage. Zum ersten Mal ist es mir in den Tunneln bei HCMS aufgefallen, aber auch in Hue und hier gebrauchen die Guides, sobald sie etwas vom Krieg, und insbesondere von den amerikanischen Angriffen, erzählen, den Ausdruck „no problem“ eine Spur zu oft. 1,3 Mio unmittelbare Tote, unzählige Agent Orange Krüppel, ein zerstörtes und auf Generationen versuchtes Land … no problem!

Im weiteren Verlauf durfte/ musste ich auf den Pisten einige Dirt-Road-Erfahrungen sammeln, zu denen mir mit meiner Kuh definitiv der Mut gefehlt hätte. Einen besonders steilen Abschnitt musste Birgit zu Fuß bewältigen, da unser Motörchen einem akuten Anfall von Kompressionsverlust erlitt … no problem.

Cat Ba Stadt ist für größeres ausgelegt. Eine gigantische Strandpromenade, große Hotelkomplexe und hunderte Restaurants mit zigtausenden Plätzen. Angeblich tanzen in der Hochsaison die Ausflugsdampfer hier Polonäse. Zumindest jetzt wirkt das Ganze aber wie ein klassischer Lost Place. Und entsprechend werden die wenigen Touris aggressiv umworben. Für uns aber (fast) no problem.

Um nicht nur unsere Insel, sondern auch die unendlich vielen Inselchen im Archipel zu erkunden, mussten wir dann gestern den Roller gegen ein Kajak eintauschen. Die Schönheit der bizarren, aus dem Meer ragenden Felsformationen zu beschreiben, schenke ich mir hier, bei Bedarf: siehe Photos oder Google Bildersuche. Schon nach kurzer Zeit an den Paddeln wurde uns schmerzhaft bewusst, dass unser Trainingzustand eher suboptimal ist. Die einzigen gut trainierten Muskeln sind der Schließmuskel und der, den man braucht, um Bierdosen zu öffnen. Was soll’s, no problem!

Beim Schwimmen zwischen Ölflecken und knisternd vorbeiziehenden Plastiktüten-Schwärmen habe ich mir an einem Felsen die Hand und das Bein aufschürft. Hoffentlich entzündet sich das nicht, das wäre dann schon ein kleines Problemchen.

Jetzt sitzen wir im Bus zurück nach Hanoi, wo wir unsere letzte Etappe in Vietnam und damit in Südostasien verbringen werden.

Novae

Temporär haben wir die Hauptstadt hinter uns gelassen und sind nun auf der Insel Cat Ba in der Ha Long Bucht. Ich muss zugeben, Hanoi und wir hatten keinen guten gemeinsamen Start: schon bei der (zugegebenermaßen gut gelungenen) Landung erwartete uns tiefer Stratus, oder anders ausgedrückt Scheißwetter. Doch eigentlich ging es noch früher los. Beim frühen (6 Uhr) Straßen-Frühstück in Hue (Baguette mit Schwartenmagen und fettem Bauchfleisch) hatte ich mein geliebtes Affen-Shirt nur minimal eingesaut, trotzdem zwang mich Birgit nachdrücklich, mich umzuziehen. Sehr zu meiner Verärgerung fischte ich aus meinem, bereits gepackten und verschnürten, Rucksack ein langärmeliges T-Shirt. Nach der Landung in Hanoi war ich froh um diesen Glücksgriff, denn während unseres etwa 1-stündigen Flugs sank die Temperatur um 15°C. Immerhin verlief der Transfer vom Flughafen zum Hostel reibungslos, sogar mein Name war auf dem Willkommens-Schild korrekt geschrieben (selten, aber kein Novum).

(Novum 1) Das Hostel (18$/ Nacht) war allerdings ziemlich das Übelste, was wir bisher hatten. Die Sache mit der Warnung vor akuter Feuers-Gefahr und den nicht vorhandenen/ verbarrikadierten Fluchtwegen hatte ich ja schon heute Morgen gepostet. Dazu kamen ausgeprägte Stockflecken auf dem Kopfkissen, Reptilien im Zimmer (haben uns wahrscheinlich die Schaben vom Hals gehalten), pferdegroße Löcher in der Zimmerwand (zur Straße hin!) und der allgegenwärtige Gestank nach Naphtalin/ Insektengift. Und unser benutztes Klopapier durften wir nicht direkt entsorgen, sondern mussten es in einem Eimerchen sammeln. Zur Ehrenrettung des Hanoi City Hostels: die Lage mitten in der Altstadt war optimal, das im Preis enthaltene Frühstück o.k. und das Personal sehr freundlich.

(Novum 2) In Sachen Lebhaftigkeit stellt Hanoi alle Städte, die wir bisher bereisen durften, bei Weitem in den Schatten. Diese Aussage kann schon mal als gesichert gelten, Details folgen beim nächsten, längeren Aufenthalt (ziemlich sicher nicht im gleichen Hostel).

(Novum 3) Taxi – Bus – Bus- Boot – Bus – Bier – Taxi : so eine multimodale Etappe hatten wir bisher noch nie

Dass wir unsere Nächte statt in einem Hostel in einem Resort verbringen dürfen ist kein Novum, das hatten wir vor ziemlich genau einem Jahr in Bali schon einmal. Hier haben wir aber allerdings nicht nur Meerblick (Novum 4), sondern ich kann, während ich das schreibe, die Gischt förmlich in meinem Gesicht spüren. Und das sagt mir: bisher haben wir das meiste richtig gemacht!

Kein Entkommen

Das wirkt, im 3. OG, bei vergitterten Fenstern und zugestelltem, unbeleuchteten Treppenhaus, unbedingt vertrauenserweckend

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